25 Jahre Frauen in der Bundeswehr: Das Kreil-Urteil

25 Jahre Frauen in der Bundeswehr: Das Kreil-Urteil

vor 1 Woche
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Interviews des ZMSBw zu Militärgeschichte, Militärsoziologie und Sicherheitspolitik: für Wissenschaft, Bundeswehr und Gesellschaft

Beschreibung

vor 1 Woche

Seit Januar 2001 ist Frauen der Waffendienst erlaubt.
Oberstabsgefreiter Gerrit Reichert spricht mit Zeitzeuginnen der
ersten Stunde, Stabsfeldwebel Annett Selzer vom Logistikkommando
der Bundeswehr in Erfurt und Hauptmann a.D. Sandy Kirchner, sowie
Hauptmann Nils Birk vom ZMSBw über das Kreil-Urteil, das die
Bundeswehr zweifellos veränderte.


Vor genau 30 Jahren, 1996, klagte eine junge Frau aus
Niedersachsen vor dem Verwaltungsgericht Hannover gegen die
Bundesrepublik Deutschland. Die Elektronikerin Tanja Kreil wollte
nach Abschluss ihrer zivilen Ausbildung als Waffenelektronikerin
zur Bundeswehr, wurde aber abgelehnt. Der Grund: als Angehörige
einer Instandsetzungseinheit hätte sie Dienst an der Waffe
leisten müssen, was Frauen laut Grundgesetz nicht erlaubt war.
Denn im Artikel 12a, Absatz 4 hieß es, dass Frauen „unter keinen
Umständen Dienst an der Waffe leisten“ dürfen. Tanja Kreil sah
sich in ihrem Geschlecht diskriminiert und das Verwaltungsgericht
Hannover wandte sich zur rechtlichen Klärung an den Europäischen
Gerichtshof (EuGH).


Das Grundgesetz wird geändert


Der EuGH gab Tanja Kreil recht. In Folge wurde der Artikel 12a,
Absatz 4 des Grundgesetzes insofern geändert, als dass Frauen
jetzt „auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet
werden“ dürfen, der Waffendienst ihnen aber fortan auf
freiwilliger Basis gestattet ist. Tanja Kreil machte von diesem
wegweisenden Recht zwar keinen Gebrauch, statt ihrer aber 244
andere Frauen. Diese rückten im Januar 2001, vor genau 25 Jahren,
als erste Frauen der Bundeswehr zum allgemeinen Waffendienst in
die Streitkräfte ein. Mit dem Kreil-Urteil endete ein Ringen um
geschlechterübergreifende Gleichstellung, dessen Anfänge bis in
die Mitte der 1970er-Jahre zurückreichten.


Im Dialog  


Stabsfeldwebel Annett Selzer war eine von 151 Frauen, die im
Januar 2001 ihren Dienst beim Heer begannen (neben 76 bei der
Luftwaffe und 17 bei der Marine). Hauptmann a.D. Sandy Kirchner
meldete sich im Juli 2001 zum allerersten Lehrgang für weibliche
Offiziere. Hauptmann Nils Birk ist Historiker am ZMSBw und
beschäftigt sich in seiner Dissertation mit der Ausgangsfrage,
welche Rolle Frauen bei der Streitkräfteplanung der Bundeswehr
seit deren Gründung 1955 spielten. „Eine unerwartet und
überraschend große“, sagt Birk, bis 2001 habe der
parlamentarische Gesetzgeber hier aber sehr enge Grenzen gezogen.


Oberstabsgefreiter Gerrit Reichert ist Fachjournalist mit dem
Schwerpunkt Militärgeschichte. Einen Namen hat er sich vor allem
als Biograph Lothar-Günther Buchheims und mit Büchern über U 96,
„Das Boot“, gemacht.
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