Morgenimpuls Archiv
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Die Karnevalsmuffel haben die Hochburgen an Rhein und Main längst verlassen und machen irgendwo weit weg einen Kurzurlaub. Alle anderen, mich inbegriffen, werden langsam aber sicher hibbelig und vorfreudig aufgeregt und können es kaum erwarten, dass es endlich losgeht – der vielgeliebte Rosenmontagszug. Für mich diesmal nur am Fernseher, aber für viele live und in Farbe in Köln, Mainz, Bonn oder auch in den vielen kleinen Städtchen und Dörfern. Aber, aber es ist doch immer noch Krieg in der Ukraine, da kann man doch nicht feiern? Und außerdem gibt es doch die Drohungen des IS mit Anschlägen. Ja, der Krieg dauert immer noch an und ein Ende ist nicht abzusehen und Drohungen, die Feierfreude mit Anschlägen niederzumachen, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wir feiern, weil nach all dem Schrecklichen der letzten Jahre die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Miteinander Singen und Tanzen, sich verkleiden und vergnügt sein, so groß ist. So ist das Leben: Krieg und Frieden, Freude und Leid, Angst und Jubel, Trauer und Erlösung liegen so dicht beieinander, dass es, gerade in unserer Zeit, fast mit den Händen greifbar wird. Singen gegen die Angst, zusammenschunkeln gegen die Einsamkeit, Jubeln und Lachen gegen die Mächte des Bösen und des Verderbens. Die einen mögen es Schicksal nennen, gegen das man ohnehin nichts machen kann. Aber andere, ich auch, leben eher aus einer Hoffnung und einer Gewissheit: Die Gewissheit, dass die Menschen, schon oft, unlösbar scheinende Katastrophen und Kriege überstehen und wieder neu anfangen konnten und die Hoffnung, dass da ein guter Gott ist, dem wir nicht gleichgültig sind, sondern der uns liebt und unsere Wege mitgeht – in Kreuz und Leid, in Lust und Fröhlichkeit und in allen grauenbunten Farben dazwischen. Ein Wort von Johann Wolfgang Goethe, dem großen Dichterfürsten hat mich heute überrascht und so mag ich es Ihnen gerne mit in den Tag geben. Er sagte einmal: "Wenn ich an Gott dachte, war ich heiter und vergnügt." Denken wir heute also zwischendurch immer mal an Gott und seien wir heiter und vergnügt.
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Ein Kuss ist etwas Wunderschönes. Im Idealfall besiegelt er eine wundervolle Verbindung in Liebe und ist der Start in ein neues, gemeinsames Dasein. Genauso war es am Mittwoch im Rahmedetal. Es wurde Stahlhochzeit gefeiert und es gab den lange ersehnten Hochzeitskuss. Wer vielleicht von dieser Brücke übers Rahmedetal noch nie gehört hat, versteht die Euphorie nicht ganz. Im Dezember 2021 wurde die riesige Brücke der A45 gesperrt, weil sie solche Schäden hatte, dass man einen normalen Straßenverkehr über sie nicht mehr verantworten konnte. Seitdem herrschten Chaos und Nervenschlachten. In den ersten Monaten quälte sich der gesamte Verkehr durch die Innenstadt und machte normales Leben unmöglich. Dann wurde die Strecke für LKW gesperrt, die nun weite Umwege fahren müssen. Viele Industriebetriebe im Umfeld haben mittlerweile große Probleme, weil ihre Mitarbeiter viel längere Arbeitswege haben und sich mittlerweile neue Jobs gesucht haben. Und die Lärm- und Staubelästigung ist trotz aller besserer Regulierung immer noch unglaublich. Und jetzt endlich, der Kuss. Die Stahlteile sind zusammengeschoben und verschweißt und jetzt können die Aufbauten und die Fahrbahndecke aufgebracht werden und man hofft, dass im Sommer 2026 zumindest in eine Richtung, also eine Brückenseite fertig ist. Vielleicht erinnern Sie sich an eine unglaubliche Aktion eines Kunstkollektivs. Wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sie auf 6000 Quadratmetern mit riesigen Schriftzügen "Lasst uns Brücken bauen" aufgemalt und so ihre Solidarität mit der Ukraine und als Auftrag für uns alle gemahnt. Lasst uns Brücken bauen – die Brücke aus Stahl und Beton hat nun ihren Hochzeitskuss gehabt und hat der Stadt Lüdenscheid und der gesamten Region einen unglaublichen Hoffnungsschub gegeben. Wie ist es mit unseren eigenen Brückenbaukünsten untereinander, miteinander und füreinander?
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Bonn-Beuel ist seit nunmehr über 200 Jahren die Wiege der Weiberfastnacht. Aus einer legendären Karnevalsrevolte der Beueler Waschfrauen 1824 und deren närrischem Treiben ist Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich der weltweit einzigartige Charakter der Wäscherprinzessin hervorgegangen. Einzigartig im deutschen Karneval – und gar nicht artig. Karneval gibt’s überall, Weiberfastnacht auch, aber die legendäre Wäscherprinzessin, die gibt’s tatsächlich nur in Bonn-Beuel. Seit 1958 wird sie alljährlich in einem historischen Festakt proklamiert und ist zusammen mit ihren Wäscherinnen und der Obermöhn (Möhn ist der rheinische Begriff für eine verheiratete Frau) die strahlende Einheit am Beueler Karnevalshimmel – mit überregionaler Strahlkraft.Als oberste Repräsentatin der Weiberfastnacht ist die Wäscherprinzessin der Stolz einer ganzen Region und in hohem Maße mitverantwortlich für den großen Erfolg und die Popularität der Weiberfastnacht. Das habe ich alles auf der Website der Wäscherprinzessin gefunden und ich finde es einfach herrlich. Und dann gibt es auf der kunterbunten Seite noch etwas Bedenkenswertes. Da heißt es: Man kann die Beueler Weiberfastnacht als rein karnevalistischen Akt sehen – und das soll und will sie eigentlich auch sein. Dennoch sei einmal der Gedanke erlaubt, ob nicht eigentlich viel mehr hinter dem selbstbewussten Auftritt der Beueler Waschweiber zu erkennen ist als “nur” eine kurzfristig auflodernde Flamme der Ausgelassenheit, die dann wieder bis zur nächsten Session auf halber Flamme vor sich hinkocht. In Zeiten, in denen so viel über das Rollenbild der Frauen diskutiert wird, ist die Weiberfastnacht doch so etwas wie die Entdeckung der Frauenpower. An Weiberfastnacht übernehmen die Frauen das Ruder, die Macht und geben sie erst dann wieder ab, wenn ihnen danach ist. Weiberfastnacht ist gelebte Emanzipation. Und die Männer wissen ihr nichts entgegenzusetzen – weil sie nicht wollen, weil ihnen die Hände gebunden sind, weil sie dem Charme der Wiever nichts entgegenzusetzen haben.Frauen, wie wär’s mit etwas mehr Weiberfastnacht-Power im Alltag?
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Seit 12 Tagen ist Papst Franziskus Patient in der Gemelliklinik in Rom und es geht ihm nicht gut. Und so versammeln sich immer wieder große Pilgergruppen auf dem Petersplatz, um gemeinsam für den Heiligen Vater zu beten. "Ich sende ihm meine Gebete, dass er Kraft bekommt und Geduld behält", sagt eine Pilgerin aus Mexiko. Das gefällt mir sehr gut. Es ist realistisch. Sie betet nicht um Gesundheit und ein langes Leben für Franziskus, weil sie, wie wir alle wissen, dass er mit 88 Jahren schon ein langes Leben hat und man in dem Alter eben oft nicht mehr gesund ist und auch nicht mehr gesund wird. Aber sie betet, damit er Kraft bekommt. Kraft für die Annahme dessen, was kommt und die Kraft, noch zu tun, was ihm wichtig ist. Und sie betet, dass er die Geduld behält. Und Franziskus selbst hat immer gesagt, dass Geduld nicht seine Stärke ist und dass es ihm oft alles zu langsam geht. Also ist die Bitte für ihn um Geduld, ebenso eine gute Idee.Mir ist in diesen Tagen ein anderes Bild in den Kopf gekommen: der menschenleere Petersplatz Ende März 2020, als die Corona-Pandemie weltweit zu wüten begonnen hatte. Und dann ganz allein der Papst in Gebet und Predigt für die Menschen auf der weiten Welt. In seiner Predigt lud Franziskus damals dazu ein, für sich zu entscheiden, "was wirklich zählt und was vergänglich ist". Es sei "die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten", so der Papst. "Wir haben vor deinen Mahnrufen, Herr, nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört", so der Papst. "Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: "Wach auf, Herr!" und hilf uns.Hier wird nochmal sehr deutlich, worum es ihm geht: um das neu ausrichten auf den Herrn und auf die Mitmenschen. Und dazu gebe Gott uns und ihm genügend Kraft und Geduld.
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Am Samstag haben wir das Kinderhaus "Alinchen" hier in Olpe eingeweiht. "Ist Alinchen nicht zu despektierlich" hat einer der Vorgesetzten der Einrichtungen vorsichtig gefragt. Oh nein, auf keinen Fall, war meine Antwort. Alinchen ist die liebevolle Verkleinerungsform für Aline, welcher der Spitzname unserer Ordensgründerin ist und unter deren Namen unsere Mutter-Kind-Einrichtungen agieren. Im Gebäude ist auf einer Etage eine Kitagruppe und auf der anderen Etage jetzt eine Betreuungsgruppe für Kinder, deren Mütter oder Väter in einem unserer Mutter-Kind-Häuser mit ihnen leben und selbst eine Ausbildung oder einen Schulabschluss machen. Zu ihrer Unterstützung ist dieses neue Angebot gedacht. Aus mehreren anderen Einrichtungen wurden Möbel und Materialien geschenkt und ein großes Einrichtungshaus hat einen kompletten Raum gestaltet - mit Anstrich, Gardinen, Möbeln, Betten, Materialien usw. Die Einweihung, die wir mit einem Wortgottesdienst begonnen haben, war sehr kindgerecht gestaltet und auch so, dass die Mütter oder Väter, die meist keiner Religion angehören, sich gesehen und wohl gefühlt haben. Die Kinder krabbelten zwischen unseren Füßen herum und haben gespielt und zufrieden gebrabbelt. Aber immer, wenn wir den Kehrvers: "Ich will Dir danken, weil Du meinen Namen kennst" gesungen haben, waren sie ganz still, haben aufgeschaut und die Ohren gespitzt. Gott kennt unsere Namen, weil er der Gott unseres Lebens ist und wir haben die Aufgabe, den Kindern den Start ins Leben so gut und richtig wie möglich zu gestalten. Gerade Müttern und Vätern, die es bisher schwer im Leben hatten, und sich trotzdem für ihr Kind entschieden haben, brauchen die Hilfe und Unterstützung der Gesellschaft, der neuen Regierung und des Bundestages und der Kirchen. Und wir hoffen im Namen der Mütter und Väter und Kinder unserer Einrichtungen, dass die Kinder mehr gesehen und respektiert und mehr in Bildung und Betreuung investiert werden wird.
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Am Donnerstag ist schon Weiberfastnacht und im Rheinland und sonst noch an vielen anderen Orten geht der Straßenkarneval los. Und die wichtigsten Leute sind dann in Köln: Prinz, Bauer und Jungfrau. Bis die drei es bis dahin geschafft haben, gibt es einen langen Bewerbungsmarathon zu bestehen und sie müssen sich gegen viele Mitbewerber durchsetzen. Dann müssen sie von der Bürgermeisterin abgenickt werden und dann Presse und Medientraining machen, ihr Auftrittsprogramm vorstellen, Fotos machen lassen und Autogrammkarten, die Ornate schneidern lassen und ein halbes Jahr lang jede Woche Planungssitzungen abhalten.Vor knapp 2000 Jahren gab es auch einen Platz neu zu besetzen: Judas Iskarioth hatte sich erst durch seinen Verrat aus der Gruppe der Apostel disqualifiziert und sich dann das Leben genommen. Jetzt wurde jemand gesucht, der dessen Stelle im zwölfköpfigen Team Jesu einnehmen könnte. Wie war da das Bewerbungsverfahren? Was musste eingereicht werden, um genommen zu werden?Es steht relativ lapidar in der Apostelgeschichte: Einer von den Männern, die mit uns zusammen waren in der Zeit, als der Herr Jesus bei uns ein und ausging – einer von diesen muss mit uns Zeuge für seine Auferstehung sein. Und dann stellten sie zwei Männer auf, beteten zum Heiligen Geist und ließen sie ein Los ziehen. Und das Los fiel auf Matthias und er wurde den Aposteln zugerechnet.Klingt easy und ziemlich relaxt. Und es trifft eigentlich – nein, nicht eigentlich, sondern wirklich – auf alle Christen zu: Sie sollen mit allen, die Jesus nachfolgen wollen, Zeugen der Auferstehung sein. Niemand von uns muss, um Christ zu sein, Bewerbungsschreiben verfassen, Medientraining machen und Autogrammkarten drucken. Sie und er müssen nur Zeugen für Jesu Auferstehung sein. Glaubwürdig und echt.
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Zum Weihnachtsfest haben wir viele schöne Karten und Grüße erhalten. Die aber für unser Gefühl absolut treffendste sah aus wie ein Wahlschein für die Bundestagswahl am Sonntag. Bei der Erststimme war nicht nur ein Kreuz gemacht, sondern ein Stern und der Stern schlug einen Bogen zur Seite, wo eine Krippe dargestellt war mit demselben Stern darüber. Aber der Clou war die Überschrift: Gott wählt den Menschen. Er wählt den Weg des Menschen für seinen Sohn, damit er die Menschen wieder mit Gott versöhnen konnte. Das haben wir an Weihnachten und den Festen danach gefeiert und erinnern uns in jedem Jahr daran, dass Gott Mensch wird um mit den Menschen zu sein.Ein bisschen einfach formuliert kann man jetzt sagen: Wählen wir am Sonntag wie Gott. Wählen wir Menschen, bei denen wir am ehesten überzeugt sind, dass nicht Hass, Hetze, Spaltung und wirtschaftlicher Unsinn im Programm stehen, sondern wählen wir Menschen, denen es um die Menschen in unserem Land geht. Und ziehen wir uns selbst auch nach der Wahl nicht aus der Verantwortung für die Menschen in unserem näheren und weiteren Umfeld.In den letzten Zeilen des Evangeliums vom Sonntag heißt es: "Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden."Geben wir verantwortungsvoll unsere Stimme und geben wir engagiert unsere Fähigkeiten und Kräfte den Menschen, die sie brauchen. Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern.
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Am kommenden Sonntag ist die Bundestagswahl und ich habe mir mal das Evangelium vom kommenden Sonntag angeschaut und bedenke es in dieser Woche mit Ihnen. Im 6. Kapitel des Lukasevangeliums heißt es da aus dem Mund Jesu: "Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!"Nein, wir nennen das ja nicht so schnell richten oder verurteilen. Wir nennen es eher tratschen, hinterm Rücken reden, verächtliche Blicke schicken, Posts mit falschen Namen auf Facebook, Insta oder X teilen oder sogar selbst verfassen, die Nase rümpfen oder die Augen verdrehen. Es gibt viele Formen des Richtens und Verurteilens und leider können viele von uns das ziemlich gut. Sich ein Urteil bilden ist etwas völlig anderes als zu ver-urteilen. Es ist immer notwendig zu schauen, was ist und wie ich dazu stehe. Vor jeder noch so kleinen Entscheidung muss ich kurz bedenken, was ist, was es nützt, ob es gut ist. Ob beim Einkauf, in der Familie, am Arbeitsplatz, beim Sport, in der Freizeit. Immer. Sehen, Urteilen und Handeln ist ein Urprinzip des guten Lebens. Aber Verurteilen ist wie das alte Wort dafür: Ehrabschneiden – einem anderen die Ehre abschneiden, absprechen, für immer ins Abseits stellen.Jesus warnt und sagt: Tut das nicht, dann wird es auch euch nicht getan. Hier ist wieder dieser Appell an das eigene Herz und die grenzenlose Barmherzigkeit, die hilfreich ist im Umgang miteinander. Und wenn es doch passiert? Wenn wir doch falsch geurteilt oder sogar verurteilt haben? Dann sagt Jesus: "Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen." Kinder würden jetzt sagen: "Och nee, immer ich. Immer soll ich zuerst wieder die Hand geben." Uns, den erwachsenen Gotteskindern, bleibt dieser Auftrag Jesu immer: Verurteilt und richtet nicht. Dann werdet ihr das Antlitz der Erde erneuern.
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Am kommenden Sonntag ist die Bundestagswahl und ich habe mir mal das Evangelium vom kommenden Sonntag angeschaut und bedenke es in dieser Woche mit Ihnen. Im 6. Kapitel des Lukasevangeliums heißt es da aus dem Mund Jesu: "Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!"Das klingt wunderbar und scheint sehr einfach. Aber nur beim ersten Hinhören. Es ist nicht das "wie Du mir, so ich Dir", wenn mir der Andere Gutes tut, dann tu ich das auch, also als immer nachfolgendes Geschehen. Sondern es heißt: "Wie ihr wollt, wie ihr es euch wünschen würdet, wie ihr es gern hättet, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch Ihnen." Ich darf also zunächst davon ausgehen, in meinem Herzen meine Wünsche und Sehnsüchte und auch meine Hilflosigkeit und Angst zu sehen und dann daran zu denken, dass auch mein Mitmensch, mein Nachbar, mein Kollege die ähnlichen Wünsche und Sorgen hat und dann schon quasi im Voraus und als Erste zu geben was er braucht, zu tun, was ihm hilft, zu sagen, was ihr aus der Tiefe aufhilft.Und dann verstehe ich auch immer mehr, dass dieser Satz als die Goldene Regel im Evangelium steht und wenn ein Mensch sein Leben lang nur das getan hat, er ein wunderbarer Nachfolger seines Gottes ist. Ja, genau: Seines Gottes. Denn diese Goldene Regel gilt in allen großen Weltreligionen: im Judentum, im Christentum, im Islam und Buddhismus, im Hinduismus und in den chinesischen Religionen.Bei Jesus gibt es dann noch ein paar nachfolgende Herausforderungen: "Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder." Hier bekommt die goldene Regel die gesamtgesellschaftliche Dimension. Diese Forderung Jesu bedeutet für heute: Bleibt nicht in eurer Kirchenblase, im engen Umfeld eures Dorfes, eures Viertels, eures Vereins. Wendet diese Goldene Regel auf alle an. Dann werdet ihr das Antlitz der Erde erneuern.
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Am kommenden Sonntag ist die Bundestagswahl und ich habe mir mal das Evangelium vom kommenden Sonntag angeschaut. Im 6. Kapitel des Lukasevangeliums heißt es da: "Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück!"Das ist wieder so ein Satz, der uns eigentlich gar nicht mehr aufregt, weil wir ihn so hören und kaum noch die Sprengkraft seiner Aussagen in der Zeit Jesu im Hinterkopf haben.Jesus spricht mit diesen Worten nicht die Regierenden in ihrer Arbeit an. Ja, natürlich, der Staat muss Diebstahl verfolgen, soll sich auch um die Armen und Hilfsbedürftigen kümmern und wenn seine Sozialsysteme missbraucht werden, dann muss er dagegen vorgehen. Jesus spricht in unseren Predigtworten zu denen, die ihm zuhören. Er spricht uns alle als seine Jünger an und schaut auf unser persönliches Leben. Und er meint nicht nur unsere Hände, die geben sollen, was möglich ist, sondern er meint auch unser Herz. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Es geht um unser warmes, gütiges und mitleidendes Herz. Dieser Umkehrschluss ist der Entscheidende. Wenn ich jeden Tag erkennen kann, wie barmherzig Gott mit mir und meinen Schwächen ist, wie kann dann ich, diese Barmherzigkeit für mich behalten? Bei Franz von Assisi, unserem Ordensvater, gibt es in einem Brief an den gesamten Orden eine entsprechende Ermahnung. Er schreibt: "Behaltet darum nichts von euch für euch zurück, damit euch ganz aufnehme, der sich euch ganz hingibt”Wenn ich all das Gute schätze und achte, dass ich in meinem Leben bisher erhalten habe, dann sollte es das Gebot der Stunde sein und bleiben, mit Herz und Hand zu geben, was möglich ist, um dem Mitmenschen zu geben, was er zum Leben braucht. Und trotzdem bleibt es ein Stachel in mir, wenn es mir nicht gelingt, und das ist auch gut so und zeigt mir, dass mich dieser Text doch immer noch aufregt und anregt.
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Für diese Woche stehen viele Termine in meinem Kalender. Und eben sehr viel Verschiedenes:- die täglichen Impulse hier im Domradio - Besuche im Schwesternaltenheim - Sitzungen verschiedener Gremien - Chorprobe – Arzttermin - Karnevalssitzung mit den Frauen an St. Martinus - Nacht der Lichter mit Gesängen aus Taizé und ihrem ganz eigenen spirituellen Glanz - Einweihung einer neuen Einrichtung zur Kinderbetreuung, die wir Schwestern vornehmen - Gottesdienste und Gebetszeiten – eine größere Einkaufstour – und dann am Sonntag die Bundestagswahl.Bei Ihnen ist es garantiert oft ebenso, wenn auch mit anderen Inhalten. Und dann ist das eine, die Übersicht zu behalten, das zweite, nicht nur den Terminen nachjagen oder von ihnen gejagt werden und das dritte, in Hirn und Herz zu behalten, worum es mir in dieser Woche insgesamt geht. Und dann habe ich mir mal das Evangelium vom kommenden Sonntag angeschaut und bin überrascht, wie gut dieser Text aus dem Lukasevangelium im 6. Kapitel zu dem Herangehen auf Termine und Jobs und noch mehr zum Herangehen auf die Wahl passt. Schauen wir in dieser Woche mal jeden Tag auf einige Zeilen aus diesem Evangelium. Da heißt es: "In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!" Und ehrlich gesagt ist das jetzt für viele Menschen ein sehr kritischer Punkt: Politiker von ganz oben in der Regierung bis ganz unten in den Kommunen, können ein Lied davon singen, wie sie gehasst, verflucht, beschimpft und beleidigt, sogar bedroht werden. Das eine ist dann, dass das wirklich verfolgt und belangt werden muss, um Recht und Gerechtigkeit zu bewahren. Und die andere Seite ist der Umgang jedes Betroffenen damit. Diese Verse: "Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!" waren immer ein Stachel im Gerechtigkeitsgefühl der Menschen und werden immer der Ernstfall für Christen bleiben.
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Hier schneit es dieser Tage wieder und es ist winterkalt. Und ich habe beim Sortieren meiner Weihnachtspost viele nochmal gelesen und dann weggetan. Und dann sind mir zwei in den Händen geblieben. Zwei Karten mit der Zeile "Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, aus Jesse kam die Art". Aus irgendeinem Grund habe ich sie angeschaut, nochmal gelesen, mich gefreut und dann ganz unten hinten das Kleingedruckte gesehen. Da war eine Anleitung drauf: "Dies ist Samenpapier. Reißen sie die Karte in kleine Stücke und lassen sie diese 24 Stunden in Wasser liegen. Dann mit Erde in einen Topf und immer gut feucht halten. Nach 10 bis 14 Tagen werden die Blumen sprießen" Ich werde es am Wochenende mit Vergnügen tun und bin schon jetzt vorfreudig auf das, was da kommen wird. Da habe ich für mich zwei schöne Erkenntnisse. Zum einen ist es manchmal tatsächlich gut, das Kleingedruckte zu lesen, was ich sonst nicht so tue. Und dann ist es doch eine herrliche Einladung, gespannt auf das zu Warten, was da kommen wird. Und das etwas kommen wird, war ja im Kleingedruckten verheißen worden. In der heutigen Lesung sind auch so zwei Zeilen, die wie das doch sehr bekannte Kleingedruckte wirkt. Da heißt es: "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehren irreführen!"Im Moment werden wir scheinbar überschwemmt mit fremden, irreführenden Lehren und Botschaften und Wahlslogans und Versprechungen für die Zeit nach der Wahl. Und da ist es sehr notwendig immer wieder zu schauen, wie kann ich mit dem was ich glaube und hoffe verantwortungsvoll umgehen und meine Wahlentscheidung nach dem treffen, was in den Programmen so steht und wo es am Ehesten die Möglichkeit gibt, dass es auch umgesetzt wird. Dann ist es auch wirklich gut, sich die Mühe zu machen und das scheinbar Kleingedruckte dort zu lesen und mit dem scheinbar Kleingedruckten, in der frohen Botschaft in Beziehung zu setzen. "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehren irreführen!"
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Immer wieder rufen bei uns Leute an und erkundigen sich nach der einen oder anderen Schwester und fragen, ob sie noch leben, wo sie sind und ob man sie noch besuchen kann. Und wenn ich das alles beantwortet habe, dann frage ich, was sie denn mit der Schwester verbinden. Und dann kommen oft Erlebnisse und Ereignisse in früheren Jahren bei persönlichen Problemen oder schlimmen Unfällen oder Todesfällen, wo die Schwester die auffangenden Arme hatte, immer zum Gespräch da war oder sogar im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern oder Kranken eingesprungen ist. Heute tragen wir eine Schwester zu Grabe, bei der Generationen von Mädchen und jungen Frauen Nähen gelernt haben. Viele Jahre hat sie von Montag bis Samstag Nähkurse gegeben. Und, das erzählen Anruferinnen oft, sie haben bei ihr sehr viel mehr gelernt als Nähen. Sie haben Gebete und Gedichte gelernt und Lieder und Gesänge. Sie haben, je nach Jahreszeit und Zeit im Kirchenjahr, Tipps und Ideen bekommen, wie man Advent, Weihnachten, Fastenzeit und Osterzeit gestalten kann und wie das innere und äußere Leben zusammengehören können. Und vieles davon haben sie ihr ganzes Leben lang so gehalten. Ich bin beeindruckt davon. Ich habe diese Schwester in ihren letzten, eher schwierigen Jahren mit Krankheit und Leid und Schwerhörigkeit erlebt und mich immer gefreut, wenn etwas aufgeblitzt ist von ihren früheren, fröhlichen Liedern und Gesängen, die sie auch mit endlos vielen Strophen immer noch auswendig konnte. Immer mal habe ich sie, wenn sie sich mühsam im Rollstuhl durch die Flure bewegt hatte, an einer kleinen Marienstatue beten gesehen, und dann war sie so versunken, dass sie den Trubel ringsum nicht bemerkt und sich nicht hat beeindrucken lassen. Seien wir dankbar für das Lebens- und Glaubenszeugnis so vieler älterer und alter Mitschwestern, Verwandten und Bekannten, die in allem, was sie in den früheren Jahrzehnten getan und gebetet haben, oft so viele Menschen bewegt, beeindruckt, begleitet und geleitet haben, ohne davon selbst viel Gedöns zu machen, wie man in Köln sagen würde. Und immer an solchen Tagen ist es mir wichtig zu bedenken, wie sehr wir selbst heute Vorbilder und Begleiter anderer sind, in allem, was wir tun und lassen und sagen und beten.
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Es klingelt an der Haustür und da ich in meinem Büro bin und dort keine Kamera habe, gehe ich immer mit etwas angehaltenem Atem an die Tür. Man weiß ja nie. Selbst in unserem beschaulichen Städtchen ist es nicht mehr so ohne, einfach die Tür auf zu machen, ohne sich zu vergewissern, wer da draußen steht. Diesmal ist es ein Pärchen und ich grüße freundlich und ein bisschen verblüfft. Und die beiden schauen auch etwas irritiert und sie bricht die kurze Verwirrung mit der Bitte: "Wir haben einen Termin zum Gespräch für unsere kirchliche Trauung" und mir ist dann rausgerutscht: "Das ist bei uns im Kloster aber eher selten" Wir haben alle drei gelacht und ich habe sie drei Häuser weiter ins Pfarrhaus geschickt. Und dann haben sie noch auf das Schild am Haus geschaut und gelesen, dass hier Olper Franziskanerinnen leben und dann kam ihr Erstauntes: "Ach, wusste ich gar nicht, dass es hier ein Kloster gibt!" Wir haben uns verabschiedet und die beiden sind drei Häuser weitergegangen zu ihrem Termin mit dem Pfarrer, ich bin schmunzelnd zurück in mein Büro und habe Gott gedankt, dass es Menschen gibt, die ihr gemeinsames Leben unter seinen Segen stellen wollen. Und dass es jetzt zwei junge Leute mehr gibt, die wissen, dass es da mitten in der Stadt ein Kloster gibt und man da klingeln und fragen kann und eine Auskunft bekommt und Wegweisung. Und gestern waren es verschiedene Schulklassen unserer Franziskusschule, die am Grab der Gründerin ihrer Schule waren und mit der jeweiligen Klassenlehrerin einen Abstecher um die Ecke zu uns gemacht haben. Eine der Klassen war mit mir zum Klostertag im Mutterhaus und als ich sie begrüßt habe, hat ein Mädchen mich erkannt und hocherfreut gesagt: "Ach hier wohnen Sie. Dann weiß ich das jetzt auch. Das ist gut" Ich hatte ihnen vor Wochen an dem Tag erzählt, wo ich wohne. Aber das eine ist das Wissen und das andere ist die freudige persönliche Entdeckung und dieses: Das ist gut. Ich habe es übersetzt in "Gut zu wissen und zu kennen und vielleicht brauch ich das mal" Türen öffnen kann auf viele Weisen geschehen und ein freudiges oder auch verblüfftes Erkennen ist eine gute Weise, in guten Kontakt zu kommen und das Zusammenleben in der Stadt leichter zu machen. Und dann kommt noch ein DHL-Bote, eine Frau, die etwas abgeben möchte und ein Mann, der alle paar Monate kommt und Kaffee und Brot und Zeit möchte. Es gilt für alle: Tür und Herz und Hände öffnen.
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Mitte der 70er Jahre gab es mal einen kleinen Schlager: "Ich glaube an Wunder" und es geht am Ende um die Liebe zwischen ihm und ihr, die einfach wunderbar ist. Glauben Sie eigentlich an Wunder? Wir nüchternen Deutschen sind da doch eher skeptisch. Aber auch viele von uns haben schon Dinge erlebt, die so unerklärlich und so gegen jede Logik und jede Art von wissenschaftlichem Denken sind, dass wir gelegentlich eine Ahnung haben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht nüchtern und rational erklären können. Am 11. Februar 1858 sieht das vierzehnjährige Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsgrotte bei Lourdes zum ersten Mal die "Dame", die sich als "die Unbefleckte Empfängnis" vorstellte. Bernadette hatte diesen Namen für Maria noch nie gehört und es machte ihr Mühe, ihn richtig weiter zu geben. Die Erscheinung wiederholte sich bis zum 16. Juli an weiteren siebzehn Tagen. Dabei hat Maria die Menschen zur Wallfahrt an diesen Ort, vor allem aber zu Gebet und Umkehr zu Gott eingeladen. Zu der Grotte, in der auch eine Quelle entspringt, sind seither Millionen von Pilgern mit ihren leiblichen und seelischen Nöten gekommen. Seitdem soll es dort rund 30.000 Heilungen gegeben haben; 6.000 sind dokumentiert und 2.000 davon gelten als "medizinisch unerklärlich". Nur 70 Heilungen wurden von der Kirche als Wunder eingestuft. Aber der Glaube der Pilger weiß viel mehr. Ich habe Menschen erlebt, die eine Reise nach Lourdes geschenkt bekommen haben und tatsächlich aus Neugier gefahren sind. Und sie sind nach Hause gekommen mit einem inneren Getröstetsein, mit einer Gewissheit von Gottes Nähe und Güte, dass man das sogar als Außenstehende das gespürt hat. Trauen wir Gott eigentlich wunderbare Geschehnisse zu? Ein Gast hier bei uns im Konvent hat mir mal eine Postkarte dagelassen, die mich seitdem sehr unmissverständlich auffordert. Da steht nämlich ganz einfach: "Sei realistisch. Plane ein Wunder."