Podcaster
Episoden
25.02.2026
21 Minuten
Seltene Erkrankungen gelten als Randthema. Das ist ein Irrtum.
Zusammengenommen betreffen sie hunderttausende Menschen. Sie
bleiben unsichtbar, weil sie schwer zu erkennen sind, weil sie
einzeln auftreten und weil sie nicht ins gewohnte Raster passen.
Für Betroffene ist der Weg oft lang. Symptome sind diffus.
Therapien greifen nicht. Erst eine klare Diagnose bringt
Orientierung. Sie gibt der Krankheit einen Namen – und den Familien
eine Perspektive. Noch wichtiger ist die frühe Diagnose. Beim
Neugeborenen-Screening zeigt sich, was Medizin leisten kann:
Erkrankungen werden entdeckt, bevor sie Schaden anrichten.
Rechtzeitig behandelt, entwickeln sich Kinder oft völlig normal. In
den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. Neue Medikamente
greifen gezielt ein: in Stoffwechselprozesse, in Zellstrukturen,
sogar in genetische Abläufe. Doch noch immer gibt es nur für einen
kleinen Teil der bekannten seltenen Erkrankungen wirksame
Therapien. Fortschritt braucht Geduld, Forschung und Daten.
Entscheidend sind spezialisierte Zentren. Niemand kann 8.000
Krankheitsbilder überblicken. Aber wer Auffälliges erkennt, muss
wissen, wohin er überweist. Vernetzung ersetzt Zufall. Register
ersetzen Einzelfälle. Aktionstage schaffen Aufmerksamkeit. Doch
Sichtbarkeit allein reicht nicht. Sie muss Folgen haben: klare
Zuständigkeiten, gesicherte Finanzierung, strukturierte Übergänge
vom Kindes- ins Erwachsenenalter. Ziel ist kein Schonraum, sondern
Selbstständigkeit. Seltene Erkrankungen stellen Medizin und
Gesellschaft auf die Probe. Sie zeigen aber auch, was möglich ist,
wenn Wissen geteilt wird und Strukturen tragen. Man muss nur genau
hinschauen.
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16.02.2026
15 Minuten
Milliarden Mikroorganismen leben in uns – vor allem im Darm. Dieses
Mikrobiom steuert nicht nur die Verdauung, sondern greift tief in
unsere Gesundheit ein. Immer deutlicher zeigt sich: Es beeinflusst
auch die Psyche. Der Psychiater Martin Aigner erklärt, dass Darm
und Gehirn eng verbunden sind. Über Nerven, Hormone und Botenstoffe
stehen sie im ständigen Austausch. Besonders wichtig ist dabei
Serotonin – ein Großteil dieses „Glückshormons“ entsteht im Darm.
Gerät das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, kann sich das auch auf
Stimmung und Stressreaktionen auswirken. Studien zeigen: Ein
vielfältiges Mikrobiom geht oft mit besserer psychischer Gesundheit
einher. Umgekehrt finden sich bei Depressionen oder Angststörungen
häufig Veränderungen. Klare Ursachen sind schwer zu benennen – die
Forschung spricht eher von Zusammenhängen als von eindeutigen
Wirkungen. Ein zentraler Hebel ist die Ernährung. Ballaststoffe,
Vielfalt und regelmäßige Mahlzeiten fördern „gute“ Bakterien.
Einseitige, stark verarbeitete Nahrung kann das Gleichgewicht
stören. Neue Ansätze setzen daher auf Prä- und Probiotika – als
Ergänzung zur klassischen Therapie. Noch steht vieles am Anfang.
Doch eines wird klar: Wer den Darm versteht, versteht auch die
Psyche besser.
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09.02.2026
29 Minuten
Antibiotika verlieren an Kraft. Resistenzen breiten sich aus,
Therapien scheitern. Allein in Österreich sterben jedes Jahr
tausende Menschen im Zusammenhang mit multiresistenten Bakterien.
Die Medizin sucht Auswege – und findet einen alten Ansatz neu: die
Phagentherapie. Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien gezielt
befallen und zerstören. Entdeckt vor über hundert Jahren, gerieten
sie im Westen in Vergessenheit. Heute erleben sie eine Renaissance,
vor allem bei chronischen Infektionen, bei denen Antibiotika an
ihre Grenzen stoßen. Phagen wirken anders: Sie dringen in die
Bakterienzelle ein, vermehren sich dort und bringen sie zum
Platzen. Das macht sie besonders interessant bei Keimen, die
Biofilme bilden und sich so dem Zugriff klassischer Medikamente
entziehen. An der MedUni Wien wurde die Phagentherapie erstmals
außerhalb einer Studie erfolgreich eingesetzt. Ein junger,
lungentransplantierter Patient litt an einer chronischen Infektion
mit Pseudomonas aeruginosa, resistent gegen nahezu alle verfügbaren
Antibiotika. Die Kombination aus inhalativem Antibiotikum und
individuell ausgewählten Phagen brachte eine deutliche Besserung –
und dem Patienten ein neues Lebensgefühl. Doch Phagen sind kein
Wundermittel. Die Therapie ist aufwendig, hochgradig personalisiert
und derzeit nur als individueller Heilversuch möglich. Für jeden
Patienten müssen passende Phagen gefunden, getestet und mit
geeigneten Antibiotika kombiniert werden. Zudem fehlen in
Österreich noch eigene Phagenbanken und eine reguläre Zulassung.
Trotzdem wächst die Hoffnung. Phagen könnten Antibiotika nicht
ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Sie zeigen, dass medizinischer
Fortschritt nicht immer neu erfunden werden muss. Manchmal reicht
es, Bewährtes wieder ernst zu nehmen – und weiterzudenken.
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02.02.2026
21 Minuten
In dieser Episode tauchen wir ein in die farbenfrohe Welt der
CliniClowns Österreich und begleiten sie durch ihren bewegten
Alltag in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. CliniClown
Edouard Raix öffnet uns die Tür zu einer Welt voller Lachen und
Tränen, indem er von seinen berührenden Begegnungen mit
Patientinnen und Patienten erzählt. Er schildert den Ablauf einer
Clown-Visite, die stets von Improvisation und Spontaneität geprägt
ist, und beleuchtet die besonderen Anforderungen dieses
außergewöhnlichen Berufs. Ein Beruf, der nicht nur ein hohes Maß an
Verantwortung und Feingefühl erfordert, sondern auch die Fähigkeit,
in den dunkelsten Momenten ein Licht der Hoffnung zu entzünden.
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26.01.2026
25 Minuten
Das Herz schlägt zuverlässig – meist ein Leben lang. Doch manchmal
gerät es aus dem Takt. Vorhofflimmern ist die häufigste
Herzrhythmusstörung weltweit. Millionen Menschen leben damit, viele
ohne es zu wissen. Denn die Erkrankung bleibt oft stumm. Kein
Schmerz. Kein Alarm. Dabei sind die Folgen ernst. Beim
Vorhofflimmern feuern elektrische Signale chaotisch. Die Vorhöfe
pumpen nicht mehr richtig. Blut kann gerinnen. Das
Schlaganfallrisiko steigt deutlich. Je länger die Störung anhält,
desto schwerer lässt sie sich behandeln. Die Medizin sucht deshalb
nach Wegen zur frühen Diagnose. Digitale Herzmodelle helfen,
Abläufe zu verstehen und Therapien zu testen. Smartwatches und Apps
können Hinweise liefern – ersetzen aber keine ärztliche Abklärung.
Entscheidend ist der Zeitpunkt. Wird Vorhofflimmern früh erkannt,
steigen die Chancen, den normalen Herzrhythmus zu erhalten und
schwere Komplikationen zu verhindern.
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Über diesen Podcast
Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht
unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den
Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich
einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch
wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen
soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch
unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“
zu Wort kommen lassen.
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