"Nahaufnahmen einer Frau" - Gespräch mit Bodo Kirchhoff

"Nahaufnahmen einer Frau" - Gespräch mit Bodo Kirchhoff

26 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Er wäre nie auf die Idee gekommen, sagt Bodo Kirchhoff, als
Ich-Erzähler von einer Frau zu schreiben. „Niemals! Sondern es ist
immer natürlich ein Mann, der erzählt, wie er sich das denkt und
vorstellt.“ Dafür greift Bodo Kirchhoff zu einem erzählerischen
Kniff. Er lässt ihren Mann Vigo die Geschichte seiner Frau Tess
erzählen, die sich nach langjähriger Ehe von ihm trennt. So
entstehen die „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“.
Aus Tess‘ Sicht, sehr weiblich und äußerst intim, wird so erzählt,
wie die 68-jährige Psychotherapeutin aus Frankfurt ihrem etwas
älteren Mann Vigo, früher Leiter der „Denkfabrik für
gesellschaftliche Wege zur Abrüstung und Ächtung von Gewalt“,
heimlich nach Indien folgt. Angeblich recherchiert er dort für ein
Buchprojekt, für sie aber ist er „desertiert aus dem gemeinsamen
Leben“. In Mumbai reflektiert sie ihr bisheriges Leben, sowohl ihre
ewigen Verstrickungen ins Denken, als auch ihre jahrelange,
heimliche Beziehung mit ihrem Mentor, einem Linguistik-Professor.
Und sie beginnt eine Affäre. Aber was ist überhaupt eine Affäre? Wo
beginnt die Liebe? Und wie endet sie?
In typischer Kirchhoff-Brillanz schreibt der mittlerweile
77-Jährige über Liebe und Sexualität – als Mann über eine Frau. Im
Gespräch mit NDR Kultur fragt Jürgen Deppe, ob „Nahaufnahmen“
deshalb ein Männerbuch sei und ob er Kritik von Frauen an seinem
Buch fürchte. Kirchhoff wehrt ab: „Das ist ein von einem Mann
geschriebenes Buch, von dem ich mir zwar wünschen würde, dass es
Männer lesen, von dem ich aber glaube, dass weit mehr Frauen es
verstehen.“

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