Doula: Geburtsbegleiterin, Unternehmerin, kulturelle Vermittlerin
Die Geburt ist ein gewaltiges Erlebnis – bei dem sich Frauen immer
öfter nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch emotionale
Begleitung wünschen. Doulas bieten genau dies an. Sie wollen einen
sicheren Raum schaffen, manche gar einen «heiligen Ra ...
29 Minuten
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Beschreibung
vor 2 Tagen
Die Geburt ist ein gewaltiges Erlebnis – bei dem sich Frauen immer
öfter nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch emotionale
Begleitung wünschen. Doulas bieten genau dies an. Sie wollen einen
sicheren Raum schaffen, manche gar einen «heiligen Raum» - und so
auch Geburtstraumata verhindern. Doulas gibt es wohl, seit Frauen
gebären. Früher waren es die Frauen aus der Grossfamilie, die den
Gebärenden beistanden. Mit der Individualisierung der Gesellschaft
– und der Verlagerung der Geburt in den Spital ging die
Unterstützung der Frauengemeinschaft verloren. Als Dienstleistung
kehrt sie nun in den Gebärsaal zurück. Doulas wollen Eltern
beistehen, um ihnen eine gute Geburtserfahrung zu ermöglichen.
«Ekstatisch» könne diese sein, sagt Doula Nadja Brenneisen. Und
ermächtigend. Mit Unterstützung der Doula könne die Handlungsmacht
der Frauen gestärkt, Gewalt bei der Geburt verringert und
Geburtstraumata verhindert werden. Die Unterstützung der Eltern
soll auch das «Wunder» der Geburt erlebbar machen. Viele Doulas
verstehen ihre Arbeit als spirituell. Sehen sie als Berufung, wie
im Falle von Rebecca Spielman. Die jüdisch-orthodoxe Doula sorgt
dafür, dass bei der Geburt die religiösen Vorgaben eingehalten
werden, vermittelt dem Gesundheitspersonal die jüdischen Bräuche
und will den Frauen mit ihrer Unterstützung gute Geburtserlebnisse
ermöglichen. Doch an der Doula-Arbeit gibt es auch Kritik. Sie sei
zu wenig reglementiert, bekämpfe die Probleme im Gebärsaal mit den
falschen Mitteln, heisst es etwa von Hebammen. In «Perspektiven»
ordnen wir ein. Zu Wort kommen: • Jil Marxer,
Religionswissenschaftlerin an der Universität Zürich, die vor
Kurzem ihre Doktorarbeit über Doulas abgeschlossen hat. • Doula
Nadja Brenneisen, die mit ihrer Firma «womb&heart» Begleitung
vom Kinderwunsch bis zur Geburt anbietet. • Doula Rebecca Spielman,
die bereits 300 Geburten begleitet und das Doula-Wesen in der
chassidischen Gemeinschaft in Zürich geprägt hat. • Nathalie
Colling, Stationsleitung Gebärabteilung bei Stadtspital Waid und
Triemli. • Andrea Weber, Geschäftsführerin des Schweizerischen
Hebammenverbandes Autorin: Nicole Freudiger Buchhinweis: Marxer,
Jil. Doulas in der Deutschschweiz – zwischen Beruf und Berufung.
Eine Religionswissenschaftliche Ethnographie über
Geburtsbegleiterinnen. Springer VS, 2025.
öfter nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch emotionale
Begleitung wünschen. Doulas bieten genau dies an. Sie wollen einen
sicheren Raum schaffen, manche gar einen «heiligen Raum» - und so
auch Geburtstraumata verhindern. Doulas gibt es wohl, seit Frauen
gebären. Früher waren es die Frauen aus der Grossfamilie, die den
Gebärenden beistanden. Mit der Individualisierung der Gesellschaft
– und der Verlagerung der Geburt in den Spital ging die
Unterstützung der Frauengemeinschaft verloren. Als Dienstleistung
kehrt sie nun in den Gebärsaal zurück. Doulas wollen Eltern
beistehen, um ihnen eine gute Geburtserfahrung zu ermöglichen.
«Ekstatisch» könne diese sein, sagt Doula Nadja Brenneisen. Und
ermächtigend. Mit Unterstützung der Doula könne die Handlungsmacht
der Frauen gestärkt, Gewalt bei der Geburt verringert und
Geburtstraumata verhindert werden. Die Unterstützung der Eltern
soll auch das «Wunder» der Geburt erlebbar machen. Viele Doulas
verstehen ihre Arbeit als spirituell. Sehen sie als Berufung, wie
im Falle von Rebecca Spielman. Die jüdisch-orthodoxe Doula sorgt
dafür, dass bei der Geburt die religiösen Vorgaben eingehalten
werden, vermittelt dem Gesundheitspersonal die jüdischen Bräuche
und will den Frauen mit ihrer Unterstützung gute Geburtserlebnisse
ermöglichen. Doch an der Doula-Arbeit gibt es auch Kritik. Sie sei
zu wenig reglementiert, bekämpfe die Probleme im Gebärsaal mit den
falschen Mitteln, heisst es etwa von Hebammen. In «Perspektiven»
ordnen wir ein. Zu Wort kommen: • Jil Marxer,
Religionswissenschaftlerin an der Universität Zürich, die vor
Kurzem ihre Doktorarbeit über Doulas abgeschlossen hat. • Doula
Nadja Brenneisen, die mit ihrer Firma «womb&heart» Begleitung
vom Kinderwunsch bis zur Geburt anbietet. • Doula Rebecca Spielman,
die bereits 300 Geburten begleitet und das Doula-Wesen in der
chassidischen Gemeinschaft in Zürich geprägt hat. • Nathalie
Colling, Stationsleitung Gebärabteilung bei Stadtspital Waid und
Triemli. • Andrea Weber, Geschäftsführerin des Schweizerischen
Hebammenverbandes Autorin: Nicole Freudiger Buchhinweis: Marxer,
Jil. Doulas in der Deutschschweiz – zwischen Beruf und Berufung.
Eine Religionswissenschaftliche Ethnographie über
Geburtsbegleiterinnen. Springer VS, 2025.
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