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Im Spannungsfeld - Perspektiven auf Führung und Organisation in der Bildung Archiv

4 Episoden
35 Minuten
Arbeit oder Freizeit? Vielleicht greift diese vertraute Unterscheidung zu kurz.

Selbst in den Ferien wechseln wir zwischen ganz unterschiedlichen Formen des Tuns: Wir erledigen Dinge, gehen Verpflichtungen nach, treiben Sport, lesen aus Interesse, lassen Gedanken schweifen oder beschäftigen uns mit einer Frage, ohne bereits zu wissen, wohin sie führen wird. Äußerlich ähnliche Tätigkeiten können dabei eine völlig unterschiedliche Bedeutung bekommen.

Das Otium-Modell schlägt deshalb eine dritte Perspektive vor. Neben Negotium, dem Modus des zielgerichteten Erledigens, und Freizeit, über die wir grundsätzlich selbst verfügen können, beschreibt Otium einen Modus zweckoffener Auseinandersetzung: einen Raum für Erkenntnis, Bildung und die Entstehung von Neuem, ohne dass das Ergebnis bereits feststeht.

Die Podcastfolge geht den historischen Spuren von otium und negotium nach und entwickelt daraus die Grundgedanken des Modells. Beispiele aus Alltag, Care-Arbeit und Open-World-Games zeigen, warum nicht die Tätigkeit selbst darüber entscheidet, in welchem Modus wir handeln. Psychologische und organisationstheoretische Perspektiven dienen als wissenschaftliche Anschlussstellen.

Besonders relevant wird die Unterscheidung für Schule und Organisationsentwicklung: Was geschieht, wenn Entwicklung selbst vollständig der Logik von Zielen, Aufträgen und Ergebnissen unterworfen wird? Und welche Gelegenheitsstrukturen brauchen Organisationen, damit Fragen entstehen können, die vorher noch niemand gestellt hat?

Das Otium-Modell versteht sich dabei nicht als diagnostisches Instrument oder empirisch validiertes Wirkungsmodell, sondern als Reflexionsmodell und Diskussionsangebot. Es lädt dazu ein, Arbeit, Freizeit und Entwicklung aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Das zugrunde liegende Diskussionspapier sowie weitere Informationen finden Sie auf timmheinrich.de.

Timm Heinrich

Systemischer Berater im Bildungsbereich
29 Minuten
In dieser Folge knüpfe ich an eine Podcastfolge von Benedikt Wisniewski aus seinem Podcast „Psychologie fürs Klassenzimmer“ an. Ausgangspunkt ist die Frage, ob und in welchem Ausmaß sich Persönlichkeit überhaupt verändern lässt.

Die Persönlichkeitspsychologie zeichnet hier zunächst ein eher nüchternes Bild: Viele Persönlichkeitsmerkmale zeigen eine erstaunliche Stabilität über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Wer eher gewissenhaft, introvertiert oder emotional belastbar ist, bleibt dies häufig auch langfristig. Diese Forschungsergebnisse sind gut belegt und stellen manche pädagogischen Hoffnungen auf grundlegende Persönlichkeitsveränderungen infrage.

Gleichzeitig kennen viele Lehrkräfte, Coaches, Beraterinnen und Berater sowie Führungskräfte eine andere Erfahrung: Menschen bewältigen Situationen, die sie sich zuvor nicht zugetraut hätten. Schülerinnen und Schüler wachsen über sich hinaus. Lehrkräfte entwickeln neue Handlungsmöglichkeiten. Führungskräfte meistern schwierige Gespräche, die sie lange vermieden haben.

Wie passt das zusammen?

In dieser Folge stelle ich deshalb das States-und-Traits-Modell des Persönlichkeitspsychologen William Fleeson vor. Sein Ansatz verbindet die Stabilität von Persönlichkeit mit der offensichtlichen Variabilität menschlichen Verhaltens. Persönlichkeit erscheint hier nicht mehr als fester Punkt auf einer Skala, sondern als charakteristische Verteilung vieler möglicher Zustände.

Anschließend wird der Bogen zum hypnosystemischen Ansatz von Gunther Schmidt geschlagen. Besonders seine Idee der Steuerposition eröffnet eine spannende Perspektive auf Persönlichkeitsentwicklung: Nicht die Veränderung von Traits steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit, bewusster und flexibler auf unterschiedliche innere Muster und Ressourcen zugreifen zu können.

Eine Folge über die Frage, ob Persönlichkeitsentwicklung vielleicht weniger bedeutet, jemand anders zu werden – und mehr damit zu tun hat, mehr von dem nutzen zu können, was bereits in uns angelegt ist.

Bezugspodcast

Benedikt Wisniewski: Psychologie fürs Klassenzimmer

Folge: Roberts et al. (2006) | Persönlichkeitsentwicklung

Literatur

Roberts, B. W., Walton, K. E., & Viechtbauer, W. (2006). Patterns of mean-level change in personality traits across the life course: A meta-analysis of longitudinal studies. Psychological Bulletin, 132(1), 1–25.

Fleeson, W. (2001). Toward a structure- and process-integrated view of personality: Traits as density distributions of states. Journal of Personality and Social Psychology, 80(6), 1011–1027.

Fleeson, W., & Jayawickreme, E. (2015). Whole Trait Theory. Journal of Research in Personality, 56, 82–92.

Schmidt, G. (verschiedene Veröffentlichungen und Vorträge zum hypnosystemischen Ansatz und zur Steuerposition).
30 Minuten
Wie führen wir Schulen wirksam zwischen pädagogischem Auftrag und administrativer Macht?

Schulleitungen und Berater in Bildungsorganisationen stehen täglich vor einem Dilemma: Greifen wir bei Widerständen hart durch (A1 – autoritär), riskieren wir den Beziehungsabbruch. Setzen wir rein auf Dialog (A2 – antiautoritär), riskieren wir Wirkungslosigkeit im System.In diesem Podcast beleuchtet Timm Heinrich einen dritten Weg: Systemische Autorität (A3). Erfahren Sie, wie „Wirkung mit Einsicht“ entsteht, indem Klarheit und Entscheidungskraft mit wertschätzender Beziehung verbunden werden.

Inhalte & Konzepte dieser Folge:Dieser Podcast bietet keine oberflächlichen Tipps, sondern fundierte Denkrahmen für die komplexe Schulpraxis:

Das Zwei-Sphären-Modell: Timm Heinrich hat dieses Modell entwickelt, um die oft ausgeblendete Spannung zwischen Sphäre A (pädagogischer Kontext/Beziehung) und Sphäre B (Schule als Verwaltungsorganisation mit Machtstrukturen) handhabbar zu machen.

Kommunikation als Wirklichkeit: Erfahren Sie, wie die Integration der CMM-Theorie (Coordinated Management of Meaning) hilft, den Schulalltag zu analysieren. Wir unterscheiden zwischen den „erzählten Geschichten“ (Leitbildern) und den tatsächlich „erlebten Geschichten“ (Interaktionsmustern).

Bifurkationspunkte meistern: Identifizieren Sie jene kritischen Momente in Gesprächen, an denen Sie entscheiden, ob Sie ein altes Muster wiederholen oder der Kommunikation eine neue, wirksame Richtung geben.

Die 6 Dimensionen der Präsenz: Basierend auf der Synthese von Lemme und Körner (2022) betrachten wir die physische, pragmatische, internale, moralische, intentionale und soziale Präsenz als Fundament von Führung.

Praxis-Check: Analyse typischer Szenarien, wie den Umgang mit Lehrkräften, die Vereinbarungen beharrlich ignorieren.

Schulleitungen & Führungskräfte: Die souverän im Spannungsfeld zwischen Vision und Dienstpflicht navigieren wollen.

Berater & Schulentwickler: Die nach präzisen Analysewerkzeugen für Organisationsdynamiken und „unerwünschte Wiederholungsmuster“ (URPs) suchen.

Für wen ist dieser Podcast?Über den Host:Timm Heinrich bringt seine Expertise aus zwei Welten ein: Er arbeitet als freiberuflicher Berater und Coach für Bildungsorganisationen sowie als Fachberater Schulentwicklung. Sein Fokus liegt darauf, Führung nicht als isolierte Eigenschaft, sondern als Ergebnis stabiler Kommunikationsmuster und klar gestalteter Rahmenbedingungen zu verstehen.

Mehr Informationen: timmheinrich.de
23 Minuten
Die erschöpfte Organisation – eine hypnosystemische Perspektive auf Belastung

Warum erleben Führungskräfte und Leitungsteams Belastung oft so unterschiedlich?

Und warum greift der Blick auf individuelle Belastbarkeit allein häufig zu kurz?

Diese Folge beschäftigt sich mit der Frage, wie Belastung in Organisationen entsteht – insbesondere in Schulen und Leitungsteams.

Ausgehend von Erfahrungen aus der Arbeit mit Führungskräften wird ein Perspektivwechsel entfaltet: weg von der Vorstellung persönlicher Schwäche oder mangelnder Resilienz, hin zu einem systemischen Blick auf Spannungen, Zwickmühlen und organisationale Dynamiken.

Bezug genommen wird unter anderem auf:

die Burn-out-Forschung von Christina Maslach

hypnosystemische Perspektiven von Gunther Schmidt

organisationale Spannungen und widersprüchliche Anforderungen in Führung und Zusammenarbeit

Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:

Wie entstehen erschöpfende Dynamiken in Organisationen?

Welche Rolle spielen Kommunikation, Prioritäten und Entscheidungsstrukturen?

Warum erschöpfen oft nicht nur Aufgaben, sondern vor allem ungelöste Spannungen?

Und welchen Einfluss haben Führungskräfte und Organisationsbegleiter auf solche Systeme?

Die Folge verbindet einen eigenen Einführungstext mit einem KI-gestützten Gesprächsformat auf Grundlage eines ausgearbeiteten Reflexionstextes zur „erschöpften Organisation“.

Themen:

Führung, Schulleitung, Organisation, Belastung, Burn-out, hypnosystemisch, Systemische Autorität, Schulentwicklung, Leitungsteams, Organisationen im Bildungsbereich.