Kognitive Fusion – Warum du nicht alles glauben darfst

Kognitive Fusion – Warum du nicht alles glauben darfst

vor 3 Tagen
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Beschreibung

vor 3 Tagen

Du liegst wach und starrst an die Zimmerdecke, während sich deine
Sorgen wie eine unumstößliche Realität anfühlen. Was wäre, wenn
neunzig Prozent der Dinge, vor denen du dich heute gefürchtet
hast, nur ein bedeutungsloses Radio-Rauschen in deinem Kopf
waren? In diesem Moment erlebst du den psychologischen Zustand
der kognitiven Fusion. Deine Gedanken kleben so dicht auf deiner
Sichtweise, dass du den Unterschied zwischen einer mentalen
Geschichte und der tatsächlichen physischen Realität nicht mehr
erkennst. Dein Gehirn reagiert auf ein bloßes Wort mit echtem
Stress, feuchten Händen und einem rasenden Puls, als stünde eine
echte Gefahr unmittelbar vor dir.





Du lernst heute die Geschichte von Steven C. Hayes kennen, dem
Begründer der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, der durch eine
Panikattacke entdeckte, dass nicht der Gedanke das Problem ist,
sondern unsere Verschmelzung mit ihm. Du erfährst, wie Probanden
in einer Studie der University of Nevada durch die Technik der
semantischen Sättigung die Macht negativer Begriffe auflösen
konnten. Um diesen Mechanismus für dich zu nutzen, lernst du das
Tool der Etikettierung kennen. Indem du den Satz „Ich habe gerade
den Gedanken, dass...“ vor deine Sorgen stellst, erschaffst du
sofort die nötige Distanz, um dein Nervensystem zur Ruhe zu
bringen.





Besonders nachts entfaltet die kognitive Fusion ihre maximale
Kraft, weil die äußere Ablenkung fehlt und dein Verstand das
Schlafzimmer in eine Arena für Katastrophenszenarien verwandelt.
Ein Gedanke an ein mögliches Versagen wird für deinen Körper zur
bereits eingetretenen Katastrophe, die den Cortisolspiegel
steigen lässt und dich physisch wachhält. Heute Abend begreifst
du, dass deine Gedanken keine Befehle oder Wahrheiten sind,
sondern lediglich vorübergehende Ereignisse in deinem
Bewusstsein. Du musst deine Gedanken nicht stoppen, um
einzuschlafen. Du darfst lediglich aufhören, ihnen bedingungslos
zu glauben, während die Stille der Nacht dich sanft umhüllt.



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