️ Was passiert, wenn 837 Jahre Hafen anfangen zu denken?
38 Minuten
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vor 1 Tag
In dieser Folge des DEEPTECH DEEPTALK ist
Hermann D. Grünfeld, Head of Traffic Management
bei der Hamburg Port Authority (HPA), eigentlich
nur auf einen Kaffee vorbeigekommen. Was folgt, ist ein
ungewöhnlich offenes Gespräch über den Einsatz von
Quantensimulation im Hafenalltag, digitale Zwillinge ohne
Visualisierung und die Frage, warum intelligente Steuerung mehr
bringt als jede neue Fahrspur.
Hermanns Kernthese: Ein Hafen funktioniert nicht an der Kaikante,
sondern an seiner Hinterlandverbindung. Täglich 16.000 LKW, 142
Kilometer Hafenstraße, 35 Ampeln. Wer hier mehr herausholen will,
baut nicht aus. Er optimiert. In Zusammenarbeit mit Fujitsu und
der TU Graz setzt die HPA auf Quantum Annealing, eine
Quantensimulation und damit eine wichtige Vorstufe zum echten
Quantencomputing. Die Technologie berechnet bei sechs
koordinierten Kreuzungen Milliarden von Schaltmöglichkeiten und
gewinnt daraus 10 bis 15 Prozent mehr Durchsatz. Der Effekt einer
neuen Fahrspur, ohne einen Quadratmeter Fläche anzufassen.
Alois Krtil weitet den Blick auf die nächste Technologieklasse:
Large Quantitative Models, physikalisch verankerte KI-Systeme,
die nicht in Sprache, sondern in Physik denken. Für reale
Infrastruktur im Wert von hunderten Millionen Euro ist das keine
Zukunftsvision, sondern der logische nächste Schritt. Und
Hamburg, mit seiner gewachsenen Komplexität und seinen echten
Constraints, ist dafür das beste Reallabor Europas.
Kapazität ist kein Bauprojekt, sondern ein
Steuerungsproblem. ca. 10 bis 15 Prozent mehr
Durchsatz durch intelligente Ampelsteuerung entsprechen dem
Effekt einer neuen Fahrspur, ohne einen Quadratmeter
anzufassen.
Quantum Annealing ist heute produktiv, nicht
morgen. Wichtig zu verstehen: Es handelt sich nicht um
echtes Quantencomputing, sondern um eine Quantensimulation,
eine leistungsstarke Vorstufe. Sie läuft im Hamburger Hafen,
vollautomatisch, mit messbaren Ergebnissen bei einem
Optimierungsproblem, das klassische Rechner schlicht
überfordert.
Visualisierung war ein Missverständnis. Ein
digitaler Zwilling muss nicht schön sein. Er muss
funktionieren. Steuerung schlägt Darstellung.
Daten bleiben der eigentliche Engpass. Nicht
Rechenpower, nicht Algorithmen. Qualität, Verfügbarkeit und
Latenz der Eingangsdaten entscheiden alles.
Physikalische KI schlägt Sprachmodelle dort, wo es
wirklich zählt. Large Quantitative Models
halluzinieren nicht. Sie rechnen. Für reale Infrastruktur ist
das der entscheidende Unterschied.
Hamburg ist das bessere Reallabor. Gewachsene
Strukturen mit echten Constraints sind kein Nachteil, sondern
der härteste und wertvollste Testfall für KI in komplexen
Systemen.
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