Podcast: Olivia Wenzel und Lydia Lierke über postmigrantische Perspektiven auf die Wendezeit

Podcast: Olivia Wenzel und Lydia Lierke über postmigrantische Perspektiven auf die Wendezeit

57 Minuten

Beschreibung

vor 3 Jahren

Die Wiedervereinigung zwischen der DDR und der BRD ist 30
Jahre  her, dennoch dauert die Aufarbeitung bis heute an.
Vor allem, da die  Geschichte der "friedlichen Revolution"
doch eine sehr einseitige ist:  Sie beinhaltet nämlich eine
überwiegend westdeutsche, weiße Perspektive.  Olivia Wenzel
und Lydia Lierke zeigen in ihren Werken eine andere
 Realität und beleuchten postmigrantische Sichtweisen. Neben
Lesungen aus  ihren Büchern erzählen die beiden Autorinnen
vom Aufwachsen zur  Wendezeit, Leerstellen innerhalb der
Familien und warum es so wichtig  ist, über rassistische
Erfahrungen zu sprechen.


Der Roman "1000 Serpentinen Angst" von Olivia Wenzel folgt einer
jungen schwarzen Frau in verschiedenen Episoden. Von Erinnerungen
an die DDR oder die Zeit nach der Wende bis hin zur Gegenwart
wiederholen sich bestimmte Muster in ihrem alltäglichen Leben.
Nicht nur auf offener Straße hat sie mit rassistischen
Anfeindungen zu  kämpfen, sondern auch innerhalb ihrer
überwiegend weißen Familie wird sie stets als Außenseiterin
wahrgenommen. "Schokokrümel" ist der Kosename, den die Großmutter
ihr gibt, auch wenn diese kurz davor ist, eine rechtsradikale
Partei zu wählen. Mit der Wende sind sich dann plötzlich alle
irgendwie fremd, aber die Anfeindungen gehen weiter und werden
noch einmal deutlich schlimmer. Es sind diese doppelten
Marginalisierungen, die das Leben der Protagonistin erschweren
und ihr ohnehin schon mangelndes Heimatgefühl auf den Kopf
stellen. Ebensolche Perspektiven versammelt Lydia Lierke
gemeinsam mit Massimo Perinelli in ihrem Essayband "Erinnern
stören. Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer
Perspektive". Es steht das titelgebende Stören der Erinnerungen
an die Wendezeit im Vordergrund – Erinnerungen in der
öffentlichen Wahrnehmung, die überwiegend weiß und westdeutsch
sind.


Im Gespräch mit Jana Hensel (unter anderem Die ZEIT) berichten
Olivia Wenzel und Lydia Lierke von ihren eigenen Erinnerungen und
der Arbeit  an ihren Büchern. Darüber hinaus geht es um den
aktuellen Politisierungsschub der jungen Bevölkerung und warum
gerade jetzt postmigrantische Perspektiven auf die Wendezeit so
wichtig sind.


Die Lesungsauszüge wurden mit freundlicher Genehmigung der
Verlage S. Fischer ("1000 Serpentinen Angst") und Verbrecher
("Erinnern stören")  freigegeben.
Über Olivia Wenzel

Olivia Wenzel wurde 1985 in Weimar geboren und ist Autorin,
Dramaturgin und Musikerin. Ihre Stücke wurden unter anderem an
den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater und am
Deutschen Theater in Berlin aufgeführt. "1000 Serpentinen Angst"
ist ihr erster Roman. 2020 stand er auf der Longlist des
Deutschen Buchpreises sowie  auf der Shortlist des
aspekte-Literaturpreises. Im gleichen Jahr wurde  er mit dem
Literaturpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet.


Über Lydia Lierke


Lydia Lierke, geboren 1990 in Hoyerswerda, ist
Politikwissenschaftlerin, Autorin und Herausgeberin. Sie
beschäftigt sich mit der Aufarbeitung  deutsch-deutscher
Erinnerungspolitik und ist für die Rosa-Luxemburg-Stiftung als
Projektmanagerin tätig.

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