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Episoden

1 Stunde 6 Minuten
In dieser Folge spricht Karim El-Gawhary mit der Kommunikationswissenschaftlerin, Linguistin, Medienkritikerin und Publizistin Nadia Zaboura über Vertrauen, Medienvertrauen und die deutsche Berichterstattung über Israel und Palästina. Zaboura erläutert, dass das allgemeine Medienvertrauen laut der „Mainzer Langzeitstudie für Medienvertrauen 2026“ relativ stabil bleibt, während die Nahost-Berichterstattung mit nur 27 Prozent Vertrauen einen besonders auffälligen Tiefpunkt markiert. Die beiden sprechen darüber, wie eine verkürzte historische Erzählung, die Glättung der Asymmetrie zwischen Besatzungsmacht und besetzter Bevölkerung sowie eine Hierarchisierung palästinensischer und israelischer Opfer die Wahrnehmung des Konflikts prägen. Zaboura deutet  außerdem auf die unkritische Übernahme israelischer Kriegskommunikation, insbesondere von Animationen des israelischen Militärs, die ohne ausreichende journalistische Einordnung verbreitet wurden. Anhand wissenschaftlicher Studien und konkreter Beispiele zeigt sie, wie Sprache, Schlagzeilen, passive Formulierungen und Euphemismen wie „Evakuierung“ die Berichterstattung verzerren können. Das Gespräch beleuchtet zudem Drohungen, Selbstzensur, falsche Antisemitismusvorwürfe und die Verantwortung von Redaktionen, ihre Journalistinnen und Journalisten vor Diffamierungskampagnen zu schützen. El-Gawhary und Zaboura argumentieren, dass Journalismus nicht neutral im Sinne einer Distanz zu Fakten sein dürfe, sondern wahrhaftig und an Völkerrecht, Menschenrechten und Menschenwürde orientiert sein müsse. Sie warnen davor, dass anhaltendes Medienmisstrauen langfristig auch das Vertrauen in Demokratie und Institutionen untergraben kann.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
1 Stunde 5 Minuten
Im 19. Jahrhundert entwickelten sich enge Verbindungen zwischen Österreich und dem sogenannten Orient, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Über Venedig und vor allem Triest entstanden Handels-, Reise- und Wirtschaftsverbindungen nach Ägypten und in den östlichen Mittelmeerraum, die durch den Bau des Suezkanals zusätzlich an Bedeutung gewannen. Österreichisches Kapital und österreichische Ingenieurskunst spielten beim Suezkanal ebenso eine Rolle wie die Schifffahrtsverbindungen zwischen Triest und Alexandria. Der wirtschaftliche Austausch wurde durch den Baumwollhandel, den Postverkehr und den zunehmenden Tourismus nach Ägypten und Jerusalem geprägt. Auch das Kaiserhaus und der österreichische Adel reisten nach Ägypten, während Künstler den Orient zum Gegenstand ihrer Malerei machten und dabei häufig ein idealisiertes und von europäischen Vorstellungen geprägtes Bild schufen. Die Wiener Weltausstellung von 1873 verstärkte das Interesse am Orient und hinterließ unter anderem Spuren in den ägyptischen Sammlungen Wiener Museen. Eine Giraffe, die 1828 aus Ägypten nach Wien gebracht wurde, und die Produktion des Fez in Südböhmen erzählen auf kuriose Weise von diesen Verbindungen, aber auch von den wirtschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Europa und Nordafrika. Außerdem geht es um österreichische Architekten in Kairo, um die persönlichen Beziehungen zwischen dem ägyptischen Herrscherhaus und Wien sowie um die Frage, warum diese gemeinsame Geschichte nach dem Ende der Habsburgermonarchie weitgehend aus dem österreichischen Gedächtnis verschwunden ist.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
32 Minuten
Karim El-Gawhary spricht in seinem Plädoyer bei der Republica Vienna über die Bedeutung öffentlich-rechtlicher Medien für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Kontrolle politischer Macht. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Korrespondent in Kairo kennt er zugleich die Folgen staatlich gelenkter Medien und zieht eine klare Grenze zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und echtem Staatsfunk. El-Gawhary kritisiert die politische Einflussnahme auf den ORF und fordert eine Entpolitisierung sowie Reformen, ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaputtzusparen. Ein besonderes Problem sieht er im sinkenden Vertrauen in die Medien und vor allem in der Berichterstattung über Gaza und Israel, bei der er ein Ungleichgewicht bei Quellen und Perspektiven feststellt. Medien dürften ihr Publikum nicht bevormunden, sondern sollten Menschen dazu bringen, selbst kritisch zu denken und auch die Medien zu hinterfragen. Gerade angesichts von Social Media müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Mehrwert schaffen, etwa durch unabhängige Recherche, Berichterstattung vor Ort und journalistische Einordnung. Mit Blick auf Künstliche Intelligenz erwartet El-Gawhary, dass vor allem jener Journalismus Bestand haben wird, der auf persönlicher Erfahrung, Kreativität, Analyse und Berichterstattung aus erster Hand beruht. Sein Plädoyer lautet deshalb, öffentlich-rechtliche Medien zu reformieren und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen und sie auch immer kritisch zu verfolgen und zu hinterfragen.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
53 Minuten
Im zweiten Teil des öffentlichen Gesprächs mit dem Völkerrechtler Ralph Janik steht zunächst der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt sind die US-Sanktionen gegen Richterinnen und Richter des Internationalen Strafgerichtshofs und deren Folgen. Janik erläutert außerdem das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2024 zur israelischen Besatzung des Westjordanlands, Ostjerusalems und Gazas sowie die rechtliche Bedeutung des israelischen Siedlungsbaus. Danach geht es um die völkerrechtliche Bewertung des israelisch-amerikanischen Angriffs auf den Iran und um die Grenzen des Arguments der präventiven Selbstverteidigung. Zum Schluss sprechen El-Gawhary und Janik über die Zukunft des Völkerrechts und darüber, ob sich Staaten, die an einer regelbasierten internationalen Ordnung festhalten, angesichts der zunehmenden Machtpolitik neu zusammenschließen müssen.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
52 Minuten
Völkerrechtler Ralph Janik erklärt, warum das Völkerrecht gerade in Kriegen besonders unter Druck steht und weshalb die Frage seiner Durchsetzung ebenso wichtig ist wie die Frage seiner Regeln. Im Mittelpunkt des ersten Teils des Gesprächs steht das Verfahren Südafrikas gegen Israel. Janik erklärt, was die vorläufigen Maßnahmen des Gerichts bezwecken, warum sie verbindlich sind und welche Folgen es hat, wenn ein Staat sie nicht ausreichend umsetzt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die juristische Definition von Völkermord, bei der es nicht primär um die Zahl der Getöteten, sondern um die Absicht geht, eine geschützte Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Dabei sprechen El-Gawhary und Janik auch über öffentliche Aussagen israelischer Politiker und die Frage, wie daraus ein möglicher Völkermordvorsatz juristisch abgeleitet werden könnte. Außerdem geht es um Deutschlands Nebenintervention im Verfahren auf Seiten Israels und warum sich Deutschland inzwischen aus dem Verfahren zurückgezogen hat.

Behandelt wird auch ein weiteres Verfahren beim IGH, in dem Nicaragua gegen Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof klagt, wegen der mutmaßlichen Beihilfe zum Völkermord an den Palästinensern. Janik erläutert, unter welchen Voraussetzungen der Internationale Gerichtshof überhaupt für einen Streit zwischen Staaten zuständig ist und welche Rolle dabei die Völkermordkonvention spielt.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
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Über diesen Podcast

Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.

Kommentare (6)

E3
e3tyk2ia vor 3 Monaten

Aber eine Frage, was ich keine Antwort dafür finde. Warum haben Sie den Vertrag für ORF nicht verlängert, mindestens 3 Jahre noch? LG Mohamed Abdalla Wien 1210

Cl
ClaudiaN vor 3 Monaten

Herzlichen Dank, Herr El-Gawhary, für Ihren informativen und berührenden Podcast. Ich habe Ihre Beiträge im ORF immer wichtig gefunden, insbesondere weil Sie auch dort schon "nah dran" von den Schicksalen der Menschen, vor allem auch in den besetzten Gebieten, berichtet haben, und es ist sehr schade, dass Sie nicht mehr beim ORF sind. Andrerseits haben Sie in Ihrem Podcast die Möglichkeit, Themen ausführlich und in die Tiefe gehend zu entwickeln, und das machen Sie ganz exzellent. "Die Türsteher Europas in Nordafrika" integrierten die vielen verstreuten Infos, die es zum Thema gibt, und gaben so einen umfassenden Blick auf das - skandalöse - Vorgehen der europäischen Union gegen die Menschen, die sich auf den Weg nach Europa gemacht haben. Hoffentlich verbreitern sich diese Erkenntnisse in einer Weise, dass immer mehr Europäer*innen sich mit diesen Menschen solidarisieren!

Cb
CBNaumann (Gast) vor 3 Monaten

Herzlichen Dank, Herr El-Gawhary, für Ihren informatriven und berührenden Podcast. Ich habe Ihre Beiträge im ORF immer wichtig gefunden, insbesondere weil Sie auch dort schon "nah dran" von den Schicksalen der Menschen, vor allem auch in den besetzten Gebieten, berichtet haben, und es ist sehr schade, dass Sie nicht mehr beim ORF sind. Andrerseits haben Sie in Ihrem Podcast die Möglichkeit, Themen ausführlich und in die Tiefe gehend zu entwickeln, dabei über und das machen Sie ganz excellent. "Die Türsteher Europas in Nordafrika" integrierten die vielen verstreuten Infos, die es zum Thema gibt, und gaben so einen umfassenden Blick auf das - skandalöse - Vorgehen der europäischen Union gegen die Menschen, (wartet auf Freigabe)

In
inthegarden vor 3 Monaten

Mein Dank und meine Wertschätzung an Herrn El-Gawhary. Ich werde wohl in Zukunft mehr von seinen Podcasts lesen und weniger ORF Berichte verfolgen. Zu andtui: Ohne Kreisky gäbe es den palästinensischen Botschafter nicht in Wien. Die Berichte dieser Botschaft sind bedrückend und doch sehr wichtig. Es gibt jede Menge Juden, die sich dem anschließen, aber - wie bei so vielen anderen Themen - will man uns weismachen, dass die Mehrheit in einer bestimmten Form denkt. Dahinter steht sehr viel Lüge, Manipulation und Kalkül. Dabei ist es gar nicht so schwer es zu durchschauen.

An
andtul vor 3 Monaten

Est tut mir leid, habe meinen letzte Post nicht fertigstellen können, da unabsichtlich auf senden gedrückt. Fortsetzung: Können sie erklären warum das so ist? Hat das offizielle Österreich und auch Deutschland Angst in Kritik zu geraten, wenn es Israel nicht ohne Wenn und Aber unterstützt wird, oder spielen da wirtschaftliche oder innenpolitische Interessen eine Rolle. Kreisky hat damals, was den Nahost-Konflikt angeht, durchaus mit internationaler Anerkennung gehandelt.

An
andtul vor 3 Monaten

Sehr geehrter Herr El-Gawhary, ich freue mich über Ihren Podcast und drücke zugleich mein Bedauern über Ihre nicht-Vertragsverlängerung beim ORF aus. Ich kann mich erinnern, dass sie in einer Diskussionsrunde bald nach dem Hamas-Überfall im Oktober 23 and er Sie und auch jüdische Vertreter in Österreich , ich weiß nicht mehr wer es war, teilnahmen. Es wurde über die Reaktion Israels gesprochen und darüber, dass Israel die Hamas vernichten wird. Sie sagten damals, dass das so nicht funktionieren wird und das ein militärisches Eingreifen eine Lösung eher erschwert, worauf Ihnen Antisemitismus vorgeworfen wurde. Ich ersuche um Nachsicht, wenn das nicht ganz genau stimmt. Ich habe mir damals gedacht, das ist doch verrückt. Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. In weiterer Folge hörte man immer wieder den Vorwurf des Antsemitismus von jüdischen Vertretern sobald auch nur Ansatzweise Kritik am vorgehen Israels geübt wurde. Das schlimme für mich war, dass das offizielle Österreich, das auch noch unterstützt hat. Bis dann schließlich von Beate Meinl Reisinger endlich auch vorsichtige Kritik an Israel geübt wurde Ich verstehe ehrlich gesagt die österreichische Treue zum israelischen Staat ohne Wenn und Aber nicht ganz

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„Nahost. Nah Dran.“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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