Unsichtbare Risiken – Gefahren bei der Erkundung und beim Filmen von Lost Places

Unsichtbare Risiken – Gefahren bei der Erkundung und beim Filmen von Lost Places

vor 11 Monaten
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Beschreibung

vor 11 Monaten

Wenn Du Deine erste verlassene Fabrikhalle betrittst oder durch
ein überwuchertes Herrenhaus streifst, spürst Du wahrscheinlich
zuerst die Faszination, das Kribbeln, die Mischung aus
Abenteuerlust und Ehrfurcht. Doch bevor Du Dich voll auf das
Fotografieren und Filmen konzentrierst, solltest Du Dir bewusst
machen: Lost Places und moderne Ruinen bergen nicht nur spannende
Motive, sondern auch echte Gefahren. Diese sind oft versteckt,
unsichtbar oder werden erst in einem Moment akut, in dem jede
Vorsicht zu spät sein kann.


Verlassene Gebäude sind oft über Jahrzehnte sich selbst
überlassen worden. Ohne regelmäßige Pflege setzt ihnen die Natur
unaufhaltsam zu: Wasser dringt ein, Frost sprengt Mauern,
Pflanzenwurzeln heben Böden an. Während Du mit der Kamera auf
Motivsuche gehst, kann ein morscher Holzboden unter Deinen Füßen
nachgeben oder eine marode Treppe plötzlich brechen. Besonders
perfide: Viele Schäden sind auf den ersten Blick kaum zu
erkennen, weil Staub und Schutt die wahren Schwachstellen
verdecken.


Oft reicht ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – ein Schritt zur
falschen Zeit – und Du findest Dich in einem stockfinsteren
Kellerloch wieder oder verletzt Dich schwer an herabfallenden
Deckenplatten. In Zeiten, in denen viele Lost Places durch
Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Stürme zusätzlich
beschädigt wurden, verschärfen sich diese Risiken sogar noch.
Selbst vermeintlich stabile Industriebauten oder Plattenbauten
aus den 1960er Jahren können durch verborgene Erosion zur
tödlichen Falle werden.


Deshalb gilt: Jede Bewegung sollte bedacht sein. Bevor Du ein
Gebäude betrittst, verschaffe Dir von außen einen Überblick.
Achte auf Risse, einsturzgefährdete Bereiche und morsche
Anbauten. Beim Fotografieren oder Filmen hilft es, die
Perspektive so zu wählen, dass Du nie den Blick für Deinen
Standpunkt verlierst.


Manche Gefahren lauern nicht in Form bröckelnder Mauern, sondern
in der Luft selbst. Verlassene Krankenhäuser, Labore, ehemalige
Industrieanlagen und selbst alte Wohnhäuser bergen oft chemische
Altlasten. Asbest in Isolierungen, Schimmelsporen in feuchten
Wänden, Lösungsmittelreste oder gar giftige Dämpfe aus
vergessenen Behältern können Dir gefährlich werden, ohne dass Du
es sofort bemerkst.


Vor allem bei der Produktion von Content wie Filmprojekten, bei
denen Du Dich länger in einem Raum aufhältst, ist das Risiko
erhöht. Jedes Einatmen von belasteter Luft kann Deine Gesundheit
ernsthaft schädigen. In aktuellen Diskussionen über Umweltschutz
und Altlasten wird immer deutlicher, wie gravierend die
Spätfolgen solcher Expositionen sein können.


Auch neue Entwicklungen wie sogenannte "Geisterstädte" –
aufgegebene Neubausiedlungen, in denen giftige Baumaterialien
verarbeitet wurden – sind ein Thema, das Urbexer in den kommenden
Jahren noch stärker betreffen wird. Es ist ratsam, eine
FFP3-Maske oder sogar eine vollständige Schutzausrüstung in
besonders riskanten Locations mitzuführen und einzusetzen.


Verlassene Orte sind nicht wirklich leer. Oft haben sich Tiere in
die Ruinen zurückgezogen. Wildtiere wie Füchse, Waschbären oder
auch verwilderte Hunde können territorial reagieren, wenn Du in
ihr Revier eindringst. Gerade in Zeiten des Klimawandels, wo
Lebensräume schwinden und sich Tiere neue Rückzugsorte suchen,
werden Begegnungen immer wahrscheinlicher.


Neben den offensichtlichen Gefahren durch Bisse oder
Kratzverletzungen gibt es auch ein verstecktes Risiko: Parasiten
wie Zecken, die Krankheiten wie Borreliose übertragen können,
oder Fledermäuse, die Krankheiten verbreiten können, gehören
ebenso dazu. Zudem solltest Du Insektennester wie die der
Asiatischen Hornisse im Blick behalten, die sich mittlerweile
auch in Mitteleuropa verbreitet und deren Stiche lebensgefährlich
sein können.


Hier heißt es: Achtsam sein, auf Geräusche achten und keine Panik
bekommen. Meist weichen Tiere dem Menschen aus, aber gerade bei
Aufnahmen mit Licht und Ton kannst Du ungewollt aggressive
Reaktionen provozieren.
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