Hollow Knight: Silksong oder: der nadelspitze Schmerz verblassender Liebe (Review)

Hollow Knight: Silksong oder: der nadelspitze Schmerz verblassender Liebe (Review)

vor 6 Monaten
Dieses Review existiert auch in Videoform auf YouTube. Hollow Knight: Silksong ist ein exzellent designtes Spiel. Die Welt strahlt mit einer bedachten Historizität, die From Software Konkurrenz macht. Die im […]
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Beschreibung

vor 6 Monaten

Dieses Review existiert auch in Videoform auf YouTube.


Hollow Knight: Silksong ist ein exzellent designtes Spiel. Die
Welt strahlt mit einer bedachten Historizität, die From Software
Konkurrenz macht. Die im Laufe des Spiels zaghaft aufblühenden
Ortschaften wimmeln vor wuseligen Charakteren, deren Charme und
Eigenartigkeit sich wunderbar einweben in die komplexe Geschichte
um Macht, Glauben und dem Unwillen, aufzugeben. Der Combat ist
vielschichtig, anspruchsvoll und motiviert, die verschiedenen
Tools zu meistern; die nächste Herausforderung triumphierend
hinter sich zu lassen.


Und so konnte ich meinem Herzen kaum vertrauen, als ich in den
ersten zehn Stunden in Pharloom als großer Fan von Hollow Knight
feststellen musste, dass Silksong sich tatsächlich und wahrhaftig
in der von mir im Vorhinein vorsichtig abgetanen Position befand,
seinen eigenen Vorgänger potenziell als mein
Lieblings-Metroidvania ablösen zu können. Es war am Ende von Akt
1, nachdem ich fast drei Stunden mit dem Endboss dieses
Abschnitts gerungen hatte und endlich als Sieger hervorging, als
ich mir fast sicher war. Silksong ist das Meisterwerk, auf das
ich nicht zu hoffen gewagt hatte. In diesen drei Stunden mit der
furchteinflößenden Letzten Richterin, stellte ich in verblüffter
Reflexion fest, war ich zu kaum einem Zeitpunkt genervt. Der Weg
zum Boss wurde perfektioniert, die erste Phase gemeistert;
wissbegierig, störrisch und bereit, zu lernen, erklomm ich immer
und immer wieder die Anhöhe zu den Pforten der Kathedrale, um
mich dem Urteil der Richterin fortlaufend zu stellen. Zu schwach.
Zu langsam. Zu zögerlich. Das konnte nur funktionieren, weil ich
fortwährend spürte, wie ich besser wurde. Freude entspringt nicht
allein dem Sieg. Ein Angriff, der mich vor wenigen Minuten noch
regelmäßig aus dem Konzept brachte? Kein Faktor mehr. Ein Sprung,
der mich noch jüngst unbedacht aus der Reserve lockte? Verpufft
wirkungslos. Zu spüren, wie sich das Blatt in meinem Fall
zugegebenermaßen langsam wendete und mein Triumph von einem
frommen Wunsch zu einer grimmen Unvermeidlichkeit transformierte,
war alles, was ich mir von einer Herausforderung in einem
Videospiel erhoffen konnte.


Doch dann folgte Akt 2 und mit ihm die langsame und schmerzvolle
Erkenntnis, dass nach weiteren 25 Stunden mit diesem großartigen
Spiel mehr Respekt als Liebe übrig bleiben würde. Denn dann kam
die Wilde Biestfliege. Auch sie nötigte mir drei Stunden
Spielzeit ab; dieses Mal allerdings standen für mich Frustration,
Wut und Resignation im Vordergrund. Doch fangen wir von vorne an.
Nach knappen 30 Stunden mit dem Spiel näherte ich mich spürbar
dem zumindest vorläufigen Ende. Auf der Suche nach dem finalen
Teil eines Puzzles, was mich zum Endboss bringen sollte, fand ich
eine Herausforderung, der ich mich nicht sofort hingeben wollte.
Stattdessen verschlug es mich um ein weiteres Mal in die
entfernten Enden und versteckten Ecken des Königreichs, die ich
bis hierhin nicht ausreichend erkundet hatte. Zu viele Fragen
blieben noch offen, zu viele Geheimnisse unerkundet. Also machte
ich mich auf den verhängnisvollen Weg, ihnen auf die Spur zu
kommen. Denn egal, wohin ich mich auch wendete, die gleiche
Herausforderung erwuchs überall: Gegner, die sich nicht durch
ihre interessanten Bewegungen und kraftvollen Angriffe
auszeichneten, sondern schier durch ihre Anzahl. Nicht alle
Arenen in Silksong wissen nämlich mit beeindruckenden Bossen zu
glänzen – ein ebenso großer Teil von ihnen ist gefüllt mit vielen
normalen Gegnern, die sich gemeinsam auf die Protagonistin Hornet
stürzen. Nun kann auch diese Form der Schwierigkeit
beziehungsweise deren Meisterung eine große Freude sein. Und ohne
Frage gibt es zahlreiche Spieler:innen, die ohne große Probleme
eine um die andere Arena siegreich verlassen. Ich gehöre nicht
dazu.


Die Wilde Biestfliege steht also leider nur sinnbildlich für eine
wiederkehrende Frustration, die mich letztlich lustlos,
mechanisch und ein bisschen taub zurückließ und in den letzten
Stunden bis zum Bad Ending begleitete. Ich hatte nämlich das
zweifelhafte Vergnügen, direkt zwei Mal hintereinander an
verschiedenen Orten auf diesen Boss zu treffen, der zufällig
weitere kleine Gegner in der Arena beschwören kann und mir bis
zum Ende schleierhaft machte, wie ich den Kaskaden von Angriffen
in einer von Lava gefüllten Arena effektiv und vor allem konstant
ausweichen könnte. Letztlich brauchte es zwei Dinge, um den Kampf
zu schaffen. Erstens stellte ich fest, dass ich bei einem mir bis
dahin unbekannten Schmied meine Waffe gleich zwei Mal verbessern
konnte, was dazu führte, dass einer meiner Spezialangriffe nun
ausreichte, um eine der kleinen Lavafliegen, die mir das Leben so
schwer machten, mit einem einzelnen Schlag zu erledigen. Und
zweitens brauchte es trotzdem eine glückliche Runde, in der die
Wilde Biesfliege entschied, nur selten weitere Gegner zu
beschwören. Und so ging ich aus einem weiteren Kampf
triumphierend hervor. Nicht weil ich gelernt hatte und die
Früchte meiner Arbeit ernten durfte, sondern weil der Zufall und
ein mechanisches Upgrade mir über die Schwelle geholfen haben.


Und damit war der Bann gebrochen. Die rosarote Brille mir mit
aller Macht von den traurigen Augen gerissen. Hollow Knight:
Silksong sollte nie mehr für mich werden, was es zwischenzeitlich
war. 


Nach weiteren fünf Stunden sah ich etwas distanziert den Abspann
an mir vorbeiziehen. Was für eine Reise, was für ein Spiel. Doch
obwohl mir nichts diese ersten zehn magischen Stunden nehmen
kann, werde ich nicht in den optionalen dritten Akt aufbrechen.
Das überlasse ich denjenigen, deren Liebe nicht erloschen ist.
Ich derweil wende mich anderen Dingen zu und winke nochmal aus
der Entfernung. Voller Respekt.


Review: Niklas Kuck


Cover: Martha Telschow und Moritz Bauer


Titelmusik: Paul Biegler, David Pfabe und Niklas Kuck –
HENDIATRIS Game Club


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verblassender Liebe (Review) erschien zuerst auf Hendiatris.
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