Behind Mirko Borsche: Vom Kiosk-Büro in München zu McQueen, On & Supreme

Behind Mirko Borsche: Vom Kiosk-Büro in München zu McQueen, On & Supreme

Wie man mit fünf Leuten die globale Ästhetik verändert: über Familie, Fokus und radikale Ehrlichkeit zur Kreativbranche
1 Stunde 14 Minuten
Podcast
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Behind the Scenes. Der Branding, Marketing und Business Podcast

Beschreibung

vor 3 Wochen

Im Gespräch erzählt Borsche, wie aus einem improvisierten
“Kiosk-Büro” mit Gasheizung und Außentoilette Schritt für Schritt
das heutige Bureau Borsche wurde, das mit nur fünf bis sechs
Personen globale Markenprojekte stemmt. Er beschreibt, wie
wichtig ihm Räume mit Seele sind: erst der kleine Kiosk, dann
eine Galerie-Wohnung mit Dachterrasse und Open-House-Atmosphäre,
in der Freunde aus Kunst und Musik mitarbeiteten – immer als
Gegenentwurf zu sterilen Büros.​


Ein Schwerpunkt ist München als Standort: attraktiv für Natur,
Berge und Familie, aber verschlossen, träge und international
schwerer zugänglich als etwa Berlin. Borsche kritisiert die Stadt
für zu wenig Mut zu kulturellen Orten und nennt Beispiele wie das
Bergson, das als privat initiiertes Leuchtturmprojekt “am Arsch
der Welt” steht, statt in der Stadt ein internationales Zentrum
zu bilden.​


Sehr persönlich wird es, wenn er über seine drei Kinder,
Patchwork-Konstellationen und Vater-Tochter-Restaurantdates
spricht. Er zeigt, wie gemeinsame Rituale, echte Augenhöhe (z.B.
Restaurantwahl, gleicher Teller statt Kinderkarte) und viel Zeit
zusammen seine Sicht auf Führung und Respekt geprägt haben –
sowohl privat als auch in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden.​


Im zweiten Teil diskutiert Borsche seine Haltung zur Branche: Er
erzählt von hunderten gewonnenen Awards und seinem bewussten
Austritt aus dem ADC, weil das System sich in Richtung
Fake-Cases, Irrelevanz und Männerbündelei entwickelt habe. Heute
gewinnt sein Studio Talente aus aller Welt ohne
“Award-Showreels”, sondern durch echte, veröffentlichte Arbeit
und Mundpropaganda. Er kritisiert Pitches als unfair und
strukturell problematisch: Oft sei längst eine Agentur gesetzt,
andere liefern unbezahlt Ideen, die später in abgeschwächter Form
übernommen werden.​


Zum Schluss geht es um aktuelle Projekte und seine Art, mit
Kunden und Trends umzugehen. Bureau Borsche arbeitet u.a. am
Redesign von Alexander McQueen, einer Lifestyle-Linie mit On
(IKON-Kollektion), Theaterprojekten in Kopenhagen und Fashion-
und Kultmarken wie Rimowa oder Supreme, für die sie jahrelang
Grafiken für die wöchentlichen Drops entwickelt haben. Borsche
erklärt, dass er keine “Trends in zehn Jahren” vorhersagt,
sondern mit Kunden so tief in Gespräche geht, dass sich neue Wege
fast wie ihre eigene Idee anfühlen – eine Art Inception im
Branding.​


Über Mirko Borsche


Mirko Borsche wurde 1971 in Tegernsee geboren und wuchs in der
Nähe von München auf. Seine frühe Leidenschaft für Graffiti
prägte seinen Blick auf Typografie, Bildsprache und den Umgang
mit Schrift im öffentlichen Raum. Nach Studien in Kingston
(Postgraduate Graphic Design), einem Master in London und einem
Diplomstudium Kommunikationsdesign an der FH Augsburg startete er
als freier Art Director u.a. für Levi’s, MTV und Mercedes-Benz
und arbeitete später bei Springer & Jacoby.​


Bekannt wurde er mit Editorial Design: Er gestaltete Magazine für
die Süddeutsche Zeitung, war maßgeblich an der Gründung und
Gestaltung des Jugendmagazins NEON beteiligt und ist seit 2007
Creative Director des ZEITmagazins. 2007 gründete er in München
sein eigenes Studio Bureau Borsche, das heute international für
Marken wie Nike, Balenciaga, Rimowa, Bavarian State Opera, Inter
Mailand, Supreme, Apple und BMW arbeitet und vielfach
ausgezeichnet wurde.​


Borsche erhielt zahlreiche nationale und internationale
Auszeichnungen, darunter den Titel “Visual Leader of the Year”
der Lead Academy. Seine Arbeiten wurden in Museen und
Ausstellungen gezeigt, etwa in der Pinakothek der Moderne und der
Neuen Sammlung in München sowie in Städten wie Amsterdam,
Barcelona, Stockholm, Seoul und Tokio. Er gilt als einer der
prägendsten europäischen Grafikdesigner seiner Generation und als
Stimme, die die Kreativbranche regelmäßig kritisch hinterfragt.





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