Wenn der Algorithmus zum Seelsorger wird – Studie von «Digital Religion(s)»

Wenn der Algorithmus zum Seelsorger wird – Studie von «Digital Religion(s)»

vor 3 Tagen
Eine Zürcher Pilotstudie zeigt: Junge Erwachsene nutzen KI zunehmend als Gesprächspartner und Ratgeber auch für grosse Lebensfragen. Was bedeutet das für Kirche, Seelsorge und unser Verständnis von Menschlichkeit?
56 Minuten
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Beschreibung

vor 3 Tagen
Ein Tsunami kündigt sich an, indem sich erst einmal das Meer
zurückzieht, um dann umso heftiger die Ufer zu überspülen.
Künstliche Intelligenz ist wie eine mächtige Tsunamiwelle, deren
Wucht immer spürbarer wird – ohne dass die vollen Ausmasse bereits
bekannt wären. Die Fundamente unserer Bildungskultur, die Erziehung
zum Benutzen des eigenen Verstandes, aber auch religiöse
Traditionen drohen unterspült zu werden. Gleichzeitig bergen gerade
die humanistische Kultur und die spirituellen und religiösen
Traditionen Mittel der Resilienz. Benutze deinen eigenen Verstand!
Für Pfingstmontag hat Papst Leo XIV. eine Enzyklika angekündigt.
Der Titel «Magnifica humanitas» appelliert explizit an die
Humanität. Es geht in dem Lehrschreiben um die «Bewahrung des
Menschen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz». In Zürich wird
bereits seit mehreren Jahren einschlägige Grundlagenforschung
betrieben: im interdisziplinären Forschungsschwerpunkt «Digital
Religion(s)»; ein in dieser Form einzigartiges Projekt im
deutschsprachigen Raum. Im Podcastgespräch geben Professor Thomas
Schlag und die Doktoratsstudentin Sina Horner exklusiv Einblicke in
eine aktuelle Studie zur Nutzung von künstlicher Intelligenz für
persönliche Lebensfragen. Befragt wurden rund 500 junge Erwachsene
in der Schweiz. Einbrüche religiöser Zugehörigkeit Die Ergebnisse
der Pilotstudie bestätigen: KI wird immer stärker nicht nur als
Werkzeug, sondern als Gesprächspartner und Lebensratgeber genutzt.
Existenzielle Fragen spielen auch im KI-Zeitalter eine grosse
Rolle. Die Verankerung in traditionellen christlichen Kirchen und
Milieus aber erfährt bei Jüngeren regelrechte Einbrüche. Thomas
Schlag und Sina Horner erzählen, was sie überrascht hat – und was
die aktuellen Verschiebungen für Kirche, Seelsorge und unsere
Vorstellung von Menschlichkeit bedeuten könnten. Die Züricher
Studie stimm nachdenklich. Die Forscher:innen appellieren, die
Bedürfnisse heutiger Menschen ernst zu nehmen und Personen, die bei
KI Hilfe suchen, nicht vorschnell zu verurteilen. Gleichzeitig
gelte es, kritisches Bewusstsein und Resilienz zu stärken. In diese
Richtung zielt auch die päpstliche Enzykika: «Wir müssen die Gabe
der Kommunikation als tiefste Wahrheit des Menschen bewahren, an
der sich auch jede technologische Neuerung orientieren muss.» Das
päpstliche Schreiben warnt vor erheblichen Risiken KI-gesteuerter
Inhalte, menschenähnlichen ChatBots, gewinnorientierter
algorithmischer Inhaltssteuerung und drohender Erosion des
Denkvermögens durch einseitige Informationen. Triloge «Im Spiegel
der KI» Die Podcastepisode ist Teil drei der Trilogie «Im Spiegel
der KI»: Im ersten Teil klärt der Deep-Learning-Researcher Simon
Baur (Fraunhofer Gesellschaft) über Realität und Mythen von ChatGPT
& Co. auf. Er erläutert auch, wo die Grenzen der Sprachmodelle
liegen. Im zweiten Teil spricht Johanna Di Blasi mit Jonas
Simmerlein, der mit ChatGPT-Gottesdiensten international bekannt
wurde. Im Podcastgespräch erklärt der Theologe und Phänomenologe,
weshalb echte Begegnung mehr braucht als einen guten Output.
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