Prozess: Irakischer Kindersoldat seit 2017 in deutscher Untersuchungshaft

Prozess: Irakischer Kindersoldat seit 2017 in deutscher Untersuchungshaft

15-jähriger soll bei Hinrichtung des IS in Mossul geholfen haben
17 Minuten

Beschreibung

vor 5 Jahren
Abbas, inzwischen 21 Jahre alt, ist der mutmaßlich am längsten in
Untersuchungshaft einsitzende junge Mann in der Jugendstrafanstalt
(JSA) Berlin. Jetzt ist er ein "Fall" für den UN-Ausschuss für
Kinderrechte in Genf. Seit Mai 2017 sitzt Abbas in
Untersuchungshaft. Er ist Iraker und kommt aus Mossul. Nach der
Eroberung der Stadt durch den IS sollen er und sein Vater an der
Hinrichtung eines hohen früheren Polizeioffiziers als Mitglieder
der islamistischen Terrororganisation teilgenommen haben. Ende
Oktober 2014 sollen Raad A. (45) und sein Sohn Abbas (heute: 21) an
der Erschießung des gefangenen Polizeifunktionärs maskiert
mitgewirkt haben. Abbas, damals 15 Jahre alt, soll vor der
Erschießung den Gefangenen beschimpft und bespuckt haben. Ihm wird
u.a. Behilfe zum Mord vorgeworfen. Der Fall wird seit über zwei
Jahren vor dem Berliner Kammergericht verhandelt. Das deutsche
Jugendstrafrecht soll bestrafen, aber auch erzieherisch wirken, um
gerade junge Menschen (wieder) in die Gesellschaft integrieren zu
können. Abbas gilt nach internationalem Recht als Kindersoldat.
Jetzt droht, noch vor dem Urteil in Berlin wegen Mitgliedschaft im
IS und Beihilfe zum Mord seine Abschiebung in den Irak.
Gerichtsreporter Morling recherchierte monatelang. Er schildert,
wie Deutschland, die Ermittler und die Justiz mit diesem
Kindersoldaten und mutmaßlichem IS-Mitglied umgehen.

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