Nahost. Nah Dran.

Nahost. Nah Dran.

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Episoden

#14 Die Türsteher Europas in Nordafrika: Wie die EU die Migrations-Stopp-Drecksarbeit ausgelagert hat
09.07.2026
1 Stunde 5 Minuten
In dieser Folge von „Nahost. Nah dran.“ spricht El-Gawhary mit dem in Tunesien lebenden Journlaisten Mirko Keilbert, darüber, wie die EU den Migrations-Stopp  in Nordafrika ausgelagert hat. Keilbert schildert, dass europäische Staaten dafür autoritäre Regime finanzieren und damit ein System unterstützen, in dem Küstenwachen, Sicherheitskräfte und Milizen Migrantinnen und Migranten aufhalten oder zurückdrängen. Er beschreibt die teils katastrophalen Zustände in Haft- und Sammellagern, in denen Menschen auf engem Raum, ohne ausreichendes Wasser und unter Gewaltandrohung festgehalten werden. Besonders deutlich wird, wie Migration in vielen Ländern der Region nicht nur politisch instrumentalisiert, sondern auch zu einem Geschäftsmodell geworden ist. Keilbert berichtet außerdem von Rückführungsprogrammen und davon, dass selbst eigentlich humanitäre Organisationen wie IOM und UNHCR unter Druck geraten und an Vertrauen verlieren. Anhand des Schicksals einer jungen Krankenschwester aus Sierra Leone zeigt die Folge, wie Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und die Hoffnung auf ein besseres Leben Menschen zu lebensgefährlichen Entscheidungen treiben. Zugleich macht die Folge deutlich, dass es in Nordafrika weiterhin viel lokale Solidarität gibt, obwohl Zivilgesellschaft und Helfende zunehmend kriminalisiert werden. Am Ende steht die Frage, ob Europa mit Abschottung überhaupt eine tragfähige Lösung verfolgt oder nur neue Abhängigkeiten, Gewalt und Erpressung verstärkt.


Musik: Nour Ashour


Produktion: Felix Tappeimer
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#13 Was macht eigentlich der Gaza-Friedensrat?
08.07.2026
10 Minuten
El-Gawhary schildert, dass trotz Waffenstillstands weiterhin zahlreiche Palästinenser in Gaza getötet werden und große Teile des Gebiets unter israelischer Kontrolle stehen. Die humanitäre Lage bleibt dramatisch, da Hilfslieferungen eingeschränkt sind und ein Wiederaufbau faktisch nicht stattfindet. Der von den USA initiierte Gaza-Friedensrat sollte zentrale politische und administrative Lösungen bringen, doch kaum ein Punkt des Plans wurde umgesetzt. Parallel dazu hat die Hamas ihren zivilen Verwaltungsapparat aufgelöst, ohne dass klar ist, wer die Kontrolle tatsächlich übernehmen soll. Treffen des Friedensrats, etwa in Zypern, bleiben intransparent und sorgen durch geleakte Dokumente für Kritik, insbesondere wegen geplanter Immunität und Eingriffe in Eigentumsrechte. Konkrete Wiederaufbaupläne beschränken sich auf temporäre, streng kontrollierte Zonen in von Israel kontrollierten Gebieten, was als politisches Druckmittel interpretiert wird. Grundannahme vieler internationaler Akteure ist, dass erst die Entwaffnung der Hamas erfolgen muss, bevor weitere Schritte möglich sind. El-Gawhary kritisiert, dass dadurch die israelische Besatzung als zentrale Ursache ausgeblendet wird und der gesamte Prozess in einer politischen Sackgasse verharrt.


Musik: Nour Ashour


Produktion: Felix Tappeimer
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#12 Plötzlich stand der Entführer im Flugzeug mit Pistole und Handgranate neben mir
02.07.2026
1 Stunde 15 Minuten
In dieser Episode erzählt Franz Zauner von der Entführung des TWA-Flugs 74 im September 1970, einem der größten Flugzeugentführungsfälle jener Zeit, bei dem die palästinensische PFLP gleichzeitig vier Maschinen in ihre Gewalt brachte. Zauner schildert, wie aus seinem ersten Flug von Frankfurt nach New York plötzlich ein Extremerlebnis wurde, als Entführer mit Pistole und Handgranate das Flugzeug übernahmen und es statt nach Westen in Richtung Naher Osten umleiteten. Die Maschine kreiste über Beirut und Amman, bevor sie in einer abgelegenen Flugfeld in der jordanischen Wüste notlanden musste, wo sie von Entführern, Bewaffneten und später weiteren entführten Flugzeugen umringt wurde. Im Flugzeug herrschten stundenlang Unsicherheit, Hitze, Kälte und Angst, während die Entführer Passagiere selektierten, Pässe einsammelten. Um eine Befreiungsaktion zu verhindern, wurde die Maschine mit Sprengstoff vermint. . Zauner schildert, wie er schließlich zusammen mit Frauen und Kindern nach Amman gebracht wurde. Dort lebte er unter Hausarrest und fand sich in einem Bürgerkrieg zwischen den Palästinenser und der jordanischen Armee wieder.  


Im zweiten Teil  ordnet Karim El-Gawhary die Ereignisse historisch ein und erklärt den Hintergrund der PFLP  und die politische Dynamik zwischen PLO, Fatah und den linken palästinensischen Gruppen jener Zeit. Außerdem berichtet Zauner, wie ihn die Erfahrung bis heute prägt, wie sie sein Interesse für den Nahen Osten geweckt hat und wie er später sogar Kontakte zu ehemaligen Mitreisenden und Beteiligten pflegte.


 


 


 


Musik: Nour Ashour


Produktion: Felix Tappeimer
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#11 ORF-Abschiedsbrief als Podcast
01.07.2026
10 Minuten
Am 30. Juni ist nach 22 Jahren die Tätigkeit von Karim El-Gawhary als Korrespondent des ORF für den arabischen Raum zu Ende gegangen. Sein Vertrag wird nicht verlängert. Diese Episode ist eine Art Abschieds-Podcast vom ORF. El-Gawhary erzählt darin nicht nur, in welch gefährliche Situationen er manchmal im Krieg geraten ist. Er reflektiert auch über seine Arbeit. Wichtig war ihm dabei, die Menschen in seinen Berichten nicht zu Objekten zu machen – sondern auf Augenhöhe zu Subjekten, die ihre Geschichte erzählen. 


El-Gawhary kritisiert auch die Nahost-Berichterstattung aller deutschsprachigen Medien, die im Vergleich zu anderen Konflikten mit zweierlei Maß misst. Er erzählt auch, wie er mit den wiederholten Shitstorms auf den Sozialen Medien umgegangen ist, wo er für seine Gaza-Berichterstattung kritisiert wurde. Aber er schildert auch, wie viel öffentliche Wertschätzung ihm entgegenschlug als sich die Nachricht von der Beendigung seines Vertrages verbreitete - inklusive über 20.000 Unterschriften, in einer Petition, die zur Verlängerung seines ORF-Vertrages aufgerufen hatte und die ihn sehr bewegt hat. 


Am Ende spricht er über sein berufliche Neuerfindung durch diesen Podcast, den er als Gegenstück zu kurzen Fernsehschaltungen und als Konter gegen unsere sinkende Aufmerksamkeitsspanne beschreibt, mit der entscheidenwir nach fünf Sekunden, ob wir ein Reel auf den Sozialen Medien weiterschauen. Ein Podcast, sagt er, nimmt sich dagegen die Zeit, die er braucht. Er geht tiefer, motiviert zum Innehalten und Nachdenken


Musik: Nour Ashour


Produktion: Felix Tappeimer
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#10 Die Entscheidung: Rückkehr von Wien nach Syrien?
25.06.2026
57 Minuten
Karim El-Gawhary spricht in dieser Episode über Rückkehr oder Bleiben – wie Syrerinnen und Syrer in Österreich nach Assads Sturz ihre Zukunft zwischen Damaskus und Wien abwägen. Gast ist Mohammed Nour, seit 2014 in Österreich, inzwischen Staatsbürger, Menschenrechts- und Kinderrechtsexperte, der offen über seine biografische Achterbahnfahrt zwischen Syrien und Österreich spricht.  Nour schildert seine Rückkehr nach Damaskus nach Assads Sturz als intensiven Moment zwischen Heimweh, Hoffnung und dem Gefühl, in einem „Traum“ zu leben, erkennt aber später, wie brüchig Sicherheitslage, Rechtsstaatlichkeit und Alltagsstrukturen im Land geblieben sind.Er beschreibt, wie Gewalt, neue Massaker, Machtmonopol und fehlende Übergangsgerechtigkeit unter der neuen Führung des Übergangspräsidenten Ahmad Al-Scharaa seine anfängliche Rückkehr-Euphorie in Skepsis verwandeln.


Parallel dazu erläutert die Folge, wie schwierig es für Syrerinnen und Syrer ist, in Syrien Arbeit, Wohnung, medizinische Versorgung und ein halbwegs würdiges Leben zu finden, während sie in Österreich über Jahre mit langen Verfahren, Kürzungen und einem faktischen Druck zur „freiwilligen“ Rückkehr konfrontiert sind. 


Nour erzählt vom Frust über gestoppte Familienzusammenführungen nach Assads Sturz und den Unterschied zwischen dem rechtlichen Umgang mit ukrainischen Geflüchteten und Syrerinnen und Syrern, den er auch wissenschaftlich untersucht. Im Gespräch geht es außerdem um Identität, Rassismus und die Frage, ob man jemals „ankommt“, wenn man als „Austro-Syrer“ zwischen gebrochenem Arabisch, sehr gutem Deutsch und ständiger Nachfrage nach der „eigentlichen Herkunft“ lebt. 


Gegen Ende diskutieren El-Gawhary und Nour, wie der Gaza-Krieg und eine als doppelmoralisch empfundene Haltung Österreichs („Nie wieder“ nicht für alle) viele Menschen mit arabischem Hintergrund entfremdet, während Nour trotzdem auf Rechtsstaatlichkeit und universelle Menschenrechte als Maßstab besteht.


Musik: Nour Ashour


Produktion: Felix Tappeimer
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Über diesen Podcast

Der preisgekrönte Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.

Kommentare (3)

inthegarden
inthegarden vor 1 Woche

Mein Dank und meine Wertschätzung an Herrn El-Gawhary. Ich werde wohl in Zukunft mehr von seinen Podcasts lesen und weniger ORF Berichte verfolgen. Zu andtui: Ohne Kreisky gäbe es den palästinensischen Botschafter nicht in Wien. Die Berichte dieser Botschaft sind bedrückend und doch sehr wichtig. Es gibt jede Menge Juden, die sich dem anschließen, aber - wie bei so vielen anderen Themen - will man uns weismachen, dass die Mehrheit in einer bestimmten Form denkt. Dahinter steht sehr viel Lüge, Manipulation und Kalkül. Dabei ist es gar nicht so schwer es zu durchschauen.

andtul
andtul vor 1 Woche

Est tut mir leid, habe meinen letzte Post nicht fertigstellen können, da unabsichtlich auf senden gedrückt. Fortsetzung: Können sie erklären warum das so ist? Hat das offizielle Österreich und auch Deutschland Angst in Kritik zu geraten, wenn es Israel nicht ohne Wenn und Aber unterstützt wird, oder spielen da wirtschaftliche oder innenpolitische Interessen eine Rolle. Kreisky hat damals, was den Nahost-Konflikt angeht, durchaus mit internationaler Anerkennung gehandelt.

andtul
andtul vor 2 Wochen

Sehr geehrter Herr El-Gawhary, ich freue mich über Ihren Podcast und drücke zugleich mein Bedauern über Ihre nicht-Vertragsverlängerung beim ORF aus. Ich kann mich erinnern, dass sie in einer Diskussionsrunde bald nach dem Hamas-Überfall im Oktober 23 and er Sie und auch jüdische Vertreter in Österreich , ich weiß nicht mehr wer es war, teilnahmen. Es wurde über die Reaktion Israels gesprochen und darüber, dass Israel die Hamas vernichten wird. Sie sagten damals, dass das so nicht funktionieren wird und das ein militärisches Eingreifen eine Lösung eher erschwert, worauf Ihnen Antisemitismus vorgeworfen wurde. Ich ersuche um Nachsicht, wenn das nicht ganz genau stimmt. Ich habe mir damals gedacht, das ist doch verrückt. Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. In weiterer Folge hörte man immer wieder den Vorwurf des Antsemitismus von jüdischen Vertretern sobald auch nur Ansatzweise Kritik am vorgehen Israels geübt wurde. Das schlimme für mich war, dass das offizielle Österreich, das auch noch unterstützt hat. Bis dann schließlich von Beate Meinl Reisinger endlich auch vorsichtige Kritik an Israel geübt wurde Ich verstehe ehrlich gesagt die österreichische Treue zum israelischen Staat ohne Wenn und Aber nicht ganz

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#10 Die Entscheidung: Rückkehr von Wien nach Syrien?
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