Warum ist es höchste Zeit für Tacheles, Nicole Staudinger?

Warum ist es höchste Zeit für Tacheles, Nicole Staudinger?

vor 1 Tag
Jede Woche kommen im Podcast "Talk mit K" interessante Menschen aus Köln zu Wort.
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Beschreibung

vor 1 Tag
In dieser Folge "Talk mit K" des "Kölner Stadt-Anzeiger" spricht
Podcast-Host Sarah Brasack mit der Bestseller-Autorin und
Kommunikationstrainerin Nicole Staudinger, die mit ihrem neuen Buch
"Time for Tacheles" ein Plädoyer für eine klare, respektvolle
Streitkultur verfasst hat. Staudinger erzählt, warum sie sich
eigentlich wünschte, dieses Buch nicht schreiben zu müssen – und
weshalb sie es gerade deshalb für dringend nötig hält. Als
Trainerin erlebt sie seit Jahren, wie der Ton im Alltag rauer wird,
wie Unternehmen Diversity-Programme wieder einkassieren und wie
gesellschaftliche Gräben, die während der Pandemie entstanden sind,
nicht mehr schließen. Ihr Buch sei die Konsequenz eines wachsenden
Unbehagens darüber, dass progressive Errungenschaften plötzlich
fragil wirken und sich alte Machtmuster bemerkbar machen. Ein
Erlebnis bei einer Preisverleihung wurde für sie zum Auslöser: Eine
junge Moderatorin will einem älteren Sponsor das Mikro reichen,
doch der sagt vor Publikum: „Das kannst du schön festhalten.“
Niemand reagiert. Für Staudinger war das ein Moment, der zeigte,
wie schnell Respekt verrutscht – und wie wichtig es ist, die eigene
Stimme zu benutzen. Tacheles reden heißt für sie jedoch nicht,
andere bloßzustellen. Sondern mit innerer Klarheit und präzisen
Fragen Grenzen zu setzen, ohne unnötig zu verletzen. Im Gespräch
erklärt sie, warum wir nur dann gut und wirkungsvoll reden können,
wenn wir wissen, wer wir sind und wofür wir stehen. Ein stabiles
Selbstverständnis sei die Grundlage für jede Form von Klartext – ob
im Meeting, in der Familie oder in der Schlange an der
Supermarktkasse. Viele Frauen, sagt sie, seien großartig darin, zu
vermitteln und anzupacken, aber weniger geübt darin, den eigenen
Anspruch zu formulieren oder sich nicht reflexhaft zu
rechtfertigen. Wie sehr Sprache von Selbstbild und Sozialisation
geprägt ist, zeigt sie an alltäglichen Beispielen, die viele sofort
erkennen: Die Frau, die als Erste zur Küchenrolle springt, die
Ärztin, die jahrelang auf dem kleinen Hocker sitzt, während der
Kollege den Chefsessel hat – oder die Kassiererin, die im Stress
ihre Geduld verliert. Staudinger spricht auch über Macht, ein Wort,
das bei vielen Frauen Unbehagen auslöst. Sie definiert es neu als
Wirksamkeit: die Fähigkeit, Situationen zu beeinflussen, Missstände
nicht schweigend hinzunehmen und im richtigen Moment Haltung zu
zeigen. Das müssen keine großen Gesten sein; oft reiche schon ein
Satz, der etwas verschiebt. Und sie erzählt, warum Empörung alleine
nicht weiterhilft. Wut könne politisch wirksam werden, wie zuletzt
die Bewegung rund um Colleen Fernandes gezeigt habe, aber reines
sich-Aufregen führe nur in die Sackgasse. Staudingers Appell: Wir
dürfen nicht warten, bis andere die Dinge geraderücken. Wer
schweigt, überlässt das Spielfeld den Falschen.
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