Richard Dawkins – Das egoistische Gen

Richard Dawkins – Das egoistische Gen

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Beschreibung

vor 2 Monaten

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Richard Dawkins’ bahnbrechendes Werk Das egoistische Gen
(Originalausgabe 1976, ĂĽberarbeitete und erweiterte Neuausgabe
1996) etablierte Dawkins, Professor der Zoologie an der Oxford
University, als einen der bedeutendsten modernen
Evolutionstheoretiker. Das Buch stellte die provokante These auf,
dass lebende Organismen im Wesentlichen leibliche
Vehikel sind, blind programmiert zur Erhaltung der
selbstsĂĽchtigen DNA-MolekĂĽle, die Gene genannt werden. Es war
eine beunruhigend ĂĽberzeugende Untersuchung, die einen
Paradigmenwechsel auslöste, indem sie das Augenmerk vom Wohl der
Art hin zum Wohl und Wehe der Gene verschob.


3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch


* Das Gen ist die Grundeinheit der natĂĽrlichen
Selektion. Das Buch definiert Gene als die
fundamentalen, potenziell unsterblichen
Replikatoren, die Körper lediglich als
vergängliche Überlebensmaschinen nutzen. Ihr
Erfolg wird daran gemessen, wie gut sie darin sind, sich
maximal zu vervielfachen.


* Individueller Altruismus ist eine Folge des
Gen-Egoismus. Gene sind skrupellos egoistisch. Sie
können jedoch begrenzten Altruismus des
Individuums fördern, wenn dieser Kopien ihrer selbst in anderen
Körpern (Verwandten) unterstützt. Dies wird hauptsächlich durch
die Familienselektion (Kin Selection) erklärt.


* Der evolutionäre Erfolg von Kooperation wird durch
Spieltheorie bestimmt. Die Analyse aggressiver
Auseinandersetzungen mittels der Spieltheorie
und des Wiederholten Gefangenendilemmas zeigt,
dass Strategien wie „Wie du mir, so ich dir“ (Tit for
Tat) evolutionär stabil sind. Dies führt zur
ĂĽberraschenden Schlussfolgerung, dass nette
Kerle in der Evolution erfolgreich sein können.


FĂĽr wen ist das Buch besonders interessant?


* Allgemein interessierte Leser und Laien:
Dawkins formuliert subtile und komplizierte evolutionäre Gedanken
in einer verständlichen und fesselnden Sprache und verzichtet
weitgehend auf technische Sprache, um die Grundprinzipien der
Darwinschen Theorie zu vermitteln.


* Biologen, Zoologen und Studierende der
Ethologie: Das Buch bietet einen pädagogisch wertvollen
und klaren Ausdruck zentraler neo-darwinistischer Prinzipien. Es
war maĂźgeblich daran beteiligt, den damals vorherrschenden
Einfluss der Gruppenselektionstheorie zu
korrigieren und die Genselektion zu betonen.


* Sozialwissenschaftler und Philosophen: Es
liefert die theoretische Grundlage fĂĽr die
Mem-Theorie (kulturelle Evolution) und erforscht
die biologischen Mechanismen von Egoismus und
Altruismus, die jeden Aspekt unseres sozialen Lebens
berĂĽhren.


Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst


Die zentrale Wende: Das Gen als unsterblicher Baumeister


Richard Dawkins’ Hauptthese ist die radikale Verlagerung
des evolutionären Blickwinkels vom Wohl und Wehe des
Individuums oder der Art hin zum Wohl und Wehe der
Gene. Wir und alle anderen Lebewesen – seien es Tiere,
Pflanzen oder Bakterien – werden als
Ăśberlebensmaschinen betrachtet, die von
egoistischen Genen – den fundamental
unsterblichen Replikatoren – blind
programmiert wurden. Der Körper ist demnach ein
vergängliches Vehikel, dessen einziger Zweck darin besteht, die
maximale Vervielfachung dieser replizierenden
DNA-Einheiten zu sichern. Diese Sichtweise ist logisch aus dem
orthodoxen Neo-Darwinismus ableitbar, bietet aber eine
neue Art der Betrachtung des Lebens.


Mechanismen des Gen-Egoismus: Altruismus, Spieltheorie und der
erweiterte Phänotyp


Der scheinbare Altruismus auf individueller Ebene, wie die
Fürsorge von Eltern für ihren Nachwuchs, lässt sich als
begrenzter Gen-Egoismus erklären. Dies
manifestiert sich vor allem in der
Familienselektion (Kin Selection), bei der ein
Individuum Kopien seiner eigenen Gene unterstĂĽtzt, die in
Verwandten sitzen (z.B. Kinder oder Geschwister), da diese einen
wesentlichen Teil der Gene gemeinsam haben. Die Evolution von
Kooperation und Aggression wird mithilfe der
Spieltheorie untersucht, insbesondere des
Wiederholten Gefangenendilemmas. Die Strategie
„Wie du mir, so ich dir“ (Tit for Tat) hat sich
hierbei als evolutionär stabile Strategie (ESS)
erwiesen, was die optimistische Schlussfolgerung zulässt, dass
nette Kerle zuerst ans Ziel gelangen können. Des
Weiteren beleuchtet Dawkins das Konzept des erweiterten
Phänotyps (Extended Phenotype): Die phänotypischen
Auswirkungen eines Gens sind nicht auf den Körper beschränkt,
sondern können Objekte in der Außenwelt
manipulieren, wie zum Beispiel Biberdämme, oder gar
andere Organismen, etwa Parasiten, die den Wirt zu ihrem Vorteil
verändern.


Meme und der menschliche Wille zur Rebellion


Beim Menschen tritt neben der genetischen Evolution eine
zweite, nicht-genetische Evolution in
Erscheinung: die kulturelle Evolution. Diese
wird durch den neuen Replikator, das Mem,
vermittelt. Meme – Ideen, Melodien oder Moden – verbreiten sich
durch Imitation von Gehirn zu Gehirn und
ermöglichen einen evolutionären Wandel mit weitaus höherer
Geschwindigkeit. Obwohl wir als Genmaschinen gebaut und
als Memmaschinen erzogen sind, besitzt der Mensch dank
seiner Fähigkeit zum vorausschauenden Denken
eine einzigartige Position. Dieses Bewusstsein verleiht uns die
Macht, uns unseren Schöpfern entgegenzustellen.
Wir können die langfristigen Vorteile von
Kooperation erkennen und bewusst reinen, selbstlosen
Altruismus kultivieren – etwas, das in der Natur nie
zuvor existierte. Wenn unsere Gene verfallen, bleibt uns die
Möglichkeit, Unsterblichkeit in einem Beitrag zur Kultur
der Welt (Memen) zu suchen.


Das Buch in einem Satz


Wir sind große, schwerfällige Roboter, blind programmiert zur
Erhaltung der selbstsĂĽchtigen DNA-MolekĂĽle, die Gene genannt
werden.


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