#284 Globale Zukünfte 2: Estland
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vor 3 Monaten
In der Podcastreihe „Globale Zukünfte“ fragt Michael, ob es Orte
auf der Welt gibt, von denen aus sich die großen Krisen unserer
Zeit – Klima, Politik, Gesellschaft – neu denken lassen. Fünf
Länder auf fünf Kontinenten sollen dafür den Blick weiten. Die
zweite Etappe führt nach Estland: klein an Fläche, groß in
Vision.
Ein Land, das seine digitale Infrastruktur nicht als
Zukunftsversprechen, sondern als Gegenwartsnormalität begreift.
Gesprächspartner Ralph Wrobel, Professor für
Volkswirtschaftslehre an der Westsächsischen Hochschule Zwickau,
beschreibt Estland als europäisches Zukunftslabor: technikaffin,
pragmatisch und entschlossen. Wo Deutschland noch diskutiert, hat
Estland längst gemacht. Der Staat agiert proaktiv, nicht reaktiv
– und begegnet der Welt mit einer fast trotzig optimistischen
Haltung.
Gleichzeitig lebt Estland im Schatten Russlands – geostrategisch
verletzlich, historisch geprägt von Fremdherrschaft und doch
bemerkenswert souverän. Die Bedrohung wird nicht verdrängt,
sondern ernst genommen: militärisch, gesellschaftlich, mental.
Zwischen digitaler Avantgarde und strategischer Wehrhaftigkeit
entsteht ein Zukunftsbild, das so nüchtern wie ermutigend ist.
Estland ist kein Zufluchtsort, sondern ein Möglichkeitsraum. Wer
hier über die Zukunft spricht, spricht nicht über Utopien,
sondern über Haltung. Und über die Entscheidung, sie nicht länger
aufzuschieben.
Zu Gast:
Prof. Dr. Ralph Wrobel, Volkswirt, Historiker, Westsächsische
Hochschule Zwickau
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