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Noch ein paar Tage und es beginnt der Advent. Das ist in unseren Breiten eine gefühlvolle, schöne Zeit mit Weihnachtsmärkten, geschmückten Innenstädten, Adventskränzen und Konzerten, Weihnachtsbäckerei und Geschenke vorbereiten. Selbst bei Menschen in unserem Land, denen es nicht so gut geht, kann man die Vorbereitungen auf Weihnachten erahnen. Und dann kommen heute in der Lesung der Laudes zwei Zeilen aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom. Er schreibt da: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?  All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat." Da werde ich immer sehr nachdenklich, weil ich echt nicht weiß, wie ich reagieren, denken, leben, lieben würde wenn das bei uns wäre: Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert. Ich weiß es echt nicht.Im arabischen Raum gibt es eine kurze Beispielgeschichte. Da heißt es: der Großvater kämpft mit Pferd und Schwert und hilft mit bei der Befreiung seines Landes und arbeitet sein ganzes Leben hart, damit es sein Sohn besser hat. Der Sohn genießt den Reichtum, den Frieden, die Ruhe und das gute Leben und wird weich und bequem. Und der Enkel kann die Härten der neuen Auseinandersetzungen mit einem Nachbarvolk nicht mehr bestehen und wird arm und hoffnungslos. Werde ich als Christin und Christ arm und hoffnungslos im Glauben, weil ich die Härten des Lebens und der Auseinandersetzungen in Kirche und Gesellschaft nicht mehr bestehen kann? Ich hoffe nicht, aber ich weiß es nicht. Aber ich selbst, wir selbst, sind nur die eine Seite dieser Verkündigung. Die andere Seite steht im ersten Satz, den wir gehört haben: was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Und das ist, bei allem eigenen Versagen oder nicht Können die entscheidende Frage. Und darauf kann jeder Glaubende klar antworten: nein, von seiner Liebe kann uns echt nichts trennen. Unsere Antwort und Gegenliebe kann klein und schwach und wenig wirksam sein, ER Christus wird uns immer lieben. Garantiert.
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Am Sonntagabend haben wir einen Evensong, diese schöne Gebetsform aus der anglikanischen Tradition, in der Mutterhauskirche gesungen; mit deutschen, lateinischen und englischen Gesängen, Psalmen und Liedern und drei kurzen Impulsen. Und im Anschluss hat mir eine meiner Mitsängerinnen erzählt, dass sie mit dem Eingangsimpuls im Inneren noch so beschäftigt war, dass sie die ersten Töne des nächsten Gesanges total verpeilt hat. Was hatte sie so beeindruckt? Ich hatte, weil ja der Sonntag der Christkönigssonntag war, von der Salbung von Charles zum englischen König vor gut eineinhalb Jahren erzählt. Und zwar von einer ganz kleinen Szene, die mich damals sehr beeindruckt hatte. Ein kleiner Chorknabe, vielleicht 9 oder 10 Jahre alt, wurde vom Erzbischof von Canterbury zum König geleitet und hat den König mit folgenden Worten begrüßt und gesagt: "Your Majesty, as children of the Kingdom of God we welcome you in the name of the King of Kings.” Auf Deutsch: "Eure Majestät, als Kinder des Königreiches Gottes, begrüßen wir Sie im Namen des Königs der Könige." Es ist mir durch und durch gegangen und hängengeblieben. Ein Kind begrüßt, als ein Kind des Königs der Könige – also Jesus Christus, den neuen englischen König. Noch jetzt, wo ich es Ihnen erzähle, bekomme ich Gänsehaut. Die Verhältnisse werden zurechtgerückt. Nicht die gesalbten irdischen Könige mit all ihrer Pracht und scheinbaren Macht sind die "Kings", sondern ein ganz anderer. Einer, der als schutzloses Neugeborenes ohnmächtig auf die Welt kommt, dem die Mächtigen da nach dem Leben trachten, der später umherzieht und predigt von der Liebe des himmlischen Vaters und von der Heilwerdung nicht nur der körperlich Kranken, von der Barmherzigkeit untereinander und dass die Menschen selig sind, weil Gott sie selig macht. Der am Ende sein Leben hingibt und gefesselt, geschlagen und mit Dornen gekrönt, auf die Frage, ob er ein König sei, ganz klar mit "Ja" antwortet. Da können einem schon mal die Töne im Hals stecken bleiben, weil es einfach nicht zu fassen, sondern nur zu glauben ist.
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"Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl sind unsre drei heiligen Madln", diesen Spruch fand ich immer witzig und konnte mir damit merken, wer die drei Frauen unter den Vierzehn Nothelfern waren.Unter diesen Vierzehn Nothelfern, die auf vielen Altären in Kirchen dargestellt werden, ist die heilige Katharina von Alexandrien, an die wir mit der Kirche heute denken. Sie galt in ihrer Zeit als so gelehrt und klug, dass sie bis heute Patronin der Philosophen, Studenten und vieler Wissenschaften ist. Ob sie wirklich gelebt hat, oder ob sie eine Kultfigur ist, an deren Beispiel die Glaubenstreue und das Martyrium vieler Christen deutlich werden sollte, weiß man nicht so genau. Meine Oma Katharina war eine große Verehrerin ihrer Heiligen.Aber auch bei meiner Oma wurde deutlich, was es heißt, in schlimmen Zeiten treu zum Glauben und zu Gott zu stehen. Vor den Nazizeiten hatte sie geheiratet und sechs Kinder bekommen. Im Krieg musste sie zusehen, wie sie ihre Kinder zusammenhielt und nicht an die Nazis verlor, was sie auch sehr energisch als ihre Aufgabe gesehen hat. Ihr Mann war als Lokführer unentwegt unterwegs durch all die Kriegsjahre. In den Jahren des Sozialismus nach dem Krieg, in der Sperrzone zur Westgrenze, in der sie leben musste, mit all den Einschränkungen, die den Katholiken in der DDR auferlegt wurde: Sie ist unerschütterlich gläubig und fromm geblieben. Immer den Rosenkranz in der Schürzentasche hat sie nicht viel Aufhebens um ihren Glauben gemacht. Sie hatte beide Beine standfest auf der Erde, tatkräftige Arme bei allen, die ihre Hilfe gebraucht haben und das Herz beim lieben Gott, wie sie ihn genannt hat. Zwei Kinder sind vor ihr gestorben und ihren Mann, der sehr cholerisch war, hat sie bei seiner Krebserkrankung in Geduld bis zum Ende gepflegt.Sie ist für mich eine der modernen heiligen Katharinas, die es zu allen Zeiten gegeben hat und die uns, die wir in ruhigeren Zeiten leben können, immer noch Vorbild sein können.
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Jetzt in den letzten Novemberwochen und dann im Advent wird es überall im Land viele Konzerte, Evensongs und Musiken geben, die in Stadthallen und Kirchen, auf Plätzen und in kleineren Hallen dargebracht werden. Musik ist Balsam für Leib und Seele und führt uns für eine oder mehrere Stunden in eine ganz andere Welt. Wenn wir Tönen lauschen, bilden sich in unserem Inneren Bilder und Erinnerungen und gute Gefühle. Und selbst bei den brausenden Klängen von Wagneropern passieren in uns erstaunliche Wandlungen. Wir fühlen mit, wir lassen uns packen, wir werden traurig, fröhlich, ängstlich und noch viel mehr.Genauso ist es mit Kirchenmusik, Orgelstücken, Trompetenklängen und den gesungenen Liedern. Sie fördert eine Atmosphäre, die Meditation, Gebet und Kontemplation möglich macht. In schwierigen Zeiten geben Lieder und Gesänge oft Trost und Hoffnung. Und wenn ich an Festgottesdienste und den Gesang vieler Menschen denke, dann spüre ich immer eine festliche Freude und das Gespür, dass das gemeinsame Singen vor Gott, ein Miteinander der Stimmen die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Glaubenden vermittelt.In der Coronazeit, als dann zwar wieder Gottesdienste gefeiert werden konnten, aber Singen und erst recht Chorsingen nicht erlaubt war, haben viele gemerkt, wie sehr uns das fehlt. Und manche haben unter der obligatorischen Maske doch leise mitgesummt, weil es doch ohne nicht geht. Religiöse Musik hat die einzigartige Fähigkeit, das Emotionale und Spirituelle miteinander zu verbinden. Sie ist ein schönes Werkzeug, um den Glauben zu verkünden, zu leben zu vertiefen und mit anderen zu teilen. Musik erreicht in unserem Inneren Sphären, die durch Worte allein nicht erreicht werden können und ist daher so wertvoll und unverzichtbar.Heute feiern die unzähligen Kirchenchöre das Cäcilienfest, also ihren besonderen Tag. Die Heilige Cäcilia starb im 3. Jahrhundert als Märtyrerin und gilt als Patronin der Kirchenmusik. Heute ist ein guter Tag, um den Vielen, die sich um die Musik in unseren Kirchen und Gottesdiensten kümmern, einmal besonders herzlich zu danken und vielleicht bekommen Sie Lust, in einem Chor mitzusingen und die Botschaft Gottes den Menschen noch einmal ganz anders zu Gehör zu bringen.
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Heute begehen wir mit der Kirche einen interessanten Tag. Er heißt "Unsere liebe Frau in Jerusalem" und hat eine wechselvolle Geschichte: In einem apokryphen, also nicht anerkannten Jakobusevangelium wird erzählt, dass Joachim und Anna ihre Tochter Maria zum Tempel nach Jerusalem bringen, damit sie dort aufwächst und erzogen wird. Später feiert man an dem Tag die Einweihung der Marienkirche in Jerusalem im Jahr 543. Im 8. Jahrhundert in Konstantinopel gefeiert dauert es bis ins 15. Jahrhundert, bis dieser Tag für die ganze katholische Kirche geltender Feiertag wird.Was mich an diesem Tag fasziniert, ist, dass dieses Gedächtnis in ganz vielen Kirchen begangen wird: in der orthodoxen Kirche und der armenischen, in der koptischen Kirche sogar als Fest, in der syrisch-orthodoxen und der maronitischen Kirche.In einem wundervollen alten Hymnus heißt es: Du große Herrin, schönste Frau, hoch über Sternen steht dein Thron. Du trugst den Schöpfer, der dich schuf, und nährtest ihn an deiner Brust.Was Eva einst verloren sah, gibst du im Sohne reich zurück. Der Himmel öffnet sich in dir; zur Heimkehr steht der Weg uns frei.Du Pforte für den Königssohn, des neuen Lichtes helles Tor, in dir grüßt jauchzend alle Welt das Leben, das du ihr geschenkt.Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis, Gott, den die Jungfrau uns gebar, Lob auch dem Vater und dem Geist durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.Und in diesem Lied wird die Liebe der Menschen zur Mutter Maria deutlich, aber eben auch, dass es um ihren Sohn geht, den sie in die Welt gebracht hat und für den sie ihre Lebenspläne aufgegeben und sich Gott zur Verfügung gestellt hat. Als fromme Powerfrau, die sehr wohl um ihren Platz in der Geschichte Gottes mit den Menschen gewusst hat.
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In der vergangenen Woche wurde in Köln an drei Tagen ein besonderes und ungewöhnliches Jubiläum gefeiert. Es ging um 20 Jahre GUBBIO, der Ort für die Obdachlosenseelsorge in Köln. Die Entwicklung dieser Einrichtung an und in der ehemaligen Franziskanerkirche in der Ullrichgasse, hat unsere Mitschwester Sr. Alexa, eine der Mitbegründerinnen, in einem Interview mit dem Domradio sehr beeindruckend beschrieben. Sie hat erzählt: Die steigenden Zahlen an Obdachlosen waren schon ausschlaggebend, aber da war noch was anderes. Der heutige Berliner Erzbischof Koch war damals im Seelsorgeamt und ich bin jede Woche zu ihm gegangen, um ihm mein Leid zu klagen. Dass wir viele Menschen haben, dass wir gerne mehr machen würden, wir aber nicht wüssten, wo wir das tun sollen. Der hat sich, glaube ich, sehr viele Gedanken darüber gemacht, was man denn machen könnte und dann hatte er die Idee, das in dieser Kirche zu tun. Dass Menschen dorthin kommen können, die über ihren Glauben reden möchten. Sie dürfen darüber sprechen, was sie bewegt. Sie werden ernst genommen und gehört. Sie dürfen sich beteiligen und werden wirklich gesehen. Die brauchen über das Essen und über beispielsweise die Wärme im Winter hinaus auch einen Heimatort und eine kirchliche Heimat für ihren Glauben. In unseren normalen Kirchen sind sie sehr selten. Vielleicht auch gar nicht da. Da klagt eine Schwester dem damalig Zuständigen so lange "Ihr Leid" bis sich etwas tut und sie Räume und Möglichkeiten bekommt, mehr zu tun. "Ihr Leid" – das ist das Leid der vielen Obdachlosen in der Großstadt, die mehr brauchen als Wärme, Essen, eine Notschlafstelle und ein bisschen Geld. Und auf die Frage, worauf sie sich bei den Jubiläumsfeiern am meisten freut, hat sie eine sehr eindrückliche Antwort: Ich freue mich darauf, dass die Menschenwürde gefeiert wird, die Augenhöhe gefeiert wird, dass die Zuwendung zu den Armen gefeiert wird und dass Arme einen Platz in der Kirche bekommen haben. Das ist einfach wunderbar. Was Besseres kann der Kirche gar nicht passieren, als dass man die Armen feiert.
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Das Leben der Frau, an die ich heute denke, ist in drei knappen Zahlen einzugrenzen: 4, 14 und 24. Wie das? Mit vier Jahren wird Elisabeth, die ungarische Königstochter, mit vielen Geschenken und Amme und Gespielinnen nach Eisenach auf die Wartburg gebracht. Nicht zu ihrem Vergnügen, sondern aus staatspolitischen Gründen. Sie soll den Sohn des damals sehr mächtigen thüringischen Landesfürsten der Ludowinger heiraten und so die Macht beider Seiten stärken und ausweiten. Der ihr zugedachte Herrmann stirbt aber und so heiratet sie mit gerade einmal 14 Jahren den jüngeren Sohn Ludwig. Es ist eine Verbindung, die damals sehr ungewöhnlich war, denn beide waren zusammen aufgewachsen und liebten sich aus ganzem Herzen. Die Verhältnisse auf der Burg, das ausschweifende Leben der Burggrafen und Ihres Gefolges und die Armut der Leibeigenen unterhalb der Burg in Eisenach und den umliegenden Weilern hat die junge Elisabeth schon immer zum Nachdenken gebracht und ihren Zorn erregt und ihre Hilfsbereitschaft. So bringt sie Brot und andere Lebensmittel nach unten zu den Bedürftigen und ihr Ludwig versteht sie und billigt ihr Handeln. Sie bekommt drei Kinder und könnte glücklich sein. Aber ihr geliebter Gatte stirbt auf der Reise zum Kreuzzug und ihr ist sehr schnell bewusst, was das bedeutet. Die restliche Verwandtschaft, denen Elisabeths Handeln und ihre Großzügigkeit schon immer ein Dorn im Auge war, lässt ihr keinen Raum zum Leben. So gibt sie ihre Kinder in Pflege und Obhut, geht nach Marburg auf ihr Witwengut und gründet ein Hospital für die Armen und Kranken. All ihr verbliebenes Geld geht dabei drauf und ihre Lebenskraft. Und so stirbt sie mit gerade einmal 24 Jahren. Zwischen diesen Zahlen 4, 14 und 24 liegen gerade einmal 20 Jahre mit einer Fülle an Leben, Liebe, Temperament, Glaube, Mutterglück, Tragik, Trauer und Engagement für die Mitmenschen. Normalerweise würden wir jetzt reagieren und denken: Oh Gott, wie furchtbar. Aber sie sieht es anders. Sie wird knapp am Ende ihres Lebens zu ihren treuen Gefährtinnen sagen: "Seht, ich habe es euch immer gesagt: wir müssen die Menschen froh machen". 
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Im Sommer in meinem Urlaub in Thüringen, bin ich viel gewandert und habe die Berge und Wälder sehr genossen. Und dann bin ich, auf den Tipp eines Organisten aus der Nachbarschaft, nach Wechmar gefahren, das nicht weit von meinem Urlaubsort liegt. Ich hatte diesen Ortsnamen noch nie gehört und war sehr gespannt. Dort ist ein großes sehr altes Haus und ein Anwesen, das als das Stammhaus der Familie Bach galt. Und ich war völlig überwältigt. Um 1600 musste Veit Bach, ein Weißbäcker, wegen seiner lutherischen Religion seine Heimat verlassen und hat sich in Wechmar bei Gotha niedergelassen. Dort hat er mit seinem Sohn das Bäckerhandwerk betrieben, nebenbei ein wenig Geld mit dem Musizieren in Lokalen verdient und den Sohn Hans dann den Beruf des Spielmannes lernen lassen. Dessen drei Söhne waren ebenso Spielleute und der Sohn Christoph wurde der Vater von Johann Sebastian Bach. Die Vorfahren dieses Johann Sebastian Bach sind also die Begründer der weltgrößten Musikerfamilie aller Zeiten und im Hof des Anwesens ist an einem Scheunengiebel der größte Stammbaum der musikalischen Bachfamilie mit mehr als 1500 Namen festgehalten. Wenn ich das rein sachlich zusammenfassen würde hieße das: Veit Bach flüchtet wegen seiner Religion in ein anderes Land, vergisst über all dem Drama aber seine Lust an der Musik seiner Heimat nicht, lässt Söhne und Enkel den Musikerberuf lernen und begründet so eine große Musikerdynastie und bringt unserem Land, Europa und der Welt eine wundervolle geistliche Musiktradition, die ihresgleichen sucht. Manchmal schreiben das Leben und die Dramen der Zeitenläufe Geschichten, die man fast nicht für möglich hält. Ein Rapper, der durch einen Unfall zum besten Verkünder des Evangeliums wird, eine Polizistin, die durch das Erleben von Ohnmacht, Gewalt und Not zuhause zu diesem Beruf findet, ein geflohener sehr junger Klavierspieler aus Syrien, der mittlerweile ein gefeierter Pianist in Europa ist. Meist können wir gegen Zeitenläufe, Kriege, Hungersnöte, Katastrophen als Einzelne wenig tun, aber das eigene innere Erbe, die Talente und Fähigkeiten weitergeben, kann ich immer. Und vielleicht wird mein Haus, mein Ort, meine Familie der Beginn einer großen Tradition in Musik oder Kunst, Kultur oder Glaube und man wird noch in Jahrhunderten davon erzählen.
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An diesen nebligen Novembertagen macht es keinen Spaß raus zu gehen. Aber dieser Tage war es, dass es unten im Städtchen nebelig und grau war und oben am Mutterhaus, obwohl das nur einige Höhenmeter sind, strahlend schön und nebelfrei. Und da konnte ich an einer Stelle tatsächlich beides sehen: die Nebelschicht über der Stadt und die nebelfreie Sicht über der dicken grauen Suppe quasi. Das war echt beeindruckend. Für mich war es ein wunderbares Bild für all die Sachen, von denen wir oft nicht wissen, wie sie wirklich aussehen. Wenn man direkt unter dem Nebel ist, ist alles nur grau und dicke Suppe über einem, wenn man direkt darüber ist, sieht man die Stadt und die Straßen und die Menschen nicht, aber über einem den strahlend schönen Himmel. Und da ist es echt wertvoll, Menschen zu haben, die verschiedene Sichtweisen kennen und nutzen und deren Kompetenz weit über alle Kleinkariertheit hinausgeht. Von Albert dem Großen, dem Dominikanermönch aus dem 13. Jahrhundert kann man so reden. Er war eigentlich alles: Gelehrter der Theologie aber auch vieler Naturwissenschaften, Dominikaner und Bischof, Leiter der Klosterschule in Köln und noch vieles mehr. Seine Schule in Köln hatte ein solches Ansehen, dass sie Studenten aus ganz Europa angezogen hat und als Nachfolgeschule kurze Zeit später die Universität zu Köln gegründet worden ist. Albert spielte in seiner Kölner Zeit auch eine herausragende Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Erzbischof. In einem Schiedsprozess 1252 und 1258 gutachtete er zu Gunsten der Bürgerschaft der Stadt Köln, deren Rechte der damalige Erzbischof Konrad von Hochstaden auf sein Anraten hin dann auch anerkannt hat. Er hat also den Nebel, der über vielen Gegebenheiten seiner Zeit lag, immer wieder gelichtet und eine wissenschaftliche, christliche und menschliche Sichtweise und Herangehensweise bevorzugt, die auch heute ziemlich gut passen würde. 
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Die meisten von uns mögen den November nicht. In den letzten Tagen war er auch in vielen Gegenden so, wie wir es nicht mögen: nebelig bis zum Mittag, grau, nasskalt und windig und spätestens ab 16.00 Uhr geht es nur noch mit angeschaltetem Licht. Spätestens jetzt wird mir immer deutlich, warum in den Jahrtausenden ohne Elektrizität, die Sehnsucht nach Licht so stark war. Die Entdeckung des Feuers und seine praktikable Nutzung im Leben hat den frühen Menschen schon anfanghaft die Erfüllung ihrer Sehnsucht gebracht. Und dann kommt einer, der tatsächlich von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Diese Aussage ist reich an Symbolik und weist auf mehrere Ebenen hin. Zum einen ist Licht das Symbol für Wahrheit und Erkenntnis. Im biblischen Zusammenhang steht Licht oft für Wahrheit, Weisheit und das Erkennen des Göttlichen. Wir sagen im Alltagsgebrauch schonmal, dass uns da ein Licht aufgegangen ist und das soll bedeuten, dass ich etwas erkannt oder verstanden habe.Indem Jesus sich als das "Licht der Welt" bezeichnet, betont er, dass er die Wahrheit über Gott offenbart und die Menschen leitet, damit sie in Gottes Licht leben können. Licht ist auch ein Symbol der Hoffnung und des Lebens nach dem Tod. Die Aussage Jesu schenkt Mut und Hoffnung, indem er verkündet, dass er die Kraft hat, sie von Sünde, Leid und Tod zu erlösen. Mit ihm als "Licht" können sie ein Leben voller Frieden und Erfüllung führen. Und wir beten am Sarg oder am Grab eines lieben Menschen: "Und das ewige Licht leuchte ihnen" in der Hoffnung, dass dieses Licht Jesu den Weg leiten wird durch den Tod zum Ewigen Leben, voller Licht und göttlicher Nähe. Und die andere Seite des Lichts ist die Dunkelheit, die oft ein Symbol für Sünde, Verzweiflung und das Böse an sich ist. Jesus als das Licht der Welt stellt sich gegen diese Dunkelheit und verkündet, dass seine Anwesenheit die Macht hat, das Böse zu überwinden. Sein Evangelium, die gute Nachricht von einem liebenden Vater, und sein Lebensbeispiel wollen uns inspirieren, das Gute zu suchen, im Licht Gottes zu leben und füreinander Licht zu sein. Das Wort von Franziskus, dass es besser ist, ein kleines Licht zu entzünden, statt über die Dunkelheit zu klagen, ist eine schöne Anweisung in diesem trüben November, die Sehnsucht nach dem Licht schon mal in kleine echte Taten umzusetzen. 

Navitexte

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Im Auto sitzen und zu einem Termin eine gute Stunde fahren ist normalerweise kein Problem. Aber bei Regen und dickem Nebel, wenn man das Gefühl hat überhaupt nichts mehr zu sehen, ist man froh, wenn man den vorausfahrenden Verkehr noch erahnen kann.In solchen Situationen bin ich immer froh, wenn mir mein Navi rechtzeitig ankündigt, dass ich in 2.000 Metern die Abfahrt nehmen und auf die nächste Autobahn wechseln soll. Und wenn ein Unfall, eine Baustelle oder ein anderes unvorhergesehenes Ereignis eintritt, finde ich mithilfe des Navis oder des Verkehrsfunks wieder raus aus der Situation.Für meinen Glauben an Gott sind Texte und Verse aus der Bibel solche Navigationssysteme, die mir immer mal wieder klarmachen, worum es eigentlich wirklich geht. Die heutige Lesung aus dem Buch Deuteronomium ist so ein Navitext. Da heißt es: "Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote achten, auf die ich dich heute verpflichte."Dieses Buch Deuteronomium ist das fünfte Buch der Bibel und enthält die Abschiedsreden von Mose an das Volk Israel. Er wiederholt und erklärt noch einmal die Gesetze Gottes und ermahnt das Volk zur Treue gegenüber Gott, bevor es in das verheißene Land einziehen darf. Er betont, wie wichtig Gehorsam, Liebe zu Gott und die Konsequenzen von Segen und Fluch für das Volk sein werden. Mose hat dieses störrische Volk mit viel Mühe und Zorn und Eifer und Anstrengung einen Weg geführt, der real eigentlich nur drei Monate gebraucht hätte. Aber der Mangel an Glauben hat es notwendig gemacht, viel viel länger unterwegs zu sein, damit das Volk lernt, auf Gott zu vertrauen und seine Wege zu gehen.Bei den vielen Möglichkeiten, die wir heute haben, uns durchs Leben zu navigieren und selbst ernannten Heilsbringern zu folgen, ist es gut und notwendig, immer mal wieder zu hören und zu Herzen zu nehmen: "Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst."
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Seit gestern sind wir 15 Jahre hier in Olpe im Konvent San Damiano. Es ist, wie es wahrscheinlich Ihnen auch geht. Was, schon so lange? Wie, ich dachte das sei erst ein paar Jahre her? Daran merken wir schon, dass uns unser Zeitgefühl echt täuscht. Es ist auch eben ein Gefühl und nicht die perfekte Zeitmessung. Ich erinnere mich noch genau an den Einzug: wir hatten jede ein Bett und einen Stuhl, in den Bädern gab es schon Lampen und in der Küche. Fürs Wohnzimmer hatten wir einen Tisch und vier Stühle und wir hatten eine transportable Stehlampe, die wir überall dort mit hingenommen haben, wo wir Licht brauchten. Irgendwie war es witzig, chaotisch, nervig, alle Tage noch Handwerker im Haus und noch keine richtige äußere Ordnung. Aber es gab die festen Zeiten am Morgen mit der Laudes und am Abend mit der Vesper. Und im Flur sitzend, weil die Kapelle noch nicht fertig war haben wir gesungen: "Dir, o Herr, will ich singen und spielen, ich will auf den Weg der Bewährten achten“. Ja genau, wir waren ja im Laufe der damals fast 150 Jahre Olper Franziskanerinnen nur eine weitere Neugründung eines Konventes im Dienst an den Menschen. Schon mehrere tausend Schwestern in Deutschland, den USA, auf den Philippinen und in Brasilien haben immer wieder neu begonnen, sind aus ihren Konventen ausgezogen und haben neu gegründet. Uns ging es damals also wie vielen jungen Leuten, die heiraten oder eine Partnerschaft gründen und einen neuen Bund in einer neuen Wohnung oder einem Haus gründen. Im Psalm 101 heißt es: "Von Gnade und Recht will ich singen, Dir o Herr will ich spielen und will auf den Weg der Bewährten achten". Auf den Weg der Bewährten achten ist ein unterschriebener Dauerauftrag an uns Christen, auf den Weg unserer Vorgänger und Vorgängerinnen zu achten und Vorbilder zu finden dafür, wie es gehen kann, miteinander zu leben, zu beten, zu arbeiten und zu feiern. Unsere Vorbilder waren und sind Jesus Christus, von dem wir glauben, dass er uns berufen hat und für uns auch Franziskus und Mutter Maria Theresia und unsere Vorgängermitschwestern und unsere Eltern und, und, und … Gehen Sie auch heute auf den Weg derer, die Ihnen bewährtes Vorbild für Ihr Leben sind.  
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Ein neuer Montag, eine neue Woche haben angefangen. Und die ziemlich verrückte vorige Woche ist ein bisschen nach hinten gerückt: der Wahlsieg von Trump – nun gut, wenn es die Amerikaner so wollen, der Rauswurf der FDP – nicht zum ersten Mal in den letzten Jahrzehnten, der Druck auf den Kanzler, schneller zu agieren, die Angst in der Ukraine vor dem nächsten Kriegswinter und der nachlassenden Hilfe aus den anderen Ländern und so weiter. Und wir? Wir Christen denken heute an einen Mann, der als junger Soldat gemacht hat, was er auf keinen Fall machen durfte. Er hat keinem Befehl gehorcht, sondern seinem Herzen! Wo gibt es denn sowas? Wo kämen wir hin, wenn selbst Befehlen gehorchen nicht mehr funktioniert. Das hätte bei Martin ziemlich ins Auge gehen können. Er hat den einzelnen frierenden Bettler von seinem hohen Ross aus, nicht übersehen, obwohl es viele frierende Bettler in jener Zeit gab, um die sich die Regierung gefälligst hätte kümmern können. Er hat sein Schwert gezückt und den Mantel geteilt, der ihn selbst und das Pferd bedeckt und warmgehalten hat. Der Haken an der Sache: der Mantel und das Schwert und das Pferd gehörte nicht ihm, sondern dem Kaiser und es war bei Strafe verboten, etwas, was dem Kaiser gehörte, einfach wegzugeben oder sogar zu zerstören. Und die Legende, die sich im Volk bis heute gehalten hat sagt, dass in der Nacht darauf, Christus dem Nichtchristen Martin erschienen ist, bekleidet mit dem halben Mantel und dem Dank für das offene Herz und den geteilten Mantel. Sehr viel später kann Martin den Dienst im Gefolge des Kaisers endlich quittieren und Nachfolger dieses Jesus Christus werden, der frierend und bettelnd an den Straßen der Welt sitzt und auf Hilfe wartet. Und er wird ein sehr anderer Christ und Bischof, als viele andere vor und nach ihm. Er lebt in einer einfachen Holzhütte am Rand der Stadt und müht sich, durch die Gründung von Kirchen und Klöstern die Christianisierung des Landes zu festigen. Von Sulpitius Severus stammt die Aussage "Durch Martins Tugenden und sein Glaubensbeispiel ist der Glaube in einem solchen Maß gewachsen, dass es heute keinen Ort gibt, der nicht voll ist von Kirchen und Klöstern." Die Glaubenskraft eines einzelnen Menschen kann so groß sein, dass sie ganze Länder und Generationen begeistert und zum Glauben bewegt.
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In meinen Exerzitien in Varensell bin ich auch jeden Tag in das Chorgebet der Schwestern gegangen und ich habe gemerkt, dass es schon schön ist, wenn man einfach so da sein und zuhören kann und sich quasi so in die Gebetsgesänge hineinfallen lassen kann. Bei uns im Konvent sind wir zu Laudes und Vesper zu zweit oder zu dritt und morgens oft mit zwei Mitbetern. Und da bin ich immer gefordert ganz da und präsent zu sein. In diesem Kloster jetzt sind mehr als 20 Schwestern und mehrere Gebetszeiten sind auf Deutsch und die anderen mit lateinischer Gregorianik. Ich liebe das sehr, auch wenn ich überhaupt nicht mitsingen kann, weil die Schwestern so viele Jahre so geübt sind, dass sie in hohem Sopran diese komplizierten Notenfolgen mit strahlender Ruhe singen. Diese klösterlichen Gebetszeiten geben dem Tag Stütze und Rahmen und können auch den Gästen in Kursen oder Gastaufenthalten einen guten Zugang zum Gebet möglich machen. Eine Frau, die mit mir diese Zeit im Kloster verbracht hat, erzählte mir, dass sie verheiratet ist und Kinder hat und sich jedes Jahr eine Woche hier gönnt. Weil sie mal wieder bei sich selber ankommen will und all die Dinge bedenken, für die im turbulenten Familienalltag einfach kaum Platz und Zeit ist. Das finde ich eine gute Idee und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die in Klöstern eine Zeit verbringen zum Ausruhen, auftanken, Dinge bedenken und besprechen und mal aus ganz anderer Sicht auf ihr Leben schauen. Aus der Sicht der Schwestern, die tagaus tagein unbeirrt das Lob Gottes singen und in den Zeiten dazwischen ihre Arbeit tun, und aus der Sicht eines liebenden Gottes, der auf uns achtet und in uns und unserem Gewissen wieder mehr zu Wort kommen möchte. Gönnen Sie sich heute ein paar Minuten der Stille und der inneren Ruhe, damit genau das auch bei jeder und jedem von uns geschehen und Gott wieder neu eine Chance bei uns hat.
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In meinen Exerzitien in Varensell bin ich jeden Vormittag und Nachmittag eine größere Runde spazieren gegangen. Beim Gehen sortiert sich vieles in Herz und Hirn und Leib und Seele und frische Luft tut ein Übriges, um innen und außen erfrischt zu werden. An einem Morgen war ich also auf einem der Wege durch die Felder unterwegs und habe die unglaublich bunten Laubbäume bestaunt und die letzten Vogelzüge auf dem Weg in den Süden. Plötzlich überholt mich ein Jogger, dreht sich kurz um und ruft: "Ich wünsche ihnen Gottes Segen", "Oh danke - rufe ich zurück, - das wünsche ich Ihnen auch!" Da bleibt er stehen und meint, dass ihm das noch nie passiert sei, dass ihm auf diesen Wunsch hin, der andere genauso zurückwünscht. "Aber darum geht es doch eigentlich," sagt er weiter, "dass der Segen Gottes immer weitergegeben wird und jetzt ist hier alles voller Segen". Dreht sich um und joggt weiter. Ich war herrlich verblüfft und das Thema, mit dem ich eigentlich unterwegs war, war wie weggeblasen. Jetzt ist hier alles voller Segen, ja klar, und wenn ich Augen und Herz öffne, sehe ich es auch: die frisch, und sehr gut aufgegangene Wintersaat, die herrlich hellgrüne Reihen auf dem Acker zieht, die vollen Silocontainer an den Wiesenränder, die Hinweise auf das Einkaufen auf dem Bauernhof mit allen Köstlichkeiten der Region, der Milchtankwagen auf dem Weg in die Molkerei, der Hinweis auf die frisch sanierte und wieder nutzbare Autobahnauffahrt, ein riesiges Feld mit blühender Senfsaat und Ölrettich als Zwischenfrucht zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und so weiter. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und hatte das Gefühl, dass dieser so schnelle und freundliche Wunsch des Joggers meinen Blick auf alles ringsum sehr verändert und viel klarer gemacht hat. Einander heute segnen, laut oder leise, gibt den anderen auch diese Chance, viel mehr zu sehen und Gottes Gegenwart in der Schöpfung ringsum zu erleben. 
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