Zugehört! Der Podcast des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
Interviews des ZMSBw zu Militärgeschichte, Militärsoziologie und Sicherheitspolitik: für Wissenschaft, Bundeswehr und Gesellschaft
Podcaster
Episoden
26.02.2026
48 Minuten
Prof. Dr. Thomas Kühne und Carolin Kaiser forschen zu
Männlichkeit und Militär.
Militär und Männlichkeit waren in der deutschen Kaiserzeit bis
1918 und lange darüber hinaus eng miteinander verbunden, was sich
in der oft gestellten Frage „Haben Sie gedient?“ niederschlug.
Das Militär formte nach Ansicht der Zeitgenossen erst einen Mann
zum echten Mann, der dadurch in die Lage versetzt wurde, sein
Land und seine Familie zu verteidigen und für sie zu sorgen. Und
so klar den Männern dieser Zusammenhang war, umso verwunderlicher
ist es, dass die Erforschung dieser Verbindung lange ein
Desiderat der Geschichtswissenschaft blieb.
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22.01.2026
48 Minuten
Kaiserliche Schutztruppe – dieser Begriff klingt defensiv
und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Tatsächlich stand er
aber für militärische Gewalt als zentralem Instrument kolonialer
Herrschaft. Wessen Schutz war also gemeint – und vor wem sollte
geschützt werden?
In dieser Podcastfolge, moderiert von Dr. Christian Stachelbeck,
Leiter des Forschungsprojekts Deutsches Militär im kolonialen
Einsatz 1880–1918. Ein Kontinuum der Gewalt, sprechen Dr. Pierre
Köckert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für
Militärgeschichte und Sozialwissenschaften, und Christian Senne,
Dozent für Militärgeschichte an der Marineunteroffizierschule,
über Entstehung, Auftrag und Praxis der kaiserlichen
Schutztruppe. Aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten die
Gesprächspartner die Schutztruppe als militärischen,
polizeilichen und administrativen Gewaltakteur.
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19.12.2025
1 Minute
Dr. Peter Tauber befasst sich mit der Frage, wie es um
die Sicherheit Deutschlands steht und welche politischen,
militärischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür
notwendig sind. Diese „Zugehört“-Folge wurde bei der 64.
Internationalen Tagung für Militärgeschichte (ITMG) im November
2025 im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden
aufgezeichnet.
Begriffe wie Kriegstüchtigkeit und Wehrhaftigkeit waren lange
Zeit nicht im öffentlichen Diskurs Deutschlands präsent, heute
stehen sie in dessen Fokus. Ausgehend von der Beobachtung, dass
die Geschichte der Bundesrepublik als eine fortwährende Suche
nach Sicherheit verstanden werden kann, ordnet der
Parlamentarische Staatssekretär a.D. und promovierte
Historiker Peter Tauber die aktuellen sicherheitspolitischen
Debatten ein.
Unsere Sicherheit als gemeinsame Aufgabe
Taubers Vortrag beleuchtet drei zentrale Ebenen: die Rolle der
Politik, den Zustand der Bundeswehr und die Verantwortung der
Gesellschaft. Besonders ausführlich geht Tauber auf die
gesellschaftliche Dimension von Sicherheit ein. Er verweist auf
aktuelle Studien des ZMSBw, die zeigen, dass sich das
Bedrohungsbewusstsein in der deutschen Bevölkerung seit 2022
deutlich verändert hat. Sicherheit dürfe nach Tauber nicht allein
als Frage von Zuständigkeiten verstanden werden, sondern als
gemeinsame Verantwortung. Die zentrale Frage laute daher nicht
nur, wie sicher Deutschland ist, sondern was heute getan werden
muss, um auch künftig in Frieden und Freiheit leben zu können.
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14.11.2025
51 Minuten
Vor 70 Jahren, am 12. November 1955: Die Bundeswehr
feiert ihren Gründungstag. Wie entstand im westlichen Teil des
zerstörten Deutschlands mit seinem diktatorischen Erbe eine neue
Armee der Demokratie? Darüber spricht Prof. Dr. Sönke Neitzel von
der Universität Potsdam mit Oberstleutnant Michael Gutzeit aus
dem ZMSBw.
Die noch junge Bundesrepublik bekommt nur zehn Jahre nach dem
Zweiten Weltkrieg wieder Streitkräfte, auch mit alten
Wehrmachtssoldaten. Die Gründung der Bundeswehr markiert für
Westdeutschland einen Wendepunkt auf dem Weg von Besatzung zu
Bündnispolitik und westdeutscher Souveränität. Doch der Weg
dorthin war hart umkämpft: Der Koreakrieg hatte den Westen unter
Führung der USA alarmiert, während in Deutschland Proteste gegen
eine Wiederbewaffnung aufflammten. Denn die Angst vor einem
„Staat im Staate“ saß nach historischen Erfahrungen tief.
Altes und Neues
Im Gespräch mit Sönke Neitzel beleuchtet die neue Zugehört-Folge
die politischen, militärischen und gesellschaftlichen Spannungen
während der Aufbauzeit der Bundeswehr. Besonders die ersten
zwanzig Jahre nach ihrem Gründungstag liegen im Fokus, denn diese
waren doch so prägend wie wenige danach. Die Entstehung der
„Himmeroder Denkschrift“ als Schlüsseldokument der westdeutschen
Wiederbewaffnung, aber auch der Personalgutachterausschuss und
seine Arbeit demonstrieren, wie stark ehemalige
Wehrmachtsangehörige am Neuaufbau der Streitkräfte beteiligt
waren. Gleichzeitig entstand mit der „Inneren Führung“ das
Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ – ein Versuch,
demokratische Verantwortung und soldatische Tradition zu
verbinden. Aber die neue Führungsphilosophie war alles andere als
unumstritten.
Licht und Schatten
Dazu sprechen wir über innere Konflikte wie die
Auseinandersetzung der „Leutnante von Hamburg“ mit den
„Hauptleuten von Unna“. Auch Skandale und Affären werden
thematisiert, wie das Iller-Unglück 1957, der Spiegel-Skandal von
1962, die Nagold-Affäre 1963, oder die von der Schnez-Studie 1969
ausgelöste Debatte. Neben allen Zweifeln der Nachkriegszeit
sprechen wir aber auch über Lichtblicke, wie die Fluthilfe der
Bundeswehr an der Elbe im Jahr 1962. Des Weiteren spannt die
Folge einen Bogen von der Einführung der Wehrpflicht und der
Atomwaffenfrage bis hin zur Ostpolitik der 1970er-Jahre, in einer
Zeit, als die Bundeswehr eine Stärke von fast einer halben
Millionen Soldaten erreicht. Am Ende zieht Prof. Neitzel eine
Bilanz, vor allem darüber, was wir aus unserer Geschichte für
unsere Gegenwart und Zukunft lernen können.
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02.10.2025
40 Minuten
Krieg in der Ukraine, Drohnen über Polen: Das
sicherheitspolitische Umfeld der NATO ist angespannt und die USA
zeigen sich als schwer einzuschätzender Bündnispartner. Über
diese Lage und mögliche Auswege spricht Oberstleutnant Michael
Gutzeit mit Prof. Dr. Carlo Masala.
Im September sah sich Polen erstmals gezwungen, russische Drohnen
auf eigenem Territorium abzuschießen, die in großer Zahl in den
Luftraum eingedrungen waren. Verteidigungsminister Pistorius
bezeichnete den Vorfall als eine „bislang beispiellose Verletzung
des polnischen Luftraums“ und „Provokation gegenüber der gesamten
NATO“. Er versicherte: „Wir stehen als Bündnispartner ganz klar
fest zusammen (…) wir lassen uns nicht provozieren.“ Wie sind die
regelmäßigen Luftraumverletzungen einzuordnen? Sollen sie die
NATO provozieren oder will Russland vor allem davon ablenken,
dass es militärisch schwächelt?
Worte und Zentimeter
Die Ukraine verzeichnet nördlich von Pokrowsk Geländegewinne und
attackiert russische Ölraffinerien, das diesjährige Zapad-Manöver
Russlands fällt deutlich kleiner aus. Präsident Selenskyj
vermutet, Russland fehle die Kraft für eine Großoffensive. Putins
Drohnen könnten also weniger Stärke, sondern eher Verunsicherung
signalisieren. Auch politisch verschieben sich die Frontlinien.
Moskau erklärt neuerdings nicht mehr die USA, sondern Europa zum
Hauptfeind. Parallel betonen Washingtons Vertreter ihre
Bündnistreue: „Wir würden jeden Zentimeter NATO-Territorium
verteidigen“, sagte US-Botschafter Waltz bei den Vereinten
Nationen. Selbst Präsident Trump bekräftigte jüngst die
Verteidigung Polens und des Baltikums. Ist das eine neue Klarheit
und wie verlässlich ist sie?
Gesprächspartner
Carlo Masala ist Professor an der Universität der Bundeswehr
München und Direktor des Metis Instituts für Strategie und
Vorausschau. Oberstleutnant Michael Gutzeit ist Leiter der
Informationsarbeit am ZMSBw.
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Interviews des ZMSBw zu Militärgeschichte, Militärsoziologie und
Sicherheitspolitik: für Wissenschaft, Bundeswehr und Gesellschaft
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