David Schwarzwälder – Der Weinmentor

David Schwarzwälder – Der Weinmentor

Die unautoritäre spanische Weinautorität
3 Stunden 16 Minuten
Podcast
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Beschreibung

vor 1 Woche
David Schwarzwälder ist keine laute Autorität, kein Besserwisser
mit erhobenem Zeigefinger. Er ist vielmehr eine jener seltenen
Figuren, die in einer Zeit der Oberflächen und Halbwahrheiten mit
einer fast altmodischen Gründlichkeit arbeiten. Seine Fachgebiete,
Portugal und durchaus vor allem Spanien, sind komplex genug, um die
meisten zu entmutigen, doch er navigiert darin mit einer
Gelassenheit, die nur aus jahrzehntelanger Vertrautheit entsteht.
Was ihn fachlich einzigartig macht, ist nicht allein die schiere
Menge an Wissen – obwohl er Tausende Publikationen, Datensätze und
Modelle im Kopf hat wie andere Menschen Telefonnummern. Es ist die
Fähigkeit, Zusammenhänge zu sehen, wo andere maximal Aromen
erkennen. Er verbindet Önologie, Statistik und Weinwissenschaft,
Geschichte mit Zukunftsszenarien. Jede seiner Schilderungen, sei es
in Fachgremien oder Einsteigerseminaren, ist präzise, fast
asketisch und doch detailverliebt. Er vermeidet Dramatisierung,
weil er weiß, dass die Fakten für sich sprechen. Doch was ihn
wirklich menschlich macht, ist die Demut vor der Komplexität der
iberischen Weinwelt. David Schwarzwälder hat gelernt, dass
Expertise nicht bedeutet, alles zu wissen, sondern zu wissen, wo
das Wissen endet. In Diskussionen hört er länger zu, als er
spricht. Wenn er korrigiert, tut er es sanft, als wolle er die
andere Person nicht bloßstellen, sondern einladen, mitzudenken. Er
kann stundenlang über einen einzigen Reserva diskutieren, ohne je
die Geduld zu verlieren, und er freut sich ehrlich, wenn ein
Nachwuchssommelier eine Schwäche in seiner Argumentation findet.
Fehler sind für ihn keine Schande, sondern der natürliche Preis für
das ehrliche Interesse. David Schwarzwälder ist kein Weingenie im
romantischen Sinne. Er ist hart arbeitend, diszipliniert, manchmal
stur. Hier spricht jemand, der die Grenzen der iberischen Weinwelt
nicht nur kennt, sondern lebt. Am Ende ist er das Gegenteil von
jenem Expertenbild, das Medien gern zeichnen – allwissend,
unfehlbar, immer bereit mit einer klaren Antwort. David verkörpert
eine ältere, fast vergessene Vorstellung von Expertise: dass sie
nicht Herrschaft über Wissen bedeutet, sondern Verantwortung dafür.
In einer Zeit der schnellen Urteile und lauten Gewissheiten ist er
eine leise, aber umso wirkmächtigere Erinnerung daran, dass wahre
Kompetenz mit Bescheidenheit und Geduld beginnt. Und genau das
spürt man so wunderbar in „seiner“ Episode von SOMMELIER &
Friends.

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