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Episoden

1 Stunde 22 Minuten
Migration wird in Europa emotional und politisch aufgeladen diskutiert, während sich politische Entscheidungen laut Judith Kohlenberger zunehmend von den Erkenntnissen der Migrationsforschung entfernen. Im Gespräch mit El-Gawhary geht es zunächst um Ceuta und die Frage, warum gerade Länder mit mittlerem Einkommen besonders hohe Migrationsraten aufweisen und weshalb Migration nicht nur eine Frage von Flucht und Armut ist. Kohlenberger erklärt, dass weltweit nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Menschen migriert und dass Migrantinnen und Migranten häufig über mehr Bildung, Einkommen und Netzwerke verfügen als der Durchschnitt ihrer Herkunftsgesellschaft. Sie beschreibt außerdem, warum sinkende Asylzahlen und eine gleichzeitig immer aufgeheiztere Debatte auseinanderfallen und warum Migration in Deutschland und Österreich längst Teil einer Migrationsgesellschaft ist. Abschottung und Abschreckung hält sie für keine nachhaltige Lösung, weil Menschen bei fehlenden regulären Wegen auf irreguläre Routen ausweichen und Europa zugleich auf migrantische Arbeitskräfte angewiesen ist. Anhand des „Asylparadoxons“, des „Flüchtlingsparadoxons“ und des „Integrationsparadoxons“ zeigt sie, welche Widersprüche das europäische Migrations- und Asylsystem prägen. Als mögliche Alternativen nennt sie unter anderem reguläre und temporäre Arbeitsmigration, humanitäre Aufnahmeprogramme sowie eine stärkere Europäisierung des Asylrechts mit gemeinsamen Verfahren und einer kommunalen Organisation der Aufnahme. 

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
53 Minuten
Karim El-Gawhary meldet sich aus Al-Wattar-Haus, einem historischen Gebäude im historischen Zentrum Bagdads, am Ufer des Tigris. Er ist zu Gast bei der deutsch-irakische Filmemacherin, Künstlerin und Journalistin Fourad El-Jamil, die auch am ersten irakischen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2013 mit einer Installation vertreten war. El-Jamil erzählt von ihrer Kindheit zwischen Deutschland und Irak, ihren Erfahrungen als Doppelstaatlerin und einer gefährlichen Rettungsaktion für Deutsche in vom Irak besetzten Kuwait während des Zweiten Golfkriegs, für die sie später das Bundesverdienstkreuz erhielt. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die irakische Kunstszene und die Frage, wie Künstlerinnen und Künstler mit den Traumata von Krieg, Gewalt und gesellschaftlicher Unsicherheit umgehen. El-Jamil beschreibt ihre Arbeiten zu Heilung und Wiederaufbau. Außerdem geht es um die Veränderungen in Bagdad, den Abbau von Betonbarrieren, die Restaurierung historischer Häuser, neuen Hochhausprojekte und die Folgen von Korruption und Investitionsprojekten. El-Gawhary und El-Jamil sprechen auch über Umweltzerstörung, abgeholzte Palmenhaine, Sandstürme, Müll und die Verschmutzung von Tigris und Euphrat. Weitere Themen sind die gescheiterten Oktoberproteste der Jugendlichen 2019 und wie schwierig es ist, den Irak aus dem Griff Gruppen auf Basis von Religionszugehörigkeit zu befreien. Al-Jamil erklärt, warum Kunst für sie nicht nur Ausdruck von Verlust, sondern auch ein Weg zu Heilung und Hoffnung ist.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
59 Minuten
Die Lage im Westjordanland ist laut Roland Friedrich so prekär wie nie zuvor seit Beginn der israelischen Besatzung im Jahr 1967. Karim El-Gawhary und der UNRWA-Direktor sprechen über steigende Arbeitslosigkeit, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, militärische Razzien und die zunehmende Gewalt durch radikale israelische Siedler. Besonders ausführlich geht es um die Vertreibung von mehr als 34.000 Menschen aus drei Flüchtlingslagern im Norden des Westjordanlands und die Folgen für Familien, Schulen und die lokale Wirtschaft. Friedrich erläutert außerdem, welche Aufgaben die UNRWA in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung, Sozialhilfe, Mikrofinanzierung und Infrastruktur übernimmt. Thematisiert werden auch die Schließung und Zerstörung von UNRWA-Einrichtungen im Westjordanland sowie die Schwierigkeiten, unter israelischem Kontaktverbot und ohne Visa für internationales Personal weiterzuarbeiten. Im zweiten Teil geht es um die israelischen Vorwürfe, UNRWA-Mitarbeiter seien in die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober verwickelt gewesen, sowie um die anschließenden Untersuchungen und Reformen innerhalb der Organisation. Friedrich weist zudem auf die internationale Desinformationskampagne gegen die UNRWA hin, die unter anderem in Deutschland zu einer zeitweisen Aussetzung von Hilfszahlungen führte. Zum Schluss sprechen El-Gawhary und Friedrich über die palästinensische Flüchtlingsfrage, das Rückkehrrecht und die Bedeutung der Anerkennung historischen Unrechts für eine politische Lösung des Konflikts.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
19 Minuten
Mit dem sogenannten „Mekka-Verteidigungspakt“ haben Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan eine neue Form regionaler Sicherheitskooperation vereinbart. Das Abkommen sieht vor, dass ein Angriff auf einen der Unterzeichner als Angriff auf alle drei Staaten gewertet wird, garantiert jedoch keinen automatischen militärischen Beistand. Hintergrund ist ein Sicherheitsvakuum am Golf, nachdem die USA ihre Rolle als alleiniger Sicherheitsgarant der Region nicht mehr uneingeschränkt ausfüllen können. Saudi-Arabien erhofft sich vor allem besseren Schutz vor Bedrohungen durch den Iran und die Huthis im Jemen, während die Türkei und Pakistan ihren politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einfluss am Golf ausbauen könnten. Der Pakt richtet sich offiziell gegen niemanden, wird aber zugleich als Signal an den Iran und als mögliches Gegengewicht zur israelischen Militär- und Regionalpolitik verstanden. Teheran reagiert bislang zurückhaltend und betont vor allem, dass das Abkommen den schwindenden Einfluss der USA in der Region sichtbar mache. Eine zentrale offene Frage ist, ob Ägypten dem Pakt beitreten wird, da Kairo zwar an regionaler Stabilisierung interessiert ist, sich aber nicht auf einen militärischen Konflikt mit dem Iran oder auf Einsätze am Golf und im Jemen festlegen möchte. Der Mekka-Verteidigungspakt ist daher weniger eine arabische NATO als ein zunächst unausgereiftes Experiment regionaler Mächte, ihre Sicherheit zunehmend selbst zu organisieren.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
9 Minuten
Diese Folge widmet sich Fragen aus der Hörerschaft rund um den Begriff „Nahost“ und dessen Bedeutung. El-Gawhary erklärt, dass sowohl „Nahost“ als auch der englische Begriff „Middle East“ aus einer eurozentrischen und kolonialen Perspektive des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Er zeigt auf, dass geografische Bezeichnungen immer vom jeweiligen Blickwinkel abhängen und deshalb nicht neutral sind. Als mögliche Alternativen nennt er „Westasien“ sowie die in der Wissenschaft gebräuchlichen Begriffe „WANA“ und „SWANA“, die auch Nordafrika einschließen. Gleichzeitig weist El-Gawhary darauf hin, dass sich der Begriff „Nahost“ in Medien, Politik und selbst in der arabischen Welt weiterhin etabliert hat. Für seinen Podcast nutzt er den Begriff deshalb bewusst weiter, weil er allgemein verständlich und sprachlich prägnant ist. Darüber hinaus erklärt El-Gawhary, dass der Titel „Nahost. Nah dran.“ auch die enge geografische, politische und gesellschaftliche Verbundenheit zwischen Europa sowie Westasien und Nordafrika ausdrücken soll. Abschließend plädiert er dafür, sich der kolonialen Prägung von Sprache bewusst zu sein und Begriffe stets kritisch zu hinterfragen.

Produktion: Martin Druml

Musik: Nour Ashour

Grafic Design des Logos: Mona Henry
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Über diesen Podcast

Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.

Kommentare (6)

E3
e3tyk2ia vor 1 Monat

Aber eine Frage, was ich keine Antwort dafür finde. Warum haben Sie den Vertrag für ORF nicht verlängert, mindestens 3 Jahre noch? LG Mohamed Abdalla Wien 1210

Cl
ClaudiaN vor 1 Monat

Herzlichen Dank, Herr El-Gawhary, für Ihren informativen und berührenden Podcast. Ich habe Ihre Beiträge im ORF immer wichtig gefunden, insbesondere weil Sie auch dort schon "nah dran" von den Schicksalen der Menschen, vor allem auch in den besetzten Gebieten, berichtet haben, und es ist sehr schade, dass Sie nicht mehr beim ORF sind. Andrerseits haben Sie in Ihrem Podcast die Möglichkeit, Themen ausführlich und in die Tiefe gehend zu entwickeln, und das machen Sie ganz exzellent. "Die Türsteher Europas in Nordafrika" integrierten die vielen verstreuten Infos, die es zum Thema gibt, und gaben so einen umfassenden Blick auf das - skandalöse - Vorgehen der europäischen Union gegen die Menschen, die sich auf den Weg nach Europa gemacht haben. Hoffentlich verbreitern sich diese Erkenntnisse in einer Weise, dass immer mehr Europäer*innen sich mit diesen Menschen solidarisieren!

Cb
CBNaumann (Gast) vor 1 Monat

Herzlichen Dank, Herr El-Gawhary, für Ihren informatriven und berührenden Podcast. Ich habe Ihre Beiträge im ORF immer wichtig gefunden, insbesondere weil Sie auch dort schon "nah dran" von den Schicksalen der Menschen, vor allem auch in den besetzten Gebieten, berichtet haben, und es ist sehr schade, dass Sie nicht mehr beim ORF sind. Andrerseits haben Sie in Ihrem Podcast die Möglichkeit, Themen ausführlich und in die Tiefe gehend zu entwickeln, dabei über und das machen Sie ganz excellent. "Die Türsteher Europas in Nordafrika" integrierten die vielen verstreuten Infos, die es zum Thema gibt, und gaben so einen umfassenden Blick auf das - skandalöse - Vorgehen der europäischen Union gegen die Menschen, (wartet auf Freigabe)

In
inthegarden vor 1 Monat

Mein Dank und meine Wertschätzung an Herrn El-Gawhary. Ich werde wohl in Zukunft mehr von seinen Podcasts lesen und weniger ORF Berichte verfolgen. Zu andtui: Ohne Kreisky gäbe es den palästinensischen Botschafter nicht in Wien. Die Berichte dieser Botschaft sind bedrückend und doch sehr wichtig. Es gibt jede Menge Juden, die sich dem anschließen, aber - wie bei so vielen anderen Themen - will man uns weismachen, dass die Mehrheit in einer bestimmten Form denkt. Dahinter steht sehr viel Lüge, Manipulation und Kalkül. Dabei ist es gar nicht so schwer es zu durchschauen.

An
andtul vor 2 Monaten

Est tut mir leid, habe meinen letzte Post nicht fertigstellen können, da unabsichtlich auf senden gedrückt. Fortsetzung: Können sie erklären warum das so ist? Hat das offizielle Österreich und auch Deutschland Angst in Kritik zu geraten, wenn es Israel nicht ohne Wenn und Aber unterstützt wird, oder spielen da wirtschaftliche oder innenpolitische Interessen eine Rolle. Kreisky hat damals, was den Nahost-Konflikt angeht, durchaus mit internationaler Anerkennung gehandelt.

An
andtul vor 2 Monaten

Sehr geehrter Herr El-Gawhary, ich freue mich über Ihren Podcast und drücke zugleich mein Bedauern über Ihre nicht-Vertragsverlängerung beim ORF aus. Ich kann mich erinnern, dass sie in einer Diskussionsrunde bald nach dem Hamas-Überfall im Oktober 23 and er Sie und auch jüdische Vertreter in Österreich , ich weiß nicht mehr wer es war, teilnahmen. Es wurde über die Reaktion Israels gesprochen und darüber, dass Israel die Hamas vernichten wird. Sie sagten damals, dass das so nicht funktionieren wird und das ein militärisches Eingreifen eine Lösung eher erschwert, worauf Ihnen Antisemitismus vorgeworfen wurde. Ich ersuche um Nachsicht, wenn das nicht ganz genau stimmt. Ich habe mir damals gedacht, das ist doch verrückt. Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. In weiterer Folge hörte man immer wieder den Vorwurf des Antsemitismus von jüdischen Vertretern sobald auch nur Ansatzweise Kritik am vorgehen Israels geübt wurde. Das schlimme für mich war, dass das offizielle Österreich, das auch noch unterstützt hat. Bis dann schließlich von Beate Meinl Reisinger endlich auch vorsichtige Kritik an Israel geübt wurde Ich verstehe ehrlich gesagt die österreichische Treue zum israelischen Staat ohne Wenn und Aber nicht ganz

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„Nahost. Nah Dran.“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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