Behind Esquire mit Chefredakteur Dominik Schütte: Kein Macho-Muff, nur gute Typen
Wie ein modernes Männermagazin zwischen George Clooney,
Ukraine-Reportagen und Esquire Townhouse Brücken statt Gräben baut.
1 Stunde 4 Minuten
Podcast
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Behind the Scenes. Der Branding, Marketing und Business Podcast
Beschreibung
vor 1 Woche
Schütte schildert zunächst, was Esquire heute ist: eine
traditionsreiche Brand (90 Jahre international), die in
Deutschland bewusst als Digital-First-Marke gestartet ist –
Launch von Esquire.de im März 2020, am Abend vor dem ersten
Lockdown. Er erklärt die Rolle von Burda und Hearst, die
Positionierung zwischen Titeln wie Vogue, Harper’s Bazaar,
InStyle oder L, und warum Esquire für ihn “Lifestyleguide für
gute Typen” ist, nicht einfach ein klassisches Männermagazin.
Ein großer Block dreht sich um Storytelling in Zeiten von KI:
Schütte betont, dass echte Geschichten immer an Menschen gebunden
bleiben – etwa wenn ein Kollege George Clooney am Comer See
zuhause besucht, während dessen Familie im Garten feiert und
mitten im Interview das Kind von einer Biene gestochen wird.
Solche Erlebnisse könne KI weder erleben noch ersetzen; Aufgabe
von Esquire sei es deshalb, das Menschliche, den Zugang, die
Perspektive und das Einordnen in den Mittelpunkt zu stellen, KI
aber klug für Distribution und Aufbereitung zu nutzen.
Schütte zeichnet Esquire als inklusives Medium: Zielgruppe sind
“gute Typen” – Menschen mit Herz am rechten Fleck, unabhängig von
Geschlecht oder Identität. Im Heft finden sich männlich
konnotierte Themen wie Autos, Uhren, Mode, aber subversiv erzählt
– Roadtrips statt PS-Porno, Styling statt Spezifikationen, plus
Formate wie “Innenansichten”, in denen ausschließlich
nicht-cis-hetero-Autorinnen und Autoren schreiben. Gleichzeitig
will Esquire konservative Männer nicht ausschließen, sondern
herausfordern, ohne sie mit moralischem Zeigefinger zu
verprellen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Print im Jahr 2025: Statt 12
Ausgaben pro Jahr setzt Esquire bewusst auf vier dicke, saisonale
Magazine (Frühling, Sommer, Herbst, Winter) mit starkem
Coffee-Table-Charakter und dichter Anzeigenlage. Burda spielt
hier die Stärke im Kioskgeschäft aus; am Point of Sale wird
Esquire oft zusammen mit Spiegel gekauft, weil Leser
Premium-Journalismus und hochwertige Lifestyle-Inhalte
kombinieren. Parallel dazu baut die Marke mit Events wie dem
Esquire Townhouse ein Live-Ökosystem: eine Mischung aus TED-Talk,
Panel und Party, bei der etwa Männlichkeitsbilder, Demokratie
oder Kriegserfahrungen diskutiert und Marken erlebbar gemacht
werden.
Sehr persönlich wird es, wenn Schütte über seine Biografie
spricht: geboren in Essen, als Kind mit der Familie an den
Ammersee gezogen, wo sein Vater – ein “deutscher Mad Men”-Werber
der 60er/70er – bei einer Dienstreise tödlich verunglückte. Er
wächst anschließend in Nürnberg auf, vor allem geprägt von
Mutter, Oma und einem sehr strengen Großvater, dessen alte
Männlichkeitsbilder (“Ein Mann rennt keiner Straßenbahn
hinterher”) er rückblickend reflektiert und teilweise bewusst
bricht. Heute lebt er als Vater mit intensiver Vater-Tochter-Zeit
und beschreibt, wie sehr ihn diese Rolle emotional verändert und
seine Sicht auf Männlichkeit, Empathie und Verantwortung
geschärft hat.
Zum Schluss geht es um innere Arbeit: Schütte plädiert
leidenschaftlich für Therapie – einzeln und als Paar – als Form
der “inneren Wundversorgung”, damit Menschen bewusster lieben,
führen und entscheiden können. In seiner Arbeit als Chefredakteur
und Dozent an der Deutschen Journalistenschule versteht er sich
als Teil eines Safe Spaces für junge Journalist:innen, der
Grenzen respektiert, aber auch klare, konstruktive
Klartext-Gespräche über den Zustand des Journalismus und über
Verantwortung in Medien führt.
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