196 - Das Verschwinden des Holocaust
1 Stunde 17 Minuten
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Beschreibung
vor 3 Monaten
Erinnerung stellt die höchste Form des Vergessens dar, schrieb
Anfang der 90er der Journalist Eike Geisel, der ein gnadenloser
Kritiker der Wiedergutwerdung der Deutschen und des
deutsch-jüdischen Verbrüderungskitsches war. Auch wenn sein Zitat
nicht mehr 1:1 auf die heutige Zeit übertragen werden kann,
beschreibt es dennoch gut die heutige Rezeption des Holocaust: je
mehr die Erinnerung an den Holocaust universalisiert wird, desto
mehr verschwindet die Spezifik der industriellen
Massenvernichtung der Juden Europas vor 80 Jahren.
Darüber hat Jan Gerber ein Buch geschrieben, welches vor kurzem
im Berliner Verlag Edition Tiamat erschien. Wir sprechen über die
Rezeption des Holocaust in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg
bzw. im kalten Krieg, in der eine seltsame Mischung aus
Fortschrittsoptimismus und Katastrophenbewusstsein vorherrschte
und kaum ein Platz für die Erinnerung an die Massenverbrechen an
den Juden vorhanden war (auch nicht in Israel). Dies hatte auch
viel mit dem Bild des "Helden" in der Gesellschaft zu tun. Im
Laufe der 70er Jahre rückte die Opferperspektive mehr und mehr in
den Mittelpunkt und ab den 90ern, pünktlich zum Ende der
Ost-West-Auseinandersetzungen, setzte eine Globalisierung der
Erinnerung ein, die schlußendlich in den heutigen Irrungen und
Wirrungen der postkolonialen Holocaustrelativierung (vorläufig)
endet. Darüber sprechen wir, auch anhand von Beispielen aus der
Populärkultur wie Filmen oder den Stalag-Comics, die im Israel
der 60er Jahre sehr populär waren.
Jans Buch:
https://edition-tiamat.de/books/das-verschwinden-des-holocaust
Support auf Patreon:
https://www.patreon.com/c/u59264472
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