Beschreibung
vor 5 Tagen
In dieser Folge knüpfe ich an eine Podcastfolge von Benedikt
Wisniewski aus seinem Podcast „Psychologie fürs Klassenzimmer“
an. Ausgangspunkt ist die Frage, ob und in welchem Ausmaß sich
Persönlichkeit überhaupt verändern lässt.
Die Persönlichkeitspsychologie zeichnet hier zunächst ein eher
nüchternes Bild: Viele Persönlichkeitsmerkmale zeigen eine
erstaunliche Stabilität über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Wer
eher gewissenhaft, introvertiert oder emotional belastbar ist,
bleibt dies häufig auch langfristig. Diese Forschungsergebnisse
sind gut belegt und stellen manche pädagogischen Hoffnungen auf
grundlegende Persönlichkeitsveränderungen infrage.
Gleichzeitig kennen viele Lehrkräfte, Coaches, Beraterinnen und
Berater sowie Führungskräfte eine andere Erfahrung: Menschen
bewältigen Situationen, die sie sich zuvor nicht zugetraut
hätten. Schülerinnen und Schüler wachsen über sich hinaus.
Lehrkräfte entwickeln neue Handlungsmöglichkeiten. Führungskräfte
meistern schwierige Gespräche, die sie lange vermieden haben.
Wie passt das zusammen?
In dieser Folge stelle ich deshalb das States-und-Traits-Modell
des Persönlichkeitspsychologen William Fleeson vor. Sein Ansatz
verbindet die Stabilität von Persönlichkeit mit der
offensichtlichen Variabilität menschlichen Verhaltens.
Persönlichkeit erscheint hier nicht mehr als fester Punkt auf
einer Skala, sondern als charakteristische Verteilung vieler
möglicher Zustände.
Anschließend wird der Bogen zum hypnosystemischen Ansatz von
Gunther Schmidt geschlagen. Besonders seine Idee der
Steuerposition eröffnet eine spannende Perspektive auf
Persönlichkeitsentwicklung: Nicht die Veränderung von Traits
steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit, bewusster und
flexibler auf unterschiedliche innere Muster und Ressourcen
zugreifen zu können.
Eine Folge über die Frage, ob Persönlichkeitsentwicklung
vielleicht weniger bedeutet, jemand anders zu werden – und mehr
damit zu tun hat, mehr von dem nutzen zu können, was bereits in
uns angelegt ist.
Bezugspodcast
Benedikt Wisniewski: Psychologie fürs Klassenzimmer
Folge: Roberts et al. (2006) | Persönlichkeitsentwicklung
Literatur
Roberts, B. W., Walton, K. E., & Viechtbauer, W. (2006).
Patterns of mean-level change in personality traits across the
life course: A meta-analysis of longitudinal studies.
Psychological Bulletin, 132(1), 1–25.
Fleeson, W. (2001). Toward a structure- and process-integrated
view of personality: Traits as density distributions of states.
Journal of Personality and Social Psychology, 80(6), 1011–1027.
Fleeson, W., & Jayawickreme, E. (2015). Whole Trait Theory.
Journal of Research in Personality, 56, 82–92.
Schmidt, G. (verschiedene Veröffentlichungen und Vorträge zum
hypnosystemischen Ansatz und zur Steuerposition).
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