Juan Moreno – Tausend Zeilen Lüge
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Beschreibung
vor 2 Monaten
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Juan Morenos Sachbuch Tausend Zeilen Lüge, erschienen im Oktober
2019, seziert den größten Fälschungsskandal im deutschen
Journalismus seit Jahrzehnten, in dessen Zentrum der
preisgekrönte Spiegel-Reporter Claas Relotius stand. Moreno,
selbst langjähriger Reporter für den Spiegel und die Süddeutsche
Zeitung, erzählt die gesamte Geschichte vom Aufstieg des
“Starjournalisten” und seiner beispiellosen
Täuschung. Das Buch ist nicht nur eine Abrechnung,
sondern eine tiefgehende Untersuchung darüber, was dieser Skandal
über die Anfälligkeit des Journalismus und die Sehnsüchte von
Lesern und Redaktionen aussagt.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
* Der Hochstapler als perfekte Antwort auf die
Branchenkrise: Relotius lieferte stets
spektakuläre, bewegende und relevante
Reportagen. Diese Geschichten wirkten als “Lösung” für
eine zutiefst verunsicherte Branche, die um jeden Leser kämpfte.
Seine Texte waren unbezahlbar wirkende Erzählungen und
bestätigten das vorherrschende Weltbild vieler
Redakteure und Juroren. Relotius’ Erfolg war kein glücklicher
Zufall, sondern kühl kalkuliert.
* Das Systemversagen von Vertrauen und
Kontrolle: Die Fälschungen konnten jahrelang unentdeckt
bleiben, weil Claas Relotius als „treuer Claas“
und mustergültiger Kollege galt, dem man bedingungslos vertraute.
Das Buch legt dar, dass sowohl die legendäre
Spiegel-Dokumentation als auch die Vorgesetzten versagten, da sie
die Sehnsucht nach dem Überreporter Relotius der
kritischen Überprüfung von Fakten vorzogen.
* Der zähe, unglamouröse Kampf um die Wahrheit:
Moreno beschreibt die Wahrheitssuche als grauen, wenig
glamourösen Beruf. Relotius vermied die schwierige
Recherchearbeit. Moreno selbst musste die Fälschungen gegen
massiven Widerstand innerhalb des Spiegel aufdecken, wobei er
seine gesamte Karriere aufs Spiel setzte. Der Fall zeigt, dass
Reporter keine Helden sind, sondern Menschen, die im Angesicht
der Krise um die Integrität ihres Berufs kämpfen müssen.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
* Journalisten und Redakteure: Es bietet eine
ungeschminkte Analyse des System Relotius und die
Anfälligkeit des Genres Reportage für
Übertreibung und Fälschung, wenn Storytelling über Fakten
gestellt wird. Es ist eine Mahnung, dass Vertrauen gut, aber
Kontrolle essenziell ist.
* Medienkonsumenten und Kritiker: Das Buch
liefert eine umfassende transparente Aufklärung
des Skandals. Es erklärt, wie Fälscher die Sehnsüchte der Leser
nach plausiblen und tröstenden Geschichten bedienen, und grenzt
Relotius’ systematischen Betrug von politisch motivierten Fake
News ab.
* Führungskräfte in kreativen oder prüfenden
Branchen: Es veranschaulicht, wie charismatische
Hochstapler (Relotius als “Menschenfänger”)
interne Kontrollmechanismen umgehen können und wie die
persönliche Sehnsucht nach Erfolg oder Anerkennung die kritische
Urteilsfähigkeit trüben kann.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Der größte Fälschungsskandal der Nachkriegszeit
Das Buch beginnt mit Claas Relotius, dem wohl größten
Hochstapler im deutschen Journalismus, kurz vor dem
Höhepunkt seiner Karriere im Dezember 2018, als er seinen vierten
Reporterpreis gewann. Relotius hatte Reportagen und Interviews
geliefert, die im Spiegel und seiner Dokumentation geprüft und
abgenommen wurden, aber ganz oder zum Teil frei erfunden waren.
Juan Moreno entdeckte die Fälschungen, während er mit Relotius an
der gemeinsamen Reportage „Jaegers Grenze“
arbeitete. Moreno begleitete die Flüchtlingskarawane in Mexiko,
während Relotius über eine Bürgerwehr an der US-Grenze berichten
sollte. Als Moreno Unstimmigkeiten feststellte, stieß er bei
seinen Vorgesetzten auf heftigen Widerstand; diese glaubten ihm
nicht und warfen ihm Rufmordabsichten und Neid
vor. Für Moreno, einen freien Reporter mit vier Kindern, drohte
die gesamte Karriere in die Brüche zu gehen.
Das Lügengebäude des „treuen Claas“
Moreno beschloss, der Sache nachzugehen, und reiste in die USA.
Dort kontaktierte er die Bürgerwehr um den vermeintlichen
Protagonisten „Chris Jaeger“ und den Anführer Tim Foley. Bei der
Konfrontation stellte sich heraus, dass Relotius nie vor
Ort war. Die Reportage war eine „complete fabrication“.
Chris Jaeger, der eigentlich Chris Maloof hieß, hatte weder die
im Text beschriebene Biografie noch die drogenabhängige
Tochter, deren Schicksal als monokausale Erklärung für
seinen Hass auf Latinos diente. Relotius’ Vorgehen war
systematisch: Er bediente sich bei gut recherchierten US-Artikeln
(New York Times, Mother Jones), kopierte Teile und sponn sie mit
Erfindungen weiter. Seine Lügen waren so raffiniert, dass er
selbst dann noch E-Mails fälschte, als er bereits mit Morenos
Vorwürfen konfrontiert war, um seine Unschuld zu
“beweisen”.
Folgen und Lehren für die Branche
Relotius’ Erfolg ist eng mit der Krise des Journalismus
verbunden. In einer Zeit, in der Nachrichten an Wert verlieren,
weil sie frei verfügbar sind, verwandelte Relotius sie in
Geschichten, die „unbezahlbar“ schienen. Er
bediente die Sehnsucht nach Plausibilität und moralischer
Überlegenheit. Das Buch belegt das Systemversagen, insbesondere
im Gesellschaftsressort, wo Relotius verehrt und
bewundert wurde und man seine spektakulären Stoffe nicht
hinterfragte. Moreno betont die Notwendigkeit der Aufrichtigkeit
und Transparenz. Der Fall beschädigte zwar den Ruf der
Kontrollinstanzen, führte aber auch zu einer schonungslosen
Aufarbeitung. Die zentrale Lektion bleibt: Journalismus baut auf
Vertrauen auf, und nur wer die Wahrheit
peinlichst genau prüft, kann die Integrität der Branche wahren.
Das Buch in einem Satz
Juan Moreno enthüllt akribisch den Betrug des Starreporters Claas
Relotius, seziert das Systemversagen des „Spiegels“ und legt dar,
warum der Journalismus ohne Vertrauen und harte
Wahrheitsrecherche zur Fiktion verdammt ist.
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