Folge 17 | Der Mythos des Multitasking

Folge 17 | Der Mythos des Multitasking

vor 3 Tagen
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Beschreibung

vor 3 Tagen


Episoden-Zusammenfassung


Genau jetzt, während du das hier liest, machst du wahrscheinlich
nicht nur eine Sache. Ein Dokument ist offen. In einem anderen
Tab pulsiert ein Chat-Fenster. Eine E-Mail-Vorschau schiebt sich
am Bildschirmrand vorbei. Eine Kalender-Erinnerung wartet zehn
Minuten weiter. Es fühlt sich an, als liefen mehrere Aufgaben
gleichzeitig. Die Wissenschaft zeigt ein schärferes Bild: Der
Bildschirm macht Multitasking, deine Aufmerksamkeit wechselt. Und
jeder Wechsel hat einen Preis.


In dieser Episode untersuchen wir die Kosten, den Aufgabenzustand
zu wechseln. Gestützt auf Harold Pashlers Forschung zum zentralen
Engpass, Stephen Monsells Arbeit zu Wechselkosten, Gloria Marks
zwei Jahrzehnten Arbeitsplatzbeobachtung und Sophie Leroys
Entdeckung des "Attention Residue" zeigen wir, warum "schnelle
Blicke" selten schnell sind, warum die berühmte "23
Minuten"-Erholungszahl eine genauere Erzählung verdient und warum
Benachrichtigungen sich weniger wie Information verhalten und
mehr wie Aufgabeneinladungen. Es geht nicht darum, dass Menschen
kein Multitasking könnten. Es geht darum, dass anspruchsvolle
geistige Aufgaben in der Regel um dieselbe Maschinerie
konkurrieren, und die Kosten des Wechselns nicht nur verlorene
Zeit bedeuten. Es ist verlorener Aufgabenzustand.



Behandelte Kernthemen


Drei Verhaltensweisen unter einem Wort: echte
Parallelausführung, schnelles Aufgabenwechseln und
Hintergrund-Aufgabensteuerung

Pashlers "psychological refractory period": der zentrale
Engpass bei der Antwortauswahl

Wickens' Multiple-Resource-Theorie: warum manche
Aufgabenpaare stärker stören als andere

Der "problem state bottleneck" (Borst, Taatgen, van Rijn):
Wechseln stört die lebendige "Wo bin ich gerade"-Repräsentation

Wechselkosten im Detail: switch cost, preparation effect,
residual cost, mixing cost (Monsell, 2003)

Zielwechsel und Regelaktivierung als trennbare exekutive
Operationen (Rubinstein, Meyer, Evans)

Memory for Goals (Altmann, Trafton): pausierte Ziele
zerfallen, Hinweisreize aus der Umgebung helfen bei der
Reaktivierung

Attention Residue (Leroy): Gedanken an Aufgabe A drängen sich
in Aufgabe B

Die korrigierte "23 Minuten"-Aussage: die publizierte Zahl
ist 25 Minuten 26 Sekunden, mit 2,26 dazwischenliegenden
Arbeitssphären

Selbstunterbrechung ist strukturell, nicht nur Willenskraft:
18 Prozent aller Wechsel, 64 Prozent Anstieg in Großraumbüros

Die gemischte Forschungslage zum Medien-Multitasking: von
Ophir, Nass, Wagner bis zu jüngeren Meta-Analysen

Benachrichtigungen verhalten sich wie Aufgabeneinladungen,
selbst wenn sie ignoriert werden

Ausnahmen: Automatizität, konfliktarme Aufgabenpaare und die
seltenen 2,5 Prozent "Supertasker"

Praktische Quintessenz: schütze den Aufgabenzustand, nicht
nur die Zeit




Erwähnte Forscherinnen und Forscher



Harold Pashler (UC San Diego) :
Dual-Task-Interferenz und der zentrale Engpass bei der
Antwortauswahl


Christopher Wickens (Colorado State
University) : Multiple-Resource-Theorie der Aufmerksamkeit und
kognitiven Belastung


Stephen Monsell (University of Exeter) :
Grundlegende Forschung zum Aufgabenwechsel und die vier
zentralen Phänomene


David E. Meyer (University of Michigan) :
Exekutive Kontrolle beim Aufgabenwechsel, die Schätzung "bis zu
40 Prozent"


Joshua Rubinstein und Jeffrey
Evans (zusammen mit Meyer) : Zielwechsel und
Regelaktivierung in der exekutiven Kontrolle


Niels Taatgen, Jelmer Borst,
Hedderik van Rijn : Der "problem state
bottleneck" beim Multitasking


Erik Altmann (Michigan State) und J.
Gregory Trafton (US Naval Research Lab) : Memory for
Goals und Wiederaufnahme nach Unterbrechungen


Brian P. Bailey und Shamsi
Iqbal : Unterbrechungs-Timing, Aufgabengrenzen und
aufmerksamkeitssensitive Systeme


Sophie Leroy (University of Washington) :
Attention Residue und der "ready to resume"-Plan


Gloria Mark (UC Irvine) :
Arbeitsplatzfragmentierung, Arbeitssphären und digitale
Aufmerksamkeit


Victor M. Gonzalez (zusammen mit Mark) :
Arbeitssphären in der Wissensarbeit


Laura Dabbish (Carnegie Mellon) :
Selbstunterbrechung in beobachteter Wissensarbeit


Eyal Ophir, Clifford Nass,
Anthony Wagner (Stanford) : Die Originalstudie
"cognitive control in media multitaskers"


Wisnu Wiradhany und Mark
Nieuwenstein : Replikation und Meta-Analyse als
Mahnung zur Vorsicht beim Medien-Multitasking


Melina Uncapher (UCSF) : Kognitive und
neuronale Profile von Medien-Multitasking


Jason Watson und David
Strayer (University of Utah) : Forschung zu Ablenkung
beim Fahren und Entdeckung der "Supertasker"


Walter Schneider und Richard
Shiffrin : Kontrollierte versus automatische
Verarbeitung


Dario Salvucci und Niels
Taatgen : Threaded Cognition und das
Multitasking-Kontinuum




Wichtige Studien und Quellen


Pashler, H. (1994). "Dual task interference in simple tasks:
Data and theory." Psychological Bulletin, 116(2), 220 bis 244.

Rogers, R.D. und Monsell, S. (1995). "Costs of a predictable
switch between simple cognitive tasks." Journal of Experimental
Psychology: General, 124(2), 207 bis 231.

Monsell, S. (2003). "Task switching." Trends in Cognitive
Sciences, 7(3), 134 bis 140.

Rubinstein, J.S., Meyer, D.E., und Evans, J.E. (2001).
"Executive control of cognitive processes in task switching."
Journal of Experimental Psychology: Human Perception and
Performance, 27(4), 763 bis 797.

Altmann, E.M. und Trafton, J.G. (2002). "Memory for goals: An
activation based model." Cognitive Science, 26(1), 39 bis 83.

Altmann, E.M., Trafton, J.G., und Hambrick, D.Z. (2014).
"Momentary interruptions can derail the train of thought."
Journal of Experimental Psychology: General, 143(1), 215 bis 226.

Leroy, S. (2009). "Why is it so hard to do my work? The
challenge of attention residue when switching between work
tasks." Organizational Behavior and Human Decision Processes,
109(2), 168 bis 181.

Mark, G., Gonzalez, V.M., und Harris, J. (2005). "No task
left behind? Examining the nature of fragmented work."
Proceedings of CHI 2005, 321 bis 330.

Mark, G., Gudith, D., und Klocke, U. (2008). "The cost of
interrupted work: More speed and stress." Proceedings of CHI
2008.

Dabbish, L., Mark, G., und Gonzalez, V.M. (2011). "Why do I
keep interrupting myself? Environment, habit and self
interruption." Proceedings of CHI 2011, 3127 bis 3130.

Mark, G. (2023). Attention Span: A Groundbreaking Way to
Restore Balance, Happiness and Productivity. Hanover Square
Press.

Ophir, E., Nass, C., und Wagner, A.D. (2009). "Cognitive
control in media multitaskers." PNAS, 106(37), 15583 bis 15587.

Watson, J.M. und Strayer, D.L. (2010). "Supertaskers:
Profiles in extraordinary multitasking ability." Psychonomic
Bulletin and Review, 17(4), 479 bis 485.




Wichtige Zahlen zum Merken



47 Sekunden : durchschnittliche
Bildschirmfokus-Dauer in Marks späteren Scr...

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