VZ144 Der Wandel der Ämter – Wenn Bürger zu Kunden werden

VZ144 Der Wandel der Ämter – Wenn Bürger zu Kunden werden

Wie der Wandel und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung Bürger in Kunden verwandeln – und warum Zentralisierung der Schlüssel zu echter Kundenfreundlichkeit sein kann.
Podcast
Podcaster
Gordian und Jan sprechen über die Themen, die sie gerade beschäftigen.

Beschreibung

vor 1 Monat
Die Semantische Verschiebung: Von Bürger:innen und Kund:innen In
dieser Folge befassen sich Gordian und Jan mit einem zunächst
unscheinbaren, aber grundlegenden Problem: Der Sprachgebrauch
ändert sich. Behörden sprechen nicht mehr von „Bürgern", sondern
oft von „Kunden". Das klingt modern, kundenorientiert und
servicefreundlich – ist aber konzeptionell eine bedeutende,
vielleicht sogar gefährliche Verschiebung. Eine Bürger:in hat keine
Wahlfreiheit. Man kann sich seine Verwaltung nicht aussuchen. Eine
Kund:in hingegen wählt ihre Anbieter. Die Umbenennung suggeriert
also etwas, das nicht so ist: dass die Bürger:in Wahlmöglichkeiten
hat. Gleichzeitig entspricht das der Neoliberalisierung
öffentlicher Verwaltung – der Gedanke, dass jeder Service
„kundenfreundlich" sein muss, führt zu einer schleichenden
Privatisierung von Verwaltungslogik. Gebündelte und proaktive
Verwaltung: Das Ideal Echte Kundenfreundlichkeit müsste mehr
liefern. Zum Beispiel proaktive Verwaltung: Der Staat weiß, dass
eine Bürger:in nach einem Umzug ihre Adresse in mehreren Systemen
ändern muss, Oder dass Eltern nach einer Anspruch auf Kindergeld,
ggf. Elterngeld und ein Jahr später auf einen Kitaplatz haben.
Statt die Bürger:in mehrfach zum Antrag zu zwingen, macht die
Verwaltung das proaktiv Digitale Services funktionieren als Dienst,
nicht als Hürde Oder Bündelung von Ressourcen: Die Stadt Hamburg
zeigt seit den 1990er-Jahren, dass eine zentrale IT-Bündelung der
Digitalisierung und der Digitalisierungsprojekte Koordination und
Effizienz schafft. Doch im Bund lief es bis vor einem Jahr anders.
Das Zentralisierungs-Dilemma: Woran der Wandel scheitert In diesem
Beispiel tritt das Kernproblem des Verwaltungswandels zutage:
Mehrere Ministerien waren bis vor einem Jahr für ein Thema – die
Digitalisierung – zuständig. Aber keins hatte Budget und
Verantwortung für die gesamte Digitalisierung. Das
Verkehrsministerium, das Wirtschaftsministerium, das
Innenministerium – alle hatten „ein bisschen" mit Digitalisierung
zu tun. Das Ergebnis: Keine zentrale Steuerung Kompetenzen und
Budgets bleiben verteilt Projekte scheitern an fehlender
Koordination Der Wandel gerät ins Stocken statt zur Verbesserung
Dieser Wandel umfasst also ein echtes Macht- und
Verteilungsproblem. Hier sind Minister Wildberger und das neu
geschaffene Digitalisierungsministerium in der Pflicht.
[Disclaimer: Wir haben die Aufnahme vor der letzten Bundestagswahl
gemacht. Der Hinweis zum Digitalisierungsministerium haben wir
nachträglich eingesprochen und die beispielhafte Aufteilung auf die
drei Ministerien als Rückblick dargestellt. Inhaltlich hat sich
nichts weiter verändert.] In dieser Episode erfährst du: Der
semantische Fehler: Was die Umbenennung von Bürger zu Kunde
bedeutet Proaktive vs. reaktive Verwaltung: Wie ein moderner Staat
seine Bürger unterstützen könnte Das Zentralisierungs-Paradoxon:
Warum mehrere Ministerien oder Behörden für ein Thema zu keinem
Erfolg führen können Hamburgs Erfolgsmodell: Wie eine zentrale
IT-Bündelung seit den 1990ern funktioniert und nun als Vorbild für
den Bund steht Abonnier unseren Podcast hier oder auch auf Spotify,
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erzähle uns in den Kommentaren oder auf Bluesky von deinen
Erfahrungen mit digitaler Verwaltung, Behördengängen und der Frage,
ob du dich als Bürger:in oder Kund:in siehst – Denn gute
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