Cancel Culture - Ist Kritik denn nicht genug?
vor 5 Jahren
In der Podcast-Episode 11 der Turtlezone Tiny Talks debattieren Dr.
Michael Gebert und Oliver Schwartz über die sogenannte „Cancel
Culture“, die mittlerweile zum beliebten Instrument von Aktivisten
und Interessensvertretern geworden ist und doch nicht neu
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 5 Jahren
Episode 011
„Cancel Culture“ geht weit über öffentliche Kritik und einen
Shitstorm hinaus. Interessensgruppen fordern meist bereits in
einer sehr frühen Phase von Vorwürfen oder Diskussionen -auf
Verdacht hin- gleich die Maximalbestrafung. Nicht nur den
persönlichen Boykott eines Menschen, sondern ein Delisting und
Verbannen von künstlerischen Werken oder ein Ausschluss von
Persönlichkeiten von relevanten Events und gesellschaftlichen
Debatten. Damit überhöhen sich die Ankläger moralisch und
faktisch und beanspruchen für sich, die oberste Instanz in Sachen
Moral, Political Correctness und Rechtsverständnis zu sein. Und
sorgen latent selber für Spaltung. „Cancel Culture“ hat auch
nichts mit „links“ oder „rechts“ zu tun. Extreme beider Seiten
nutzen und nutzen dieses Instrument. Entartete Kunst während der
Nazizeit sowie der Boykott von Jedem, der in dem Verdacht stand
sozialistisch oder kommunistisch zu sein, bis weit in die 60er
Jahre hinein ist auch „Cancel Culture“ - selbst wenn es den
Begriff so damals nicht gab. Und auch linke Aktivisten scheuen
heute nicht davor zurück, mit der großen Cancel-Bazouka zu
schießen, statt mit Argumenten zu debattieren. Und auffällig ist,
dass gerade Interessensvertreter von gesellschaftlichen Gruppen,
die sich benachteiligt, diskriminiert oder ausgegrenzt fühlen
oder es faktisch sind, bei der Wahl ihrer Kampagnenmittel immer
häufiger zur "Cancel Culture" greifen.
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