Davos als Spiegel einer fragmentierten Welt | Von Janine Beicht

Davos als Spiegel einer fragmentierten Welt | Von Janine Beicht

16 Minuten

Beschreibung

vor 2 Tagen

Eliteentscheidungen, symbolische Appelle und öffentliche
Inszenierungen verschleiern, wie stark reale Konflikte,
Machtungleichheiten und Instabilitäten die globale Ordnung
prägen.


Ein Kommentar von Janine Beicht.


Der Auftakt des Weltwirtschaftsforums 2026, das World Economic
Forum (WEF) in Davos, das vom 19. bis 23. Januar stattfindet,
macht die Kluft zwischen den globalen Eliten und den realen
geopolitischen Verhältnissen deutlich. Mit Rekordteilnehmerzahlen
und 64 Staats- und Regierungschefs, 850 CEOs und fast 100
Tech-Pionieren aus 130 Ländern präsentiert sich das Forum als
neutrale Plattform für den Dialog.


Ein Rekord von 400 der wichtigsten politischen
Führungspersönlichkeiten, darunter fast 65 Staats- und
Regierungschefs […] sowie rund 850 der weltweit führenden
Unternehmenslenker und knapp 100 der einflussreichsten Start-ups
und Technologiepioniere werden sich in Davos-Klosters versammeln.
Unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ bietet das 56. Annual
Meeting eine neutrale Plattform für rund 3.000 Teilnehmende aus
über 130 Ländern, um die wichtigsten wirtschaftlichen,
geopolitischen und technologischen Kräfte […] zu diskutieren. WEF
(1)


Die Teilnahme von Persönlichkeiten wie US-Präsident Donald Trump,
der mit einer Delegation von 300 Personen anreist, darunter
Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent,
Handelsminister Howard Lutnick, Handelsbeauftragter Jamieson
Greer, Schwiegersohn Jared Kushner und Sondergesandter Steve
Witkoff, zeigt, dass Davos weniger auf konkrete Lösungen als auf
Machtdemonstrationen ausgerichtet ist. (2) Die Absagen Dänemarks
wegen des Grönland-Streits (3) und des iranischen Außenministers
Abbas Araghtschi aufgrund seines Vorgehens bezüglich interner
Proteste im Iran, die das WEF als unangemessen bewertet (4),
verdeutlichen die Selektivität des Forums, das Kontroversen eher
meidet als aktiv adressiert.
„Der iranische Außenminister wird nicht nach Davos reisen.
Obwohl er im vergangenen Herbst eingeladen worden war, ist es
angesichts der tragischen Verluste an Menschenleben im Iran in den
letzten Wochen nicht angebracht, dass die iranische Regierung
dieses Jahr in Davos vertreten ist.“ WEF Sprecher | Handelsblatt
(4)

Proteste, darunter eine Demonstration von 600 Teilnehmern von
Strike WEF (5), die zu Verkehrsbehinderungen führte und friedlich
von der Polizei aufgelöst wurde, kritisieren das WEF als absurd.
Wir sagen Bullshit! Das WEF ist alles andere als neutral. [...]
Von Beginn an verfolgt es das Ziel, den Neoliberalismus von den USA
nach Europa zu bringen. [...] Der Neoliberalismus stellt Konzerne
über das Wohl der Gesellschaft. [...] Die Zahl der Milliardäre und
deren Vermögen ist gestiegen, die Armen wurden ärmer. [...] Soziale
Ungleichheit nimmt zu, gemeinschaftliche Strukturen zerfallen,
rechte Bewegungen erstarken, die Erde wird ausgebeutet und die
biologische Vielfalt geht zurück. [...] Das WEF stabilisiert
bestehende Machtstrukturen, statt wirksame Antworten auf globale
Krisen zu liefern. StrikeWEF (5)

Solche Aktionen verdeutlichen die Distanz des Forums zu
basisdemokratischen Anliegen. Das WEF wird nicht als Ort
wahrgenommen, an dem das Wohl der Menschen zählt, sondern als ein
Treffpunkt globaler Eliten, die ihre Macht sichern,
wirtschaftliche Interessen durchsetzen und soziale Ungleichheit
legitimieren, während Umweltzerstörung und gesellschaftliche
Probleme weiter zunehmen. Die Nothilfe- und
Entwicklungsorganisation Oxfam weist zudem auf das rapide
wachsende Vermögen von Milliardären hin, was die Debatte über die
politische Macht der Reichsten anheizt und Davos als Verstärker
von Ungleichheit entlarvt.


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