#39 Vera Salvequart: KZ Ravensbrück Insassin wird eiskalte Massenmörderin
vor 2 Jahren
Beschreibung
vor 2 Jahren
Ein integraler Bestandteil des Konzentrationslagersystems war der
Einsatz von sogenannten Funktionshäftlingen, Insassen die
Kontroll- oder Verwaltungsaufgaben vom SS Wachpersonal übernehmen
sollten, und dafür bessere Haftbedingungen zugesprochen bekamen.
Die Häftlinge sollten selbst zu Tätern gemacht werden, einige
versuchten in dieser Stellung ihren Mithäftlingen so gut es ging
zu helfen, andere Funktionshäftlinge missbrauchten ihre Macht
jedoch dazu schreckliche Verbrechen an Mitinsassen auszuüben, und
wurden selbst zu Verbrechern. Vera Salvequart wurde Ende 1944 im
KZ Ravensbrück interniert, und wurde als Pflegerin eines
Krankenreviers eingesetzt, wobei diese laut Zeugen bemüht war die
Mitinsassen mit zusätzlicher Verpflegung oder besseren Klamotten
zu versorgen. Doch unter der Fassade verbarg sich noch eine
andere Person, Salvequart vergiftete unzählige der kranken
Personen mit einem Pulver oder per Injektion, damit diese nicht
extra in die Gaskammer transportiert werden müssen, und wurde
selbst zur Massenmörderin. Als Gegen Kriegsende eine Gaskammer im
Lager installiert wurde, war Salvequart dafür zuständig den Tod
der vergasten Personen zu protokollieren und diesen die Goldzähne
zu entfernen. In diesem Video geht es um die grausamen Verbrechen
von Vera Salvequart, wie aus einer Insassin eine eiskalte Täterin
wurde und ihrer Verurteilung nach dem Krieg.
Weitere Episoden
10 Minuten
vor 4 Monaten
12 Minuten
vor 4 Monaten
9 Minuten
vor 5 Monaten
13 Minuten
vor 2 Jahren
Kommentare (1)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.
Vielen Dank für den interessanten Podcast, der inhaltlich ganz informativ gelungen ist. Ich befasse mich bereits seit längerem mit Vera Salvequart, insbesondere, weil mich die offensichtliche Ambivalenz zwischen ihrer Lebensgeschichte, den uhr zugeschriebenen guten Taten und dem plötzlichen "Sinneswandel" zur eiskalten Mörderin sehr beschäftigt. Hierzu ist es nötig, tiefer in die Geschichte einzutauchen und keine Scheu zu haben, einen Menschen objektiv zu betrachten, der als Nazi-Verbrecher verurteilt wurde. Denn Fakt ist: Nazis sind und waren scheiße. Genau wie Krieg. Und, wie ich finde, auch die Todesstrafe. Ohne all das wäre Vera irgendwo in einem Krankenhaus Krankenschwester oder sogar später Ärztin geworden. Nunja. Die Geschichte wollte es anders. Wie du richtig sagst war Vera ein Funktionshäftling. Sie war nie in der SS sondern wurde von dieser verfolgt und eingesperrt. Sie war nicht freiwillig in Ravensbrück und Uckermark, sie arbeitete nicht freiwillig für die Nazis, sondern sie stand vor der Wahl, als sie allein in der Baracke des Reviers verblieb, dort als Krankenschwester zu arbeiten oder erschossen zu werden. Vera wurde direkt in den Vorhof der Hölle geworfen. Die armen Menschen, die nach Uckermark kamen, waren dem Tode geweiht, Alte und schwer Kranke. Die Baracke war eh Ort des Grauens und Vera versuchte nach Kräften, denen zu helfen, die noch eine Chance hatten. Mit konkreten Maßnahmen, die auch bezeugt wurden, wie Heizung, Licht, mehr Essen und Medikamente, mehr Revierrunden, also Visiten usw. Sie war dabei oft auf sich allein gestellt, da SS und Ärzte sich kaum mehr in die Baracken trauten, aber sie stand ständig unter Aufsicht mehrerer SS Männer, denen sie Rapport machen musste über die Toten. Dass sie in dem Zusammenhang plötzlich zur Giftmörderin wurde (und ja, ich gehe davon aus, dass sie einige Patientinnen überdosiertes Schlafmittel bzw. Giftpulver gegeben hat) dafür gibt es für mich nur die Erklärung, dass sie es auf Anweisung der SS machen musste und bei Weigerung getötet worden wäre. Das war gängige Praxis im Vernichtungslager. Der Tod war allgegenwärtig. Andere Theorien (Sterbehilfe, Mordlust, Bequemlichkeit...) scheiden für mich aus. Zu erwähnen ist noch, dass Vera, die in übrigen nur reichlich 2 Monate überhaupt im Lager war, zum Schluss hin doch von der SS getötet werden sollte und sich versteckte. Bei männlichen Insassen und bei einer Zeugin Anne Sheridan, einer Journalistin, die bezeugte, dass Vera davon ausging, daß Lager nicht lebend zu verlassen und die ihr eine Totenliste als Beweismittel für das Vernichtungslager der Nazis mitgab, als diese mit dem Roten Kreuz flüchtete. Vera konnte sich in ein amerikanisches Camp retten, half dort als Krankenschwester und später leitete sie ein Büro für rassisch Verfolgte im Kreis Main Taunus. Der ganze Lebenslauf von Vera spricht für Taten in einer unvorstellbaren Zwangslage. Nachdem sie verhaftet wurde, wurde sie von den Briten in einer kalten Baracke in Staumühle isoliert eingesperrt und als Mörderin vorverurteilt. Sie kam dann direkt zum ersten Ravensbrück Prozess mit 15 anderen, fast alles überzeugte SS Täter in leitenden Positionen auf die Anklagebank,obwohl sie ersucht hatte, als Funktionshäftling nicht mit diesen angeklagt zu werden. Die Anklage war dann sehr allgemein gehalten, kurz gesagt, allen Angeklagten wurden vorgeworfen, gemeinsam durch ihre Taten Ravensbrück erst möglich gemacht zu haben. Hier besteht bereits ein eklatanter Fehler für mich, denn bei der Beurteilung von Schuld und Strafzumessung hätte klar unterschieden werden müssen zwischen denen, die dort freiwillig waren und arbeiteten und denen, die als Häftling dort unfreiwillig waren. Aufgrund dieser Anklage vermute ich die Verteidigungsstrategie des durchaus engagierten Verteidigers bestand darin, die Abgabe von dem giftigen Pulver zu bestreiten, da das Gericht einen entschuldigenden Notstand (wenn du denen das Pulver nicht gibst, wirst du erschossen) nicht anerkannte. Das Problem war jedoch, dass mehrere Zeugen, auch eine eigentlich als Entlastungszeugin benannte Zeugin, glaubhafte Angaben hierzu machten. Vera führte Vieles aus um sich zu entlasten aber ihr wurde schlussendlich einfach nicht mehr geglaubt und das war für den Chefankläger dann ein günstiges Enfallstor, sie als völlig unglaubhaft darzustellen, sodass auch ihre gute Taten (hierzu gehörte auch das Fälschen von Todeslisten, durchaus Praxis im Lager und daher vorstellbar, wodurch eine Vielzahl von Menschen nicht in die Gaskammer kamen) völlig ungehört blieben. Der Fall ist noch viel vielschichtiger, ihre mögliche Spionagetätigkeit habe ich zB ganz außen vor gelassen hier, aber im. Ergebnis bin ich der Ansicht, dass Vera, wenn überhaupt, dann deutlich milder hätte bestraft werden sollen, als die Haupttäter. Abschließend sei ihr Abschiedsbrief genannt, indem sie darum bat, bitte nicht mit den SS-Leuten gehenkt zu werden. Sie distanzierte sich also nachweislich bis zum Schluss von diesen Menschen und diesem Gedankengut. Dass sie dann in Hameln zusammen mit den schlimmsten SS Verbrechern bestattet wurde ist das tragische Ende dieser Geschichte. Soviel von mir dazu, wie gesagt, wenn man sich mit ihr beschäftigt, kommt man relativ schnell an einen Punkt, wo sich Fragen stellen und wo schwarz und weiß Denken nicht mehr möglich ist. Ich betone nochmals, dass diese Meinung keinesfalls die vielen grausamen Verbrechen in den KZs relativieren oder verharmlosen soll. Es ist nur meine Meinung zu dem Einzelfall Vera Salvequart.