Über die Freude an Gestalt und Gestaltung – Ein Gespräch (nicht nur) mit Dr. Manfred Grasshoff

Über die Freude an Gestalt und Gestaltung – Ein Gespräch (nicht nur) mit Dr. Manfred Grasshoff

vor 1 Woche
2 Stunden 41 Minuten
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Podcast
Podcaster
Der liebe lange Tag, der Podcast mit tollen Menschen, die spannende Dinge tun.

Beschreibung

vor 1 Woche

Es sind Formen und Gestalten, die Manfred und Monika Grasshoff
begeistern. An der Schönheit der Natur kommen und wollen sie
nicht vorbei. Soviel Romantik darf sein. Als einer der führenden
Vertreter der Frankfurter Evolutionstheorie hat Dr. Manfred
Grasshoff sich intensiv mit der Evolution beschäftigt und fragt
sich bis heute, warum die Erkenntnisse über Konstruktion und
Funktion von Organismen und ihrer Rolle in der Evolution so wenig
Beachtung in der eigenen Disziplin gefunden haben.


Mit Kritik an der eigenen kritischen Evolutionstheorie muss jeder
redlich wissenschaftlich Forschende leben, mit Ignoranz gegenüber
berechtigten Fragen wie den Folgenden nicht: Wie funktionieren
Organismen eigentlich? Wie sind sie konstruiert und könnte es
sein, dass sich gerade anhand ihrer Konstruktion die Evolution
des Lebens rekonstruieren lässt?


Nicht um Widerlegung Darwins ging es der Forschergruppe um
Manfred Grasshoff und Wolfgang Gutmann am Senckenberg Institut in
Frankfurt, aber sehr wohl um die Frage, ob die Epigonen Darwins
sich allzu schnell mit Anpassung und Selektion als alleinige
Erklärungsmuster für die Evolution begnügten nachdem klar wurde,
dass die Erde wohl doch ein paar Jährchen älter sein dürfte als
6000.


Verwunderlich auch, weil das 19. Jahrhundert der Beginn des
technischen Zeitalters war und Maschinen ihren Siegeszug
antraten. Mechanik wohin man schaute, nur die Lebewesen, die
sollten ihre Sonderstellung behaupten. Naturgesetze schön und
gut, aber Tier und Krone der Schöpfung – der Mensch – dürfen
ruhig ihren eigenen Gesetze folgen, sollen mehr sein als
energiewandelnde hydraulische Konstruktionen. Bemerkenswert auch,
weil der moderne Mensch sich lieber als aktiv gestaltendes
Subjekt und weniger als zufälliges passiv angepasstes Objekt
versteht.


Ein Gespräch über die erste heftige Erschütterung bereits mit
drei Jahren, das Glück aufs Gymnasium gehen zu dürfen, die
Schönheit von Spinnen samt Heureka-Erlebnis: Wenn die Zeit bei
der hochkomplexen Kopulation dieser faszinierenden Tieren
plötzlich still und eine existenzielle Frage im Raum steht: Wie
kann denn sowas möglich sein?


Ein Rückblick auf einmal Senckenberg, immer Senckenberg, über die
Liebe zum Zeichnen, die Liebe des Lebens und ein Poster als die
Essenz des Lebenswerkes, namens Lappe: mit Adam und Eva samt
Apfel, die staunend auf die Evolution schauen. Als natürlicher
Bestandteil, nackt und ungekrönt. Eine Liebeserklärung an die
Vielfalt des Leben in all seinen Facetten, an die Möglichkeiten
der Gestaltung der eigenen Persönlichkeit und die Freude an der
interdisziplinären Betrachtung. Verbunden mit der Einsicht, dass
auch die ach so objektive Wissenschaft von Zeit, Kontext, Macht
und Ignoranz nicht unberührt bleibt.


Ein ganz und gar wunderbares Gespräch über das Wunder Leben mit
dem wohl schönsten Schlusssatz, den es geben kann.



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