Der „Landru des Tiber“ – Der Fall Cesare Serviatti

Der „Landru des Tiber“ – Der Fall Cesare Serviatti

vor 3 Monaten
Wie ein unscheinbarer Mann Frauen über Kontaktanzeigen in den Tod lockte – und wie einer der düstersten Kriminalfälle Italiens der Zwischenkriegszeit ans Licht kam
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Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.

Beschreibung

vor 3 Monaten

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Einstieg – Zwei Koffer, ein Bahnhof, ein Land im
Schock 



Es war ein kalter Morgen Ende November 1932, als Bahnangestellte
am Hauptbahnhof von Neapel auf zwei herrenlose Koffer aufmerksam
wurden. Sie standen unbeachtet am Rand eines Bahnsteigs,
unscheinbar, wie tausend andere Gepäckstücke, die täglich durch
die großen Bahnhöfe Italiens reisten. Doch irgendetwas war
anders. Ein stechender Geruch lag in der Luft. Als die Koffer
geöffnet wurden, erstarrten die Umstehenden. In Zeitungspapier
gewickelt, sorgfältig mit Sägespänen bedeckt, lagen menschliche
Körperteile. 



Nur wenige Stunden später wiederholte sich das Grauen in Rom. Am
Bahnhof Termini wurde ein weiterer Koffer entdeckt – ebenfalls
mit menschlichen Überresten gefüllt. Die Ermittler stellten
schnell fest: Die Körperteile gehörten zu ein und derselben Frau.
Italien war schockiert. Wer hatte eine Frau ermordet, zerstückelt
und ihre Überreste quer durch das Land transportiert? Und
warum? 



Diese Koffer markierten den Anfang vom Ende eines Mannes, der
jahrelang im Verborgenen getötet hatte: Cesare
Serviatti. 



 


Der Täter – Cesare Serviatti 



Cesare Serviatti wurde im Jahr 1880 in der Kleinstadt Subiaco
geboren. Seine Kindheit war geprägt von Armut, Vernachlässigung
und frühem Verlust. Beide Eltern starben, als er noch jung war.
Zeitgenössische Berichte zeichnen das Bild eines Einzelgängers,
der früh auffällige Verhaltensweisen zeigte. Schon als Kind soll
er eine ungewöhnliche Faszination für Tod und Gewalt entwickelt
haben. 



Im Erwachsenenalter führte Serviatti ein unstetes Leben. Er
arbeitete zeitweise als Krankenpfleger, verlor diese Anstellung
jedoch nach Vorwürfen, Patienten misshandelt zu haben. Später
verdingte er sich als Metzger – ein Beruf, der ihm anatomische
Kenntnisse vermittelte, die später eine grausame Rolle spielen
sollten. Er heiratete, bekam einen Sohn und lebte mit seiner
Familie in einfachen Verhältnissen in Rom, nahe des
Hauptbahnhofs. 



Nach außen wirkte Serviatti unscheinbar. Er war höflich,
sprachgewandt, verstand es, Vertrauen zu erzeugen. Niemand in
seinem Umfeld ahnte, dass er ein Doppelleben führte – eines, das
von Manipulation, Habgier und Mord geprägt war. 



 


Die Opfer – Frauen auf der Suche nach einem
Neuanfang 



Die Frauen, die Cesare Serviatti tötete, verband ein gemeinsames
Schicksal. Sie waren alleinstehend, teilweise finanziell
unabhängig, teilweise auf der Suche nach Sicherheit und
Zuneigung. Sie lebten in einer Zeit, in der Frauen ohne Ehemann
gesellschaftlich oft benachteiligt waren – und in der eine
Heiratsanzeige als legitimer Weg galt, einen Partner zu
finden. 



Pasqua Bartolini Tiraboschi war eine gebildete Frau, einst
Sängerin, mit einem kleinen Vermögen. Beatrice „Bice“ Margarucci
hatte Zeit im Ausland verbracht und verfügte über Ersparnisse.
Paolina Gorietti arbeitete als Kellnerin in Neapel, bodenständig,
hoffnungsvoll, überzeugt davon, dass ein neues Leben auf sie
wartete. 



Für sie alle wurde Cesare Serviatti zum Versprechen – und
schließlich zum Todesurteil. 



 


Die Tatserie – Chronologie eines
Serienmörders 



Der erste Mord: La Spezia, 1928 



1928 lockte Serviatti Pasqua Bartolini Tiraboschi nach La Spezia.
Er hatte ihr die Ehe versprochen, ein gemeinsames Leben,
Sicherheit. In einer gemieteten Unterkunft schlug er zu. Er
tötete sie, zerstückelte den Körper und entsorgte die Überreste
in einer Jauchegrube. Niemand suchte nach ihr. Niemand stellte
Fragen. 



Der zweite Mord: Rom und der Tiber,
1930 



Zwei Jahre später schaltete Serviatti erneut Kontaktanzeigen.
Beatrice Margarucci antwortete. Sie zog zu ihm nach Rom. Wieder
folgte die gleiche Choreografie: Vertrauen, Nähe, dann der Mord.
Serviatti tötete sie, zerstückelte den Körper und verstaute die
Überreste in einem Koffer. Diesen warf er von einer Brücke in den
Tiber. Tage später wurden Körperteile an der Küste angespült –
doch ein Zusammenhang wurde zunächst nicht erkannt. 



Der dritte Mord: Paolina Gorietti,
1932 



Paolina Gorietti begegnete Serviatti über eine Anzeige. Sie
schrieb Freundinnen voller Vorfreude, sprach von Heirat, von
einer neuen Zukunft. Sie reiste nach La Spezia – und verschwand.
Dieses Mal jedoch machte Serviatti einen Fehler. Statt den Körper
spurlos zu entsorgen, packte er die Leiche in Koffer und
verschickte sie per Bahn. Die Koffer wurden entdeckt. Und mit
ihnen begann die Jagd. 



 


Die Ermittlungen – Ein Puzzle fügt sich
zusammen 



Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel. Eine unbekannte
Tote, zerstückelt, verteilt auf mehrere Städte. Erst als
Ermittler begannen, Vermisstenanzeigen systematisch auszuwerten,
stießen sie auf Paolina Gorietti. Der entscheidende Hinweis kam
aus ihrem Umfeld: In Briefen hatte sie den Namen ihres neuen
Partners erwähnt – Cesare Serviatti. 



Die Ermittler lokalisierten Serviatti in Rom. Am 9. Dezember 1932
wurde er verhaftet – beim Abendessen mit seiner Ehefrau. Zunächst
bestritt er alles. Doch die Beweislage war erdrückend. Spuren,
Zeugenaussagen, Reisebewegungen, Gepäckstücke. Schließlich brach
Serviatti zusammen. Er gestand – nicht nur einen Mord, sondern
drei. 



 


Der Prozess – Öffentlichkeit und
Urteil 



Der Prozess begann im Sommer 1933. Trotz politischer Zensur wurde
er landesweit verfolgt. Der Angeklagte zeigte kaum Reue. Sachlich
schilderte er seine Taten, als würde er über Alltägliches
sprechen. Die Richter verurteilten ihn wegen mehrfachen Mordes,
Raubes und Leichenschändung. 



Für den Mord an Paolina Gorietti wurde Cesare Serviatti zum Tode
verurteilt. Für die anderen Taten erhielt er lebenslange
Haftstrafen. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. 



Am frühen Morgen des 13. Oktober 1933 wurde Cesare Serviatti
hingerichtet. Sein Tod beendete eines der dunkelsten Kapitel
italienischer Kriminalgeschichte. 



 


Rückwirkungen – Ein Fall, der bleibt 



Der Fall Cesare Serviatti war mehr als eine Mordserie. Er
offenbarte gesellschaftliche Brüche, die Verletzlichkeit
alleinstehender Frauen, die Gefahren von Vertrauen in einer
anonymen Welt. Noch Jahrzehnte später dient er Kriminologen als
Beispiel für frühe Serienmordmuster. 



Serviatti ging als „Landru des Tiber“ in die Geschichte ein –
benannt nach einem französischen Serienmörder, der ebenfalls
Frauen über Heiratsversprechen getötet hatte. Doch hinter diesem
Namen stehen reale Menschen, reale Hoffnungen, reale Leben, die
ausgelöscht wurden. 



Die Koffer an den Bahnhöfen von Neapel und Rom sind längst
verschwunden. Doch die Fragen, die dieser Fall aufwarf, hallen
bis heute nach. 

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