Tania Oldenhage: Christliche Bibel, Jüdische Bibel

Tania Oldenhage: Christliche Bibel, Jüdische Bibel

vor 4 Tagen
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Beschreibung

vor 4 Tagen
Lange Zeit wurde die Bibel gelesen als ein Buch, das für uns, die
christlichen Kirchen, geschrieben wurde. Gemeinsam mit der
Pfarrerin und Neutestamentlerin Tania Oldenhage stellen Andi und
Thorsten diese Selbstverständlichkeit in Frage. Denn das Alte
Testament ist als Hebräische Bibel zugleich die Heilige Schrift des
Judentums. Auch die Verfasser des Neuen Testaments waren zum
grössten Teil Juden. Diese Verwurzelung im Judentum wurde nicht nur
verdrängt. Allzu lange wurde das Judentum in der Bibelauslegung als
eine Art Dunkelfolie des Christentums benutzt. Und schlimmer. Im
Anschluss an einzelne Passagen im Neuen Testament wie die
Passionsgeschichte wurden «die Juden» pauschal als «Gottesmörder»
verurteilt, die von Gott verstossen wurden. Tania Oldenhage macht
deutlich, wie tief die Wirkungsgeschichte solcher antijüdischer
Stereotype in der Christentumsgeschichte war und ist. Und sie macht
Mut, diese Sichtweisen konsequent zu hinterfragen und die
biblischen Texte neu zu entdecken, auch wenn das bedeutet, sich auf
eine intensive Auseinandersetzung mit den überlieferten Worten
einzulassen. Im Gespräch kommen sie auf ihr neues Buch «Else
Lasker-Schüler und der Flüchtlingssonntag» (2025), in dem Oldenhage
zeigt, wie anregend der Bibelumgang einer jüdischen
Schriftstellerin wie Lasker-Schüler (1869-1945) auch für uns sein
kann. Oldenhage erzählt von der 1933 erfolgten Flucht der
deutsch-jüdischen Autorin nach Zürich und ihren dortigen
Erfahrungen. Bibeltexte waren für sie Halt und Inspirationsquelle,
um ihr Geschick in Zeiten eines mörderischen Antisemitismus zu
deuten. Wer sich für diese Erfahrungen öffnet, kann nicht
übersehen, dass die Schweiz auch heute Ziel von Geflüchteten ist,
die vielfach auf Vorurteile und Abwehr treffen. «Gott ist ein
Flüchtling», so habe ihr ein Mann aus Eritrea einmal im
Zusammenhang eines Gottesdienstes mit Geflüchteten gesagt.
Bibeltexte voller Migrationserfahrungen erweisen sich bis heute als
lichtvoll, wenn wir sie nicht als sicheren Besitz ansehen, sondern
sie mit Erfahrungen unserer Zeit ins Gespräch bringen. Quellen:
Tania Oldenhage (2025): Else Lasker-Schüler und der
Flüchtlingssonntag. Impulse für eine biblische Migrationstheologie,
Zürich: TVZ Videovortrag von Tania Oldenhage: «Selig sind die
Unfruchtbaren». Tania Oldenhage zur Gerichtsandrohung an Jerusalem.
https://www.eaberlin.de/themen/projekte/bildstoerungen/antisemitismuskritische-bibelauslegungen/selig-sind-die-unfruchtbaren/
In den nächsten Tagen erscheint von ihr ein Vortrag zum Kindermord
des Herodes in der Reihe «Antisemitismuskritische Bibelauslegungen»
der Evangelischen Akademie in Berlin.
https://www.eaberlin.de/themen/projekte/bildstoerungen/antisemitismuskritische-bibelauslegungen/
Im März 2026 wurde die Handreichung «Kirche ohne Antisemitismus»
von der Synode der Zürcher Landeskirche angenommen. Hier geht es
zum Text und weiteren Materialien.
https://fokustheologie.ch/stoffwelten-dossiers/kirche-ohne-antisemitismus/

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