Enrofloxacin im Glaskörper an Equiner rezidivierender Uveitis erkrankter Pferde

Enrofloxacin im Glaskörper an Equiner rezidivierender Uveitis erkrankter Pferde

Beschreibung

vor 14 Jahren
Die equine rezidivierende Uveitis (ERU) ist die weltweit am
häufigsten auftretende und oft zur Erblindung führende
Augenerkrankheit der Pferde. Sie ist gekennzeichnet durch eine akut
auftretende, chronisch rezidivierende fibrinöse-serohaemorrhagische
Entzündung der Uvea. In an ERU erkrankten Augen konnten Leptospiren
(in bis zu 75%) und Antikörper gegen Leptospiren (in bis zu 90%)
nachgewiesen werden. Bislang bestand eine Therapie in einer
konservativen Behandlung des akuten Stadiums. Mit großem Erfolg
konnte ein wiederholtes Auftreten der Entzündungsschübe durch eine
Entfernung des Glaskörpers und eine Spülung des Augeninneren
(Vitrektomie) verhindert werden. Eine antibiotische Therapie bei
akuter Uveitis, die sich bei vermuteter Leptospirenätiologie
anbieten würde, konnte sich bislang nicht etablieren. Eine
Schwierigkeit in der antibiotischen Behandlung von Augenkrankheiten
liegt in der Blut-Augen-Schranke, die eine natürliche Barriere zum
Schutz des Auges darstellt und ein Hindernis für viele
pharmakologische Substanzen bildet. Schwerpunkt der vorliegenden
Arbeit war die Untersuchung der Auswirkungen einer intravenösen
Enrofloxacinverabreichung auf die Anzüchtbarkeit von Leptospiren in
Glaskörperproben aus uveitischen Pferdeaugen. Desweiteren wurde
eine Überprüfung der Enrofloxacinkonzentration im Glaskörper und
Serum vorgenommen und eine etwaige Therapiemöglichkeit bei ERU mit
Enrofloxacin betrachtet. 25 an ERU erkrankte Pferde erhielten eine
mehrmalige Gabe von Enrofloxacin in einer Dosierung von 7,5 mg/kg.
Von dieser Gruppe wurden in Serum- und Glaskörperproben mittels
ELISA die Enrofloxacinkonzentration ermittelt. Die
Enrofloxacinkonzentration wurde in Bezug auf die Schädigung der
Augen und den bisherigen Verlauf der Erkrankung gesetzt.
Desweiteren wurde durch MAR und ELISA auf eine intraokulare
Leptospireninfektion getestet und bei positivem Ergebnis das
Leptospirenwachstum in den Glaskörperproben mittels Kultur
untersucht. Proben von 35 ERU erkrankten Pferden, die kein
Enrofloxacin erhielten, dienten als Kontrollgruppe und wurden nach
voran gegangenem Nachweis einer Leptospireninfektion mittels MAR
und ELISA ebenfalls kulturell untersucht. Leptospirenkulturversuche
aus Glaskörperproben von mit Enrofloxacin behandelten Pferden
gelangen schlechter (bei 69,6% kein Wachstum) als Kulturen der
Proben der Kontrollgruppe (bei 45,5% kein Wachstum). Die Werte
erreichten kein Signifikanzniveau. Hier lässt sich allenfalls eine
Tendenz zu geringerem Wachstum erkennen. Der Mittelwert der
Enrofloxacinkonzentration lag in den Glaskörperproben bei 1,06
mikrog/ml (0,47- 2,20 mikrog/ml). Im Serum wurde ein Mittelwert von
5,48 mikrog/ml (3,08-8,209 mikrog/ml) erreicht. Durch den
Mann-Whitney-Test konnte ein signifikanter Unterschied in der
Enrofloxacinkonzentration im Glaskörper bei Tieren mit zwei und
weniger oder Tieren mit mehr als zwei erlittenen Schüben
festgestellt werden. Es ließ sich eine Tendenz erkennen, bei der
die Enrofloxacinkonzentration mit höherem Grad der entzündlichen
Einlagerungen im Glaskörper zunimmt. Die in der vorliegenden Arbeit
erreichten Enrofloxacinkonzentrationen im Glaskörper und im Serum
lagen deutlich über der in vitro bestimmten MIC und MBC von
Leptospiren. Der relativ große Anteil der positiven
Leptospirenkulturen aus Proben von behandelten Pferden könnte auf
eine größere Unempfindlichkeit der Leptospiren im Auge gegenüber
Enrofloxacin hinweisen. Die Zunahme der Enrofloxacinkonzentration
in Augen mit mehreren durchlittenen Entzündungsschüben und Augen
mit zunehmenden entzündlichen Einlagerungen könnte mit einer
stärkeren Schädigung der Blut-Augen-Schranke zu begründen sein. Es
ist fraglich ob eine Enrofloxacinbehandlung als alleinige Therapie
einer ERU ausreichend ist, da bei dieser Erkrankung auch von einer
Immunkomponente neben der Leptospireninfektion ausgegangen wird.

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