#765 Selbsterfüllende Prophezeiung im Strafverfahren – wie ein falscher Verdacht ein ganzes Verfahren steuert
Psychologie von Haftantrag und Ermittlungen: Wie frühe Hypothesen,
kommunikatives Gedächtnis und kognitive Verzerrungen die
Urteilsfindung im Strafrecht beeinflussen
33 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 3 Wochen
In dieser Podcastfolge fragt Duri Bonin, was passiert, wenn ein
Strafverfahren mit einem falschen Verdacht startet – und sich das
ganze Verfahren dann konsequent in genau diese Richtung bewegt.
Unter dem Stichwort selbsterfüllende Prophezeiung zeigt er, wie aus
einer anfänglichen Hypothese „Der Beschuldigte hat es getan“
Schritt für Schritt eine scheinbar objektive Wahrheit werden kann.
Anhand von Beispielen aus Strafverfahren – etwa dem Einbruch in ein
Mehrfamilienhaus oder dem Fall eines getöteten Bäckers und seines
Bruders – macht die Folge sichtbar, wie früh sich eine erste
Geschichte bildet und wie stark sie alles Weitere steuert: die
Ermittlungen, den Haftantrag, die Sicht des Haftrichters und sogar
die Erinnerungen von Zeugen. Der Haftantrag fungiert als erste
kohärente Erzählung, die wie ein Magnet wirkt: Spuren, die passen,
erscheinen schwer; Spuren, die nicht passen, werden kleingeredet
oder gar nicht erhoben. Gleichzeitig zeigt Duri mit Bezug auf das
kommunikative Gedächtnis, wie sich in Familie, Nachbarschaft und
Medien ein gemeinsames Bild des „Täters“ bildet, das Aussagen und
Erinnerungen einfärbt. Im zweiten Teil skizziert die Folge konkrete
Gegenstrategien: Rekonstruktion des Sachverhalts ohne
vorweggenommenes Staatsanwaltsnarrativ, nüchterne Bewertung
einzelner Spuren vor jeder Deutung, systematisches Denken in
Alternativhypothesen und eine Unschuldsvermutung, die nicht nur auf
dem Papier steht. Für die Verteidigung betont Duri die Bedeutung
des frühen Einhakens, einer eigenständigen Gegen-Erzählung und der
kritischen Frage, welche Spuren und Hypothesen gar nie ernsthaft
geprüft wurden. Zugespitzt formuliert: Wer als Strafverteidiger
keine eigene Erzählung anbietet, läuft Gefahr, im Film der
Staatsanwaltschaft nur als Statist mitzuspielen. Die Kernaussage:
Selbsterfüllende Prophezeiungen sind kein böser Wille, sondern ein
normaler Denkmechanismus – gerade darum braucht es eine Justiz, die
ihre eigenen Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozesse mitdenkt.
Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen, Staatsanwälte,
Richterinnen, Polizisten, an Studierende von Strafrecht,
Psychologie, Kriminologie und Soziologie – und an alle, die ahnen,
dass Wahrheit im Strafverfahren immer auch eine Frage des ersten
Verdachts und der erzählten Geschichte ist. Links zu diesem
Podcast: - Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände —
Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung &
Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch) Die
Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter
https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen
Plattformen zu hören . Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und
abonnieren.
Strafverfahren mit einem falschen Verdacht startet – und sich das
ganze Verfahren dann konsequent in genau diese Richtung bewegt.
Unter dem Stichwort selbsterfüllende Prophezeiung zeigt er, wie aus
einer anfänglichen Hypothese „Der Beschuldigte hat es getan“
Schritt für Schritt eine scheinbar objektive Wahrheit werden kann.
Anhand von Beispielen aus Strafverfahren – etwa dem Einbruch in ein
Mehrfamilienhaus oder dem Fall eines getöteten Bäckers und seines
Bruders – macht die Folge sichtbar, wie früh sich eine erste
Geschichte bildet und wie stark sie alles Weitere steuert: die
Ermittlungen, den Haftantrag, die Sicht des Haftrichters und sogar
die Erinnerungen von Zeugen. Der Haftantrag fungiert als erste
kohärente Erzählung, die wie ein Magnet wirkt: Spuren, die passen,
erscheinen schwer; Spuren, die nicht passen, werden kleingeredet
oder gar nicht erhoben. Gleichzeitig zeigt Duri mit Bezug auf das
kommunikative Gedächtnis, wie sich in Familie, Nachbarschaft und
Medien ein gemeinsames Bild des „Täters“ bildet, das Aussagen und
Erinnerungen einfärbt. Im zweiten Teil skizziert die Folge konkrete
Gegenstrategien: Rekonstruktion des Sachverhalts ohne
vorweggenommenes Staatsanwaltsnarrativ, nüchterne Bewertung
einzelner Spuren vor jeder Deutung, systematisches Denken in
Alternativhypothesen und eine Unschuldsvermutung, die nicht nur auf
dem Papier steht. Für die Verteidigung betont Duri die Bedeutung
des frühen Einhakens, einer eigenständigen Gegen-Erzählung und der
kritischen Frage, welche Spuren und Hypothesen gar nie ernsthaft
geprüft wurden. Zugespitzt formuliert: Wer als Strafverteidiger
keine eigene Erzählung anbietet, läuft Gefahr, im Film der
Staatsanwaltschaft nur als Statist mitzuspielen. Die Kernaussage:
Selbsterfüllende Prophezeiungen sind kein böser Wille, sondern ein
normaler Denkmechanismus – gerade darum braucht es eine Justiz, die
ihre eigenen Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozesse mitdenkt.
Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen, Staatsanwälte,
Richterinnen, Polizisten, an Studierende von Strafrecht,
Psychologie, Kriminologie und Soziologie – und an alle, die ahnen,
dass Wahrheit im Strafverfahren immer auch eine Frage des ersten
Verdachts und der erzählten Geschichte ist. Links zu diesem
Podcast: - Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände —
Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung &
Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch) Die
Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter
https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen
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