#6 Das vergessene Gaza: zwei österreichische Einsatzleiter berichten über die humanitäre Lage - mit Jürgen Högl und Marcus Bachmann
vor 1 Woche
Im Schatten des Irankrieges richtet Karim El-Gawhary den Fokus auf
die weitgehend vergessene humanitäre Katastrophe im Gazastreifen
und spricht mit Jürgen Högl (Rotes Kreuz) und Markus Bachmann
(Ärzte ohne Grenzen) über ihre Arbeit und ihren Frust: Prall
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 1 Woche
Karim El-Gawhary eröffnet die Folge „Im Schatten des Irankrieges“
mit dem Hinweis, dass der Krieg gegen Iran, die Lage am Golf und
die Sperre der Straße von Hormus die Situation in Gaza aus der
öffentlichen Wahrnehmung verdrängt haben, obwohl dort weiterhin
mehr als zwei Millionen Menschen in einer politisch verursachten
Notlage leben. Jürgen Högl vom Österreichischen Roten Kreuz und
Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen erklären, dass sich die
Lage auch nach dem vereinbarten Waffenstillstandsplan letzten
Oktober nicht verbessert hat. Die israelische Armee kontrolliert
große Teile des Gazastreifens, Übergänge bleiben weitgehend
geschlossen und Hilfslieferungen liegen weit unter dem Bedarf.
Sie zeigen auf, wie der Fokus auf die „Zahl der LKWs“ als
Kennziffer die tatsächliche Versorgungslage verschleiert, da
Lastwagen kleiner geworden sind, kommerzielle Waren mitgezählt
werden und viele humanitär essenzielle Güter wegen willkürlich
gehandhabter Verbote an der Grenze scheitern.
Anhand konkreter Beispiele – von Desinfektionsmitteln und
Plastikteilen für Sauerstoffkonzentratoren über Medikamente bis
hin zu Rollstühlen und Krücken – machen die Gesprächspartner
deutlich, dass Krankenhaus-Hygiene, Intensivmedizin,
Brandverletztenversorgung und Reha-Strukturen strukturell
sabotiert werden und dadurch vermeidbare Todesfälle in großer
Zahl auftreten.
Ausführlich beschrieben werden die Folgen für die
Zivilbevölkerung: Familien, die entscheiden müssen, nicht wie
viel man isst, sondern wer isst, schwere Mangelernährung bei
Schwangeren und Neugeborenen, überfüllte Brutkästen, prekäre
Unterkünfte, Ratten- und Ungezieferplagen, zusammenbrechende
Wasser- und Abwassersysteme sowie improvisierte Latrinen, die die
Menschen in einen Teufelskreis aus Krankheit und Verwundbarkeit
treiben.
Bachmann und Högl betonen, dass weder das Wasser- noch das
Gesundheitssystem technische, sondern vor allem politische
Probleme haben: Diesel, Schmieröl, Ersatzteile, Generatoren und
Pumpen werden blockiert, während humanitäre Mindeststandards bei
Wasser, Müllentsorgung und Sanitärversorgung klar verfehlt werden
und internationale Akteure wie Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen
und UNRWA an Kapazitätsgrenzen stoßen.
Im Gespräch reflektieren die Gäste ihre persönliche Frustration
darüber, mit voll beladenen Hilfskonvois „vor verschlossenen
Türen“ zu stehen, und warnen vor einer globalen „Dehumanisierung“
der Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza, die sie als
menschengemachte Katastrophe beschreiben, deren Beendigung und
deren humanitäre Linderung durch politisches Handeln – auch
seitens der EU, Österreichs und regionaler Nachbarn – jederzeit
möglich wäre.
Musik: Nour Ashour
Weitere Episoden
10 Minuten
vor 2 Tagen
15 Minuten
vor 1 Woche
6 Minuten
vor 1 Woche
44 Minuten
vor 2 Wochen
10 Minuten
vor 2 Wochen
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.