Krieg und Geschlecht in der Ukraine

Krieg und Geschlecht in der Ukraine

54 Minuten
Podcast
Podcaster
Interviews des ZMSBw zu Militärgeschichte, Militärsoziologie und Sicherheitspolitik: für Wissenschaft, Bundeswehr und Gesellschaft

Beschreibung

vor 1 Jahr

Im Ukrainekrieg spielen Frauen eine entscheidende Rolle,
die traditionelle Geschlechterbilder zunehmend in Frage stellt.
Auch zur Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte durch die
Bundeswehr in Deutschland kommen regelmäßig Soldatinnen. Sabine
Barz, Gender Advisor im EUMAM UA ST-C und Dr. Kristiane Janeke,
ZMSBw, sprechen über Frauen und Geschlecht im Ukrainekrieg, über
die Bedeutung von Geschlechterrollen und die
Geschlechterperspektive in den Streitkräften.
Die Rolle der Frauen im Krieg 

Das Gespräch beginnt mit einem Einblick in die Rolle von Frauen
in den ukrainischen Streitkräften. Aktuell dienen in Ihnen ca.
68.000 Frauen, darunter 5.000 an der Front. Ihre Motive
unterscheiden sich dabei nicht wesentlich von denen der Männer.
Gleichzeitig tragen sie weiterhin die Hauptlast der familiären
Verantwortung und leisten psychosoziale Unterstützung in den
Kampfgebieten. Ein besonderer Fokus der Podcastfolge liegt auf
der Arbeit einer oder eines Gender Advisor. Sabine Barz erklärt
ihre Aufgabe als Gender Advisor in der EU-Mission unter
Beteiligung der Bundeswehr: Dabei geht es um die Analyse der
geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Konflikten und die
Beratung militärischer Führungskräfte. Es geht also nicht um
Gendersternchen oder Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten,
sondern um ein tieferes Verständnis der sozialen Dynamiken in
Krisengebieten.
Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe

Frauen sind im Krieg besonders gefährdet und von sexualisierter
Gewalt betroffen. Diese wird auch im Ukrainekrieg gezielt als
Kriegswaffe eingesetzt. Russische Streitkräfte verüben
systematisch Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter
Gewalt gegen ukrainische Frauen, Männer und Kinder. Diese Taten
dienen nicht nur der individuellen Demütigung der Opfer, sondern
zielen auf eine kollektive Traumatisierung. Die psychischen und
physischen Folgen sind verheerend und langanhaltend. Während
Russland traditionelle Geschlechterrollen von Männern als
heldenhaften Kämpfern und Frauen als Opfer und fürsorgliche
Hüterinnen der Familie für seine Propaganda nutzt, führt in der
Ukraine der Krieg dazu, dass Frauen eine zunehmend aktive Rolle
in den Streitkräften einnehmen und in der Gesellschaft eine
stärkere Geschlechtergerechtigkeit einfordern. Der Krieg hat
somit das Potenzial, Geschlechterrollen zu hinterfragen und neu
zu definieren und die gesellschaftliche Wahrnehmung von
Geschlecht und Macht zu verändern.
Neues Osteuropa-Projekt am ZMSBw 

Die Podcastfolge ist Teil des neuen Projekts
„Militärgeschichtliche Osteuropa-Forschung zum Zeitalter der
Weltkriege“, mit dem das ZMSBw seine Expertise zugleich in die
Diskussionen und Debatten zur Entwicklung in Osteuropa verstärkt
einbringen und ausbauen will. Im Fokus steht die nicht allein aus
dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine motivierte
Erschließung Osteuropas für die Militärgeschichtsforschung. 

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15