Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 4 Tagen
Fünf Kilometer nördlich der belgisch-niederländischen Hauptgrenze
liegt ein auf den ersten Blick unscheinbares Städtchen, das aus
roten Backsteinhäusern besteht: Baarle. Es ist einzigartig, den Ort
gibt es doppelt: Baarle-Hertog und Baarle-Nassau, auf dem
Ortsschild stehen beide Namen.
Ersteres gehört zu Belgien, letzteres zu den Niederlanden. Der Ort
ist geteilt, aber die Grenze läuft nicht nur in der Mitte hindurch,
der Grenzverlauf mutet eher wie ein Flickenteppich aus
Landschnipseln an.
Es gibt 22 belgische Enklaven im niederländischen Staatsgebiet,
durchnummeriert von H1 bis H22 – das H steht für Hertog. In zwei
davon befinden sich sieben niederländische Konter-Enklaven,
nummeriert von N1 bis N7 – das N steht für Nassau. Das ist also je
ein Stück Niederlande, das sich in Belgien verbirgt, das sich
wiederum in den Niederlanden befindet. Dann gibt es eine
niederländische Enklave im belgischen Staatsgebiet, N8.
Das alles macht diese Grenzziehung zu einer der, wenn nicht zu der
kompliziertesten und kleinteiligsten der Welt. Weltweit gibt es
noch 63 Enklaven, fast die Hälfte davon finden sich in der
10.000-Einwohner-Stadt. Seinen Ursprung hat das Grenz-Wirrwarr von
Baarle in der Übereinkunft zweier Adeliger im 12. Jahrhundert, die
damals vornehmlich landwirtschaftlich genutzte Parzellen
unterschiedlichen Lehensherren zusprachen.
Bis heute hat sich das gehalten – mit kuriosen Folgen, die Willem
van Gool bei einer Ortsbesichtigung zeigt: Im Rathaus lässt sich
die Grenzlinie „einschalten“, ein Leuchtstreifen, der den Ratssaal
teilt, leuchtet gelb auf. Im Getränkemarkt, der auf der Grenze
liegt, gelten die günstigeren belgischen Alkoholpreise, da die
Eingangstür auf belgischem Gebiet liegt. Entscheidend dafür ist die
„Vordertür-Regel“ – von der es aber auch Ausnahmen gibt, etwa ein
Haus mit einer belgischen und einer niederländischen Hausnummer, da
die Grenze genau durch die Mitte der Haustür führt.
Das Haus von Julien Leemans liegt verwaltungstechnisch in Belgien,
da dort die Vordertür platziert ist. Aber 90 Prozent des Hauses
sind niederländisch. Bis auf zwei Räume: „Wenn meine Frau näht,
dann tut sie das in Belgien. Ansonsten gibt es nur noch einen
anderen belgischen Raum: Das ist die Toilette.“ Er koche in den
Niederlanden, meint Leemans, aber führe ab in Belgien.
Von ihm erfährt Reporter Daniel Sprenger beim Rundgang mit
ständigen Grenzüberschreitungen, dass das Leben im zersplitterten
Baarle vor allem früher nicht nur lustige Seiten hatte, und warum
die Kleinstadt als Modell für die Europäische Union gilt. Denn
trotz oder vielleicht auch gerade wegen - der allgegenwärtigen
Teilung überwiegt sehr viel Gemeinsames in Baarle.
ARD Mediathek: Niederlande ungefiltert: Wer seid ihr
wirklich?
https://www.ardmediathek.de/video/niederlande-ungefiltert-wer-seid-ihr-wirklich/niederlande-ungefiltert-wer-seid-ihr-wirklich/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtMzEwYjA5MDktOTA0ZS00ZDk2LWI1NDAtMWEyZGFjODZjYzNk
liegt ein auf den ersten Blick unscheinbares Städtchen, das aus
roten Backsteinhäusern besteht: Baarle. Es ist einzigartig, den Ort
gibt es doppelt: Baarle-Hertog und Baarle-Nassau, auf dem
Ortsschild stehen beide Namen.
Ersteres gehört zu Belgien, letzteres zu den Niederlanden. Der Ort
ist geteilt, aber die Grenze läuft nicht nur in der Mitte hindurch,
der Grenzverlauf mutet eher wie ein Flickenteppich aus
Landschnipseln an.
Es gibt 22 belgische Enklaven im niederländischen Staatsgebiet,
durchnummeriert von H1 bis H22 – das H steht für Hertog. In zwei
davon befinden sich sieben niederländische Konter-Enklaven,
nummeriert von N1 bis N7 – das N steht für Nassau. Das ist also je
ein Stück Niederlande, das sich in Belgien verbirgt, das sich
wiederum in den Niederlanden befindet. Dann gibt es eine
niederländische Enklave im belgischen Staatsgebiet, N8.
Das alles macht diese Grenzziehung zu einer der, wenn nicht zu der
kompliziertesten und kleinteiligsten der Welt. Weltweit gibt es
noch 63 Enklaven, fast die Hälfte davon finden sich in der
10.000-Einwohner-Stadt. Seinen Ursprung hat das Grenz-Wirrwarr von
Baarle in der Übereinkunft zweier Adeliger im 12. Jahrhundert, die
damals vornehmlich landwirtschaftlich genutzte Parzellen
unterschiedlichen Lehensherren zusprachen.
Bis heute hat sich das gehalten – mit kuriosen Folgen, die Willem
van Gool bei einer Ortsbesichtigung zeigt: Im Rathaus lässt sich
die Grenzlinie „einschalten“, ein Leuchtstreifen, der den Ratssaal
teilt, leuchtet gelb auf. Im Getränkemarkt, der auf der Grenze
liegt, gelten die günstigeren belgischen Alkoholpreise, da die
Eingangstür auf belgischem Gebiet liegt. Entscheidend dafür ist die
„Vordertür-Regel“ – von der es aber auch Ausnahmen gibt, etwa ein
Haus mit einer belgischen und einer niederländischen Hausnummer, da
die Grenze genau durch die Mitte der Haustür führt.
Das Haus von Julien Leemans liegt verwaltungstechnisch in Belgien,
da dort die Vordertür platziert ist. Aber 90 Prozent des Hauses
sind niederländisch. Bis auf zwei Räume: „Wenn meine Frau näht,
dann tut sie das in Belgien. Ansonsten gibt es nur noch einen
anderen belgischen Raum: Das ist die Toilette.“ Er koche in den
Niederlanden, meint Leemans, aber führe ab in Belgien.
Von ihm erfährt Reporter Daniel Sprenger beim Rundgang mit
ständigen Grenzüberschreitungen, dass das Leben im zersplitterten
Baarle vor allem früher nicht nur lustige Seiten hatte, und warum
die Kleinstadt als Modell für die Europäische Union gilt. Denn
trotz oder vielleicht auch gerade wegen - der allgegenwärtigen
Teilung überwiegt sehr viel Gemeinsames in Baarle.
ARD Mediathek: Niederlande ungefiltert: Wer seid ihr
wirklich?
https://www.ardmediathek.de/video/niederlande-ungefiltert-wer-seid-ihr-wirklich/niederlande-ungefiltert-wer-seid-ihr-wirklich/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtMzEwYjA5MDktOTA0ZS00ZDk2LWI1NDAtMWEyZGFjODZjYzNk
Weitere Episoden
41 Minuten
vor 1 Woche
37 Minuten
vor 2 Wochen
27 Minuten
vor 4 Wochen
32 Minuten
vor 1 Monat
34 Minuten
vor 1 Monat
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.