Digitale praktische Gesellenprüfung für Kraftfahrzeug-Mechatroniker in Dresden | Werkstatt Insider

Digitale praktische Gesellenprüfung für Kraftfahrzeug-Mechatroniker in Dresden | Werkstatt Insider

31 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

Digitale praktische Gesellenprüfung: Was bringt die Simulation
wirklich und wo bleibt das Handwerk?





Wer den Werkstatt Insider Podcast zum ersten Mal hört, merkt
sofort: Hier geht es nicht um Hochglanz-Sprech, sondern um
Werkstatt-Realität. In der ersten regulären Folge nehmen Jens,
Michael und Moritz ein Thema auseinander, das viele Betriebe
gleichzeitig neugierig und skeptisch macht: digitale Elemente in
der praktischen Gesellenprüfung. Anlass ist ein Modellversuch in
Dresden. Dort absolvieren rund 100 angehende Kfz-Mechatroniker
einen Teil der praktischen Prüfung an einer digitalen
Prüfungsstation. Es geht um Fehlerdiagnostik, also um genau den
Bereich, der im Alltag längst digital begleitet wird, aber eben
nicht digital gelöst ist.





Warum kommt das Thema jetzt und was ist daran neu?





In Dresden soll eine Computersimulation praxisnahe Fehlerbilder
abbilden. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger die
Technik-Spielerei, sondern die Vergleichbarkeit. Wenn Prüflinge
an verschiedenen Fahrzeugen mit unterschiedlichen Fehlern
arbeiten, wird die Bewertung schnell schief. Nicht weil Prüfer
unfair sind, sondern weil die Ausgangslage nicht identisch ist.
Eine Simulation kann definierte Störungsbilder bereitstellen, für
alle gleich, jederzeit reproduzierbar. Das klingt erstmal sauber,
fair und modern.





Michael bremst direkt die Revolution. Digital in Prüfungen ist
kein Neuland. In Bochum läuft die schriftliche Prüfung seit
Jahren online. Das ist etabliert und organisatorisch sinnvoll.
Aber die praktische Prüfung ist bewusst weiterhin praktisch, weil
man sehen will, ob jemand das Handwerk beherrscht und Handwerk
bedeutet eben nicht nur klicken, sondern anfassen, messen,
beurteilen, sauber arbeiten.





Diagnose ist nicht Stecker rein und fertig!





Ein Kernmoment der ersten richtigen Podcast Folge ist die klare
Abgrenzung zwischen Fehlerspeicher und Diagnose. Der Tester
liefert keine Wahrheit, er übersetzt nur Symptome aus dem
Steuergerät in eine Sprache, die wir lesen können. Michael bringt
dafür den Vergleich mit dem Arzt: Der Patient sagt Kopfschmerzen
und mehr nicht. Ob das von Stress, Alkohol, einem Stoß oder
falscher Belastung kommt, muss erst herausgefunden werden. Genau
so ist es am Auto: Der Fehlereintrag sagt dir, wo es wehtut!
Nicht, was kaputt ist.





Das ist auch eine Erwartungsfalle bei Kunden. Viele glauben,
Werkstatt heißt Stecker dran – Bauteil tauschen – Rechnung
schreiben. In der Realität beginnt die Arbeit nach dem Auslesen
erst richtig: prüfen, messen, eingrenzen, Ursachen voneinander
trennen. Und manchmal steckt die Ursache da, wo niemand sie
vermutet. Zum Beispiel ein Massefehler in der Rückleuchte, der
vorne das Lichtkino auslöst. Diagnose ist Systematik, nicht
Lotto.





Was die Simulation besser kann als das echte Auto





Trotz aller Skepsis hat die digitale Prüfungsstation echte
Vorteile. Der wichtigste: Komplexe und sicherheitskritische
Szenarien lassen sich darstellen, ohne dass man an realen
Fahrzeugen gefährliche oder extrem aufwendige Setups bauen muss.
Damit ist die Brücke zum Elektroauto schnell geschlagen. Niemand
will Prüflinge in einer Prüfung an offenen Hochvolt-Komponenten
herumoperieren lassen. In der Praxis geht es bei Hochvolt-Themen
ohnehin oft um die korrekte Freischaltung nach Herstellervorgabe,
um sichere Abläufe, um Informationsbeschaffung und um saubere
Messungen wie die Isolationsprüfung. Das lässt sich zumindest
teilweise standardisieren und fair prüfen.





Der zweite Vorteil ist der Reset-Effekt. Eine Simulation kann
nach jedem Prüfling sauber zurückgesetzt werden. Am realen
Fahrzeug ist das deutlich aufwendiger, besonders wenn in einer
Stunde Diagnosezeit ein Fehlerbild gelöst werden soll und
anschließend der nächste bei null starten muss. Und ja: Man kann
in einer digitalen Umgebung theoretisch viel mehr Varianten
abbilden als an einem physischen Prüfstand mit zwei oder drei
umsteckbaren Fehlerquellen.





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