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  4. Folge 79 - Yakoov Barzilai - Gedichte zur Shoah
In dieser Folge zum Gedenktag an die Opfer des
Nationalsozialismus geht es um Texte des jüdischen Dichters
Yakoov Barzilai.Teufelswerk„Mir ist es langweilig im Himmel”,
sagte Gott.Im Jahre 1943Und gab den Engeln ein Zeichen.Und die
ließen hinunter Jakobs Leiter.Und Gott stieg hinab, auf die
Erdkugel, die er schuf.Verkleidet als JudeMit Schläfenlocken und
Bart ging er zwischen den LeutenAuf dem Umschlagplatz von
WarschauEr trug einen gelben Stern, um sich kenntlich zu
machenAls er eingepfercht wurde in den ViehwaggonVersuchte er zu
entkommen„Ich bin Gott!”, schrie erSeitdem ist er spurlos
verschwunden ...Feuer auf dem PlatzUnd damals in diesem
verfluchten Jahrhundertsagte er in der Nacht — Es werde TagUnd
zündete den Platz anUnd alle Augen richteten sich auf die
BilderUnd alle Ohren lauschten den StimmenUnd da — es wuchs ein
Berg auf dem PlatzEin Berg von BüchernErhabener als die Gipfel
des HimalayasHundert Millionen Worte zusammengekauertZwischen den
BlätternBestehend aus Buchstaben dünnen und dickenRunden und
eckigenUnd das Feuer erfasste die BuchstabenUnd sie weinten und
stöhntenAber ihr Flehen blieb vergeblichUnd auf dem Platz wie in
der SteinzeitEine Horde Menschen tanzend um das FeuerGanz langsam
brannten die GedichteZeile für ZeileUnd alle Wörter erstickten im
RauchSechs Tage brannten die WorteAm siebten Tag erlosch das
FeuerUnd als das letzte Buch gestorben warBreitete sich
Dunkelheit über den ganzen Platz aus.WandertruppeAls der letzte
Vorhang fielNach der großen VorstellungIn TheresienstadtWurden
die Schauspieler fortgeschicktIn ein anderes TheaterNach
AuschwitzDort führten sie das Stück „Der Duft von Senf“ aufIn der
tausendsten VorstellungAlle wichtigen PersönlichkeitenFüllten die
ManegeGott saß in der ersten ReiheIn der MitteUnd klatschte in
die HändeVoller BegeisterungDanach —Ein Vorhang aus Rauch.Mein
Vater wird das Brot nicht mehr segnenNicht in diesem
JahrhundertUnd nicht in dem NächstenUnd nicht in dem 25.
JahrhundertUnd nicht in dem 30. JahrhundertUnd vielleicht nie
wird man entdeckenEine Getreideart, die besser istAls das
deutsche Getreide,das hervorragend ist.Es wird kein
Wissenschaftler geboren werdenUnd kein Genie gefunden werdenUnd
es wird nicht emporsteigen ein BegabterUnd kein Landwirt wird
heranwachsenDerJeder für sichUnd alle zusammenEinen organischen
Dünger erfinden werdenDer besser istAls mein Vater.ErgiebigerAls
mein GroßvaterUnd frischerAls mein OnkelSie düngen seitdem und
bis heuteDen deutschen Weizen in seiner fruchtbaren ErdeEs wird
nicht segnenMein VaterDas BrotEs wird nicht zu hören seinMeines
Großvaters EssenssegenUnd auch mein OnkelWird nicht auf seinem
Bauch kriechenUm zu danken für eine SchaleRote BeeteDie du
eintauschtestGegen eine BleikugelHerr Gott im HimmelKönig der
SchalenDie mein OnkelNicht verdient hatGott der Liebe,der meinen
Großvater nicht liebteGott des VerzeihensDer meinem Vater nicht
verziehen hatGott der Welt,Wen hast Du erschaffen nach deinem
Ebenbild?Nur die NachkommenDer BösenOder hast du auch mich
erschaffen?

*zwei Gedichte kann ich hier nicht abdrucken, da die Shownotes
auf 4000 Zeichen begrenzt sind.
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„Folge 79 - Yakoov Barzilai - Gedichte zur Shoah“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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