#787 Mach nicht einfach das, worin du am besten bist: Strafverteidigung, Talent, Prestige (Letters to a Young Lawyer 6)

#787 Mach nicht einfach das, worin du am besten bist: Strafverteidigung, Talent, Prestige (Letters to a Young Lawyer 6)

vor 2 Tagen
Alan Dershowitz über Talent, Freude, Prestige, Selbsterkenntnis und die Frage, ob man das Recht lieben sollte
33 Minuten
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Beschreibung

vor 2 Tagen
In dieser Folge diskutieren Duri Bonin und Nina Langner einen
weiteren Brief aus Alan Dershowitz’ Letters to a Young Lawyer:
Don’t Do What You’re Best At – also: Mach nicht einfach das, worin
du am besten bist. Der Gedanke irritiert zunächst. Ist das wirklich
ein guter Rat? Oder nur eine provokative Umkehrung des üblichen
Karriereklischees: Finde dein Talent und baue dein Leben darum
herum? Können und Erfüllung sind nicht dasselbe. Man kann in etwas
sehr gut sein und trotzdem merken, dass es einen auf Dauer nicht
trägt. Nina unterscheidet dabei zwischen zwei Dingen: einem frühen
Berufswunsch, dem man folgt, ohne zu wissen, wie der Alltag später
wirklich aussieht, und einer Stärke, in die einen Umfeld, Noten,
Anerkennung oder Erwartungen hineinschieben. Beides kann
funktionieren. Beides kann aber auch in Enttäuschung führen. Ein
wichtiger Begriff der Folge ist deshalb nicht Talent, sondern
Lebendigkeit. Duri fragt Nina, wo sie sich in ihrer Arbeit wach
fühlt. Nina nennt Einzelschicksale, unverständliche Entscheide und
rechtliche Fragen, bei denen sie denkt: Das kann doch nicht sein.
Von dort aus wird klar: Strafverteidigung passt nicht einfach
deshalb, weil man juristisch gut ist. Sie passt, wenn man Reibung,
Konflikt, Unvorhersehbarkeit und die ständige Auseinandersetzung
mit Macht aushält. Die beiden sprechen auch über unterschiedliche
juristische Rollen: Gericht, Staatsanwaltschaft,
Wirtschaftskanzlei, Strafverteidigung. Dabei zeigt sich: Es ist
nicht zufällig, wer wohin tendiert. Manche suchen Sicherheit,
Routine und institutionelle Klarheit. Andere suchen Bewegung,
Widerspruch und die offene Flanke. Strafverteidigung erscheint in
diesem Gespräch nicht als besonders prestigeträchtiger Weg im
finanziellen oder gesellschaftlichen Sinn, sondern als Rolle für
Menschen, die den Rechtsstaat nicht nur verwalten, sondern im
konkreten Verfahren verteidigen wollen. Ein zweiter grosser Block
dreht sich um Prestige und Anerkennung. Duri kommt auf äussere
Erfolgssymbole wie Rolls-Royce oder teurer Uhr zu sprechen und
fragt, was solche Zeichen wirklich ausstrahlen: Erfolg – oder
Bedürftigkeit nach Bewunderung? Von dort führt das Gespräch zu den
eigenen beruflichen Entscheidungen. Nicht jedes grosse Mandat ist
ein gutes Ja. Zwischen „man will mich“ und „ich nehme es an“ liegt
der ganze Ernst der Selbsterkenntnis. Dann geht es um den
vielleicht unbequemsten Teil des Briefes: Dershowitz sagt, Juristen
sollten das Recht nicht zu sehr lieben. Nina ist zunächst irritiert
und fragt, ob das als Strafverteidiger überhaupt der richtige
Ausgangspunkt sei. Duri übersetzt den Gedanken in die Praxis: Recht
ist von Menschen gemacht, ein Machtinstrument, ein Verfahren, ein
Werkzeug – nicht etwas, vor dem man ehrfürchtig erstarren sollte.
Duri denkt laut darüber nach, ob er in einer anderen Laufbahn auch
Staatsanwalt hätte werden können – und warum ihm gewisse Formen der
Strafverfolgung heute ein Sinnproblem bereiten würden. Am Schluss
bleibt kein einfacher Karrieregrundsatz zurück. Entscheidend ist
nicht die abstrakte Regel, sondern die ehrliche Prüfung: Was kann
ich? Was macht mich wach? Was passt zu meinem Wesen? Was kann ich
auf Dauer verantworten? Die Folge endet mit Duris Take-away für den
Alltag der Strafverteidigung: Inmitten von Akten, Verfahren,
Fristen, Klienten, Gerichten und Druck darf man den Blick nicht
verlieren, warum man diese Arbeit macht. Wer sich immer wieder
darauf zurückbesinnt, bleibt lebendig. Und vielleicht ist genau das
der eigentliche Punkt des Briefes: Nicht einfach der grössten
Stärke folgen, sondern eine Arbeit finden und gestalten, in der
Können, Freude, Wahrhaftigkeit und innere Passung zusammenkommen.
Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter
https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen
Plattformen zu hören . Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und
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