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Wir haben gestern mit dem dritten Fastensonntag die nächste Phase der Fastenzeit begonnen. Diese Zeit ist immer wieder die besondere Zeit, um auf Grundlagen unseres Handelns als Christen zu schauen. Barmherzigkeit als das etwas aus der Mode gekommene Wort - für dieses Handeln wird am deutlichsten im Matthäusevangelium beschrieben. Da heißt es: "Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mir Kleider gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen."Aus diesem Text haben sich von Anfang des Christentums her die sieben leiblichen Werke entlehnt. Das ist das ganze Hilfs-Spektrum unseres Lebens, wenn wir in Not sind: - wer hungert, braucht keine frommen Worte und guten Trost, sondern Essen, - wer durstig ist, braucht keine Lebensberatung, sondern genug zu trinken für Leib und Seele,- wer in der Fremde strandet, braucht keine Unterrichtsstunden über die Vorzüge des Landes, sondern Unterkunft und Aufnahme, - wer nackt ist, braucht keine moralischen Vorträge, sondern passende Kleidung, - wer krank ist, braucht erstmal keine Lehrfilme über Gesundheitsberatung, sondern Pflege, Hilfe und Medikamente, - wer im Gefängnis sitzt, braucht keine erhobenen Zeigefinger, sondern Besuch und Kontakt und Beziehung,- und für die Toten braucht es eine würdevolle Begleitung auf dem berühmten letzten Weg, weil er und sie niemals ihre Würde verlieren.Bei den sieben leiblichen Werken der Barmherzigkeit wird ganz leicht ganz deutlich: nicht reden, sondern tun ist dran und erste Hilfe zum Leben und Überleben.
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Auf dem Weg nach Bonn mit dem Auto habe ich ziemlich gut in der Zeit gelegen und war schon vorfreudig, dass ich zu meinem Termin überpünktlich da sein würde. Mein Navi hat mir noch 15 Kilometer angezeigt. Für diese 15 Kilometer habe ich dann aber 30 Minuten gebraucht. Und hinter mir, ein riesig wirkender LKW, der bei jedem Bremsmanöver gefühlt auf mein kleines Auto aufgefahren ist.Und ich hatte die Hoffnung, dass sein Fahrer munter und ausgeschlafen ist und mit voller Konzentration dieses nervige Stopp and Go fahren kann. Dann ist er abgebogen und eine junge Frau mit Kopftuch in einem Kleinwagen fährt jetzt hinter mir. Und immer wenn ich aufschaue und sie im Spiegel sehe, lächelt sie und nickt mir zu. Ich lächle zurück und wir spielen dieses Freundlichkeitsspiel solange, bis ich abbiegen muss. Ein bisschen war es wie ein verschmitztes: wir Schleierträgerinnen achten aufeinander. Manchmal hängt tatsächlich das eigene Wohl oder Wehe und das der Menschen an unserem Weg, an ganz alltäglichen Dingen: ausgeschlafene und muntere Verkehrsteilnehmer, ein freundliches Lächeln und ein aufmunterndes Nicken. Der oft so hektische Straßenverkehr und Berufs– und Lebensalltag sind für niemanden immer besonders leicht. Aber es trotzdem relativ leicht, sich gegenseitig die Last leichter zu machen, sie tragen zu helfen. Das erscheint so easy und mancher denkt jetzt vielleicht: dass es doch eher die großen und heroischen Entschlüsse und Taten sind, die einem Menschen das Leben retten, eine Kirche zur Umkehr zwingen, einer Gesellschaft den Ruck zum Guten verordnen. Ich merke, dass es eher die vielen täglichen kleinen Taten und Gelegenheiten sind, die einander spürbar helfen und die Last des Lebens leichter machen. "Einer trage des Anderen Last" so erfüllt ihr Christi Gebot.
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Gestern haben wir ein großes Fest gefeiert. Am Fest des heiligen Josef haben wir hier in Olpe nach vier Jahren Bauzeit die neugestalteten Räume unseres Mutterhauses gesegnet. Mit einem Wortgottesdienst in der Mutterhauskirche mit allen Schwestern, den Vertretern der vielen Baufirmen und Gewerke und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer gemeinnützigen Gesellschaft, die die Werke unserer Ordensgemeinschaft weiterführen und immer weiter ausbauen.Das Evangelium, das wir ausgesucht hatten, war das Gleichnis vom klugen Bauherrn, der den Boden tief aushebt und das Fundament auf den Felsen setzt. Und als Sturm und Fluten kamen, konnten sie dem Haus nichts anhaben, weil es auf einen Felsen gebaut war. Beim Zuhören fiel mir natürlich ein, dass ich mal mit einem Hausmeister bis in den tiefsten Keller geklettert bin, weil er mir zeigen wollte, dass das Mutterhaus tatsächlich auf Fels gebaut ist.Was ist bei uns, bei mir, bei Ihnen auf Felsen gebaut? Ist unser Christsein, unser Getauftsein, unser Katholischsein standsicher und felsenfest gebaut? Und worauf? Auf gute Traditionen oder auf gute Erziehung zuhause oder auf gemeinsames Begehen aller Feste und Feiern unserer Kirche? Oder ist es tatsächlich auf Jesus Christus gebaut. Auf seine gute Botschaft vom liebenden Gott, der uns durchs Leben begleitet und leitet und in allen Höhen und Tiefen mit uns unterwegs ist? Ich hoffe es für mich und Sie und uns alle sehr. Und dann können die Stürme, die uns zur Zeit bewegen, die Krisen und Kriege um uns in der Welt toben, wir werden nicht untergehen und das Haus unseres Glaubens wird nicht einstürzen.Nach dem Wortgottesdienst sind wir in zwei großen Prozessionen durchs Haus gezogen und haben die neuen Räume gesegnet, bestaunt und angeschaut und danach – nach gut katholischer Art – mit allen zusammen im großen Speisesaal gegessen und getrunken, weil Speise und Trank Gottes Gabe ist und Leib und Seele zusammenhält.
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Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Josef. Viele Ordensgemeinschaften stehen unter seinem Patronat und ich habe hier eine der vielen überlieferten Geschichten unserer Schwestern, die das unglaubliche Vertrauen unserer Gründerin in den Heiligen Josef so schön beschreibt.eute Mutter Theresia Bonzel begann mit ihren Schwestern das Mutterhaus zu bauen, in dem ein Waisenhaus, eine Kirche, das Noviziat und ein Exerzitienhaus untergebracht werden sollte. Der Bau begann, aber die Bauarbeiten waren teuer und manchmal wusste sie nicht, wie sie die Rechnungen bezahlen sollte. Mutter Theresia hatte ein großes Vertrauen zum heiligen Josef, der ja von Beruf Zimmermann gewesen war. Also betete sie immer wieder und bat ihn um seine Hilfe. Eines Tages, als mal wieder kein Geld in der Kasse, aber eine hohe Baurechnung zu bezahlen war, hatte sie keine Idee, was sie machen sollte. Sie nahm die Rechnung, ging zur Statue des Hl. Josef in der Kirche, schob die Rechnung unter den Sockel und bat ihn, sich um die Rechnung zu kümmern. Und schon hatte sie das Anliegen vergessen und sich anderen aktuellen Problemen zugewandt. Am nächsten Tag kam ein Mann und gab, ohne seinen Namen und seine Adresse zu verraten einen Umschlag ab und sagte, man sollte den Umschlag Mutter Theresia geben. Sie bekam also den Umschlag, schaute hinein und fand genau den Betrag den sie brauchte, um die Rechnung zu bezahlen. In großer Dankbarkeit bestimmte sie dann, dass alle Schwestern in ihrem Namen den hl. Josef tragen sollten. Und so heiße auch ich heute: Sr. Maria Katharina vom heiligen Josef. Wenn wir diese schöne Begebenheit erzählen, weiß man immer genau, was die meisten denken: "Oh, klappt das heute auch noch?" Und dann antworte ich manchmal: Wenn Ihr Vertrauen in die Hilfe des Heiligen Josef so groß ist, wie das unserer Gründerin, dann könnte es klappen.
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Am Sonntag war das Hochamt in unserer Pfarrkirche außergewöhnlich gut besucht. Das hatte mehrere Gründe: In den geprägten Zeiten gehen doch mehr Menschen zum Gottesdienst als im normalen Kirchenjahr. Im Gottesdienst wurde an verschiedene kürzlich verstorbene Gemeindemitglieder gedacht und für sie gebetet und somit waren viele Angehörige da. Und der dritte und sehr schöne Grund war die Vorstellung der diesjährigen Erstkommunionkinder, die oft mit Eltern, Geschwistern und "Omma und Oppa", wie man hier sagt, gekommen waren.So ein wenig sind es also Wegmarken, die uns auffordern zum Gottesdienst zu kommen: die Fastenzeit mit ihrer Vorbereitung auf Ostern, der Tod naher Angehöriger und den Trost, den gemeinsames Beten und Gedenken stiftet, und die Vorbereitung auf die Erstkommunion, die Vielen ein guter Grund ist, mit der Familie zusammen in die Kirche zu kommen. Es scheint mir, dass diese drei Gründe gute Hoffnungszeichen in unserem Heiligen Jahr der Hoffnung sind. Vorbereitung auf Ostern und Ernstnehmen der Österlichen Bußzeit, Gedenken der Toten und gegenseitiger Trost und Zuspruch und die Erinnerung an die eigene Erstkommunion und die Hoffnung, dass diese Kinder das Sakrament und seine wunderbare Gabe irgendwann für sich entdecken und im Beispiel der Eltern und der vielen Menschen in der Kirche eine gute Wegmarkierung erleben.Vor uns in der Bank saß eine Familie mit zwei Kindern und das jüngere Mädchen hatte immer wieder Fragen an die Mama. Und diese hat leise und geduldig erklärt und nur manchmal das Kleine gemahnt, leise zu fragen. Und erst kurz nach der Wandlung hat die Kleine das Malheft und die Stifte ausgepackt, weil ihr langweilig war. Aber sie hat sie nicht gebraucht, weil alle Kinder zum Vaterunser nach vorne gerufen wurden und sie mit dem großen Bruder und dem Teddy im Arm zum Altar gegangen ist und dann noch der Gang zum Segen mit Mama und Papa dran war. Und auf dem Rückweg zur Bank hatte ich meine Freude an ihrem Strahlen und dem begeisterten Hopsen.Gottesdienst war auf einmal gar nicht mehr langweilig.
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Zur Fastenzeit gehören ja schon immer die guten Werke, um dem Nächsten in Notsituationen beizustehen und in der Not ganz konkret zu helfen, soweit es die eigenen Möglichkeiten zulassen. Ein Exerzitienmeister hat mir einmal sehr die Augen geöffnet, als er in seinen Vorträgen klargemacht hat, dass Barmherzigkeit DAS Wort in der Bibel ist. Unsere christliche Tradition kennt je sieben leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit, die von ihren Ursprüngen an als Hilfe gegen existentielle und situationsbedingte Nöte zu verstehen sind. Die Aufzählung von Werken der Barmherzigkeit jedoch ist sehr viel älter als das Christentum: Schon die alten Ägypter kannten sie und im Alten Testament finden sich an vielen Stellen Beispiele für barmherzige Werke.Ich habe Lust, mit Ihnen in den nächsten Wochen immer mal wieder auf diese Werke der Barmherzigkeit zu schauen und konkret zu überlegen, was sie für mich und für Sie vielleicht heute bedeuten können. Der Kirchenvater Augustinus hat schon im 5. Jahrhundert gelehrt, dass alle Werke, die wir tun wollen, der jeweiligen aktuellen Not angepasst werden müssen. Barmherzig kann die oder der sein, der es schon selbst erlebt hat. Dass da jemand mir Gutes getan, gesagt, gemailt, gemacht hat. "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer", könnte vielleicht über unserem Montag stehen. Statt eines klug ausgedachten Fastenopfers heute mal barmherzig sein zu einer Mitschwester, die mich nervt, zu einem Arbeitskollegen, der wieder zu spät kommt, zum Teenager, der wieder den ganzen Tag am Smartphone daddelt, mit der Oma, die jeden Tag anruft und ein langes Gespräch will.Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
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Gestern habe ich mit Ihnen die drei ersten Strophen eines Fastenzeithymnus bedacht. Bleibt heute noch die vierte und letzte Strophe. Sie heißt:Lasst uns loben den Herrn, lieben die Werke die er schuf,froh erwarten den Tag, der die Verheißung uns erfüllt.Dem Vater, dem Sohne, dem Geist sei die Ehre. Amen.In den ersten Strophen ging es um den Verzicht und die Ermahnungen der Schrift, diese gute Zeit der Gnade nicht zu verpassen. Verzicht dient aber der Freude, sonst dient er zu nichts! Gibt es eine sinnvollere Begründung für Verzicht?Frühere Zeiten haben Verzicht oft als Weltverachtung und Verneinen des Schönen in der Welt gedeutet. Aber das kann gar nicht sein: Der Verzicht ist freiwilliges Tun, weil ich den Wert der Dinge, die uns von Gott gegeben worden sind, neu schätzen lernen möchte. Wir gewöhnen uns so schnell an das Schöne und Wertvolle. Der Verzicht wertet das Schöne neu auf. Der Verzicht zeigt uns neu den Wert auch der kleinen Dinge und Geschöpfe, der Blumen, der Vögel, der Sonnenstrahlen auf unserer Haut, der Musik aus dem Radio, dem freundlichen Gruß des Briefträgers. Der Verzicht ermöglicht auch die Besinnung auf das Wesentliche: Brauche ich wirklich alles, was ich habe oder sollte ich mal entrümpeln und verschenken, was ich schon lange nicht mehr brauche?Und dann stellt sich daraus die Frage: Was hilft mir von all diesen Verzichtsleistungen, dass ich mich für Gottes Gegenwart öffnen kann?
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In der Fastenzeit gibt es sehr schöne Hymnen für die einzelnen Gebetszeiten. Mein liebster Hymnus heißt so:"Hört die Mahnung der Schrift, jetzt ist die Zeit der Gnade da.Paulus sagt uns das Wort: Jetzt ist die Stunde unseres Heils, empfangt nicht vergeblich die göttliche Gnade.Maßvoll lebe der Leib, wachsam und lauter sei der Geist, dass der Weg dieser ZeitDurchgang zur Auferstehung sei. Die Erde zu heilen schuf Gott diese Tage.Zeichen schauen wir nun, irdisches wird zum Bilde hier. Denn das kreisende Jahrlässt nach des Winters Frost und Nacht den Frühling die Erde für Ostern bereiten."Das ist das Schöne hier in Europa, dass wir den Wechsel der Jahreszeiten so live und in Farbe immer neu erleben können. Unsere brasilianischen Mitschwestern mögen die Kälte und Nässe hier auch nicht besonders gern, aber wenn es dann von Tag zu Tag heller wird, die ersten Narzissen und Tulpen selbst hier im Sauerland schon blühen und die Birnbäume in unserem Garten schon Knospen treiben, das lieben sie auch sehr.Und den Vergleich, den die letzte Strophe zu den ersten beiden Strophen zieht, finde ich wunderbar ermutigend: Wenn Du also die Mahnung der Schrift hörst, dass die Zeit der Gnade da ist. Wenn Du glaubst, dass jetzt die Stunde des Heils kommt. Wenn dich aufschreckt zu lesen: Empfangt nicht vergebens die göttliche Gnade. Wenn Du dann versuchst, maßvoll dem Leib zu geben was er braucht. Wenn Du geistvoll wach und lebendig lebst, wenn du der Zusage traust, dass der Weg dieser Zeit, Durchgang zur Auferstehung ist und wenn Du Dir glaubend vorstellen kannst, dass Gott diese Tage der Fastenzeit gegeben hat, um die Erde zu heilen. Dann ist es wunderbar poetisch, unsere Mühen und unseren Verzicht, unsere Umkehr zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Schöpfung mit dem aufbrechenden Frühling zu vergleichen: "Denn das kreisende Jahr lässt nach des Winters Frost und Nacht den Frühling die Erde für Ostern bereiten!" – Eine wunderbare Zusage für heute.
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Bei meinen regelmäßigen Besuchen in unserem Schwesternaltenheim werde ich immer wieder überrascht von Gedanken, Ideen, Gesprächen mit den oft schon sehr alten Mitschwestern. So auch vorgestern.Eine Schwester hat mich überschwänglich begrüßt: "Gut, dass Du kommst. Ich brauche Deine Hilfe." Sie hatte ihren Schleier gewaschen und getrocknet und superglatt gebügelt. Aber das Befestigen an der Haube und mit Haken und Ösen in Form bringen, das konnte sie nicht mehr allein. Also habe ich mit ein paar Handgriffen alles zu ihrer Zufriedenheit getan und ihn dann in den Schrank gehängt. "Wofür brauchst Du ihn, Du hast doch einen Schleier an?" war meine Frage. Und die Erklärung hat mich quasi umgehauen: "Der ist für die Osterfeierlichkeiten oder für in den Sarg." Ich war so verblüfft und überrascht und beeindruckt, dass ich mit offenem Mund dagestanden habe.Das nenne ich wohl Ostervorbereitungen. Wir, also Sie und ich heute früh beim Morgenimpuls, denken bei Ostervorbereitungen zunächst an Fastenzeit, Fasten und Verzichten, geistliches Tun und Bedenken, was uns neu auf Gott und die Mitmenschen ausrichten kann. Mit Gebet, mit guten Texten, mit Lesen in der Bibel, dem Besuch von Gottesdiensten und vielen anderen Möglichkeiten. Und dann später, in ein paar Wochen, die netten Vorbereitungen mit Ostereierfärben, Osterkuchen backen und Frühlingssträuße aufstellen.Aber diese sehr alte Schwester hat ganz klar: Ein paar äußere Vorbereitungen machen nur um so mehr deutlich, dass es am Ende um Tod und Leben geht; egal was wir tun. Und ich habe mich noch lange mit ihr darüber unterhalten, dass alles, was wir tun und lassen, auf Tod und Auferstehung hinausläuft und auf die Hoffnung und den Glauben an den Gott, der uns in seinem Sohn die Tür zum Leben nach dem Tod aufgeschlossen hat. Sie saß strahlend vor mir und ich hatte Gänsehaut vor lauter Mitfreuen und berührt Sein."Das brauche ich für die Osterfeierlichkeiten oder für in den Sarg." Was für ein gewaltiger, lebenslang geübter Glaube spricht aus solchen, scheinbar einfachen Worten.
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Am letzten Sonntag hat der Pastor nach der Messe noch herzlich eingeladen zu den geistlichen Abendmusiken in der Pfarrkirche. Und es klang so freundlich und interessant, dass wir die Einladung angenommen haben.Wir Zuhörenden sind im eigentlichen und übertragenen Sinn zu einem Gang durch die Geschichte des Glaubens eingeladen. In der Basilika, der alten Kirche St. Clemens, erklangen u. a. die Klagelieder des Propheten Jeremia von Emilio de’ Cavalieri, unterbrochen von Fugen Johann Sebastian Bachs und kurzen Texten. Dann wurden alle eingeladen in die neue, moderne Kirche direkt nebenan, nur durch eine Glastür getrennt.  Dort waren Teile aus der sogenannten Berliner Messe des neuzeitlichen Komponisten Arvo Pärt zu hören, unterbrochen von Fugen Robert Schumanns und Johann Sebastian Bachs.Selten hat mir ein Abend so sehr gut gefallen. Die Klagelieder des Propheten Jeremia, ungefähr 600 vor Christus entstanden, besingen den Schmerz und die Trauer über die Zerstörung Jerusalems. Aber trotz aller Klage blitzt auch hier schon die Hoffnung auf Gottes Erbarmen auf. Und in den Gesängen der Berliner Messe von Arvo Pärt leuchtet die Hoffnung auf, die durch Christi Tod und Auferstehung in die Welt gekommen ist. Diese Messe ist so bedeutend, weil sie im Juni 1990, in den spannenden Monaten nach dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung im Oktober 1990 beim Katholikentag in Berlin in der Hedwigskathedrale uraufgeführt worden ist. Das Thema des Katholikentages damals war "Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben" aus dem Buch Jeremia.Mir sind beim Zuhören und Bedenken, Überwältigtsein und Beten ganze Christbäume von Lichtern aufgegangen. Niemals ist den Menschen, die an Gott glauben, die Hoffnung verloren gegangen. Auch in Gefangensein, Leid, Krieg, Katastrophen und Zerstörungen gab es einen Funken Licht, einen Menschen, der dieses Licht verkündet hat und Glaubende, die gegen alle Vernunft, an diesem Licht der Hoffnung festgehalten haben. Bis heute.
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Vor der Sitzung eines Aufsichtsrates gibt eine Mitschwester immer einen kurzen geistlichen Impuls oder hat ein Gebet oder einen bedenkenswerten Text. Ich finde das eine gute Idee, um das innere Gedankenkarussell anzuhalten und Herz und Verstand und Leib und Seele dahin auszurichten, dem all unser Dienst gelten soll. Und einmal hatte sie ein Gebet mit. Das war ein Gebet für gestresste Manager. Es lautet: "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen" Hm, denken Sie vielleicht eventuell nun, damit enden doch fast alle unsere formulierten Gebete und was soll daran was für gestresste Manager sein? Ja, das stimmt. Dafür muss ich es jetzt so lesen, wie sie es gelesen hat. "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt, jetzt, jetzt, jetzt und für alle Zeit und in Ewigkeit. Amen"Das JETZT macht den Unterschied. Im Gottesdienst oder beim gemeinsamen Beten geht es automatisch von den Lippen und wir würden bestimmt zustimmen, dass es ja wahr ist und wir Gott ehren möchten. Theoretisch und im Hinterkopf ist das sicher auch so. Aber hat das eine Bedeutung für uns im normalen, chaotischen, schmerzlichen, schönen oder stressigen Alltag? Wenn es nicht fromme Theorie bleiben soll, würde es bedeuten, dass ich auch den stressigen Berufsalltag, all die tausend kleinen und einzelnen großen Entscheidungen zu Ehre Gottes tue. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut, tut das alles zur Ehre Gottes! Oder mein Lieblingsausspruch von Teresa von Avila: Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen. Oder von unserer Gründerin Maria Theresia Bonzel: Wenn ihr überall eurer vielen Arbeit keine Zeit zum Gebet habt, dann sei eure Arbeit das Gebet zur Ehre Gottes. Wenn Sie also Manager sind, oder einen der vielen tausend anderen Berufe ausüben und sich übern Tag gestresst fühlen, denken Sie an das JETZT und erledigen Sie es zur Ehre Gottes.
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Wir Schwestern hier im Konvent benutzen zu vielen Gelegenheiten die Stundenbuch-App auf dem Smartphone. Es ist sehr praktisch und man hat die Gebetszeiten und Texte aus der Bibel immer schnell zur Hand. Die Auflistung der jeweiligen Tage und Zeiten ist farbig unterlegt und jetzt war es viele Wochen im schönen, frühlingshaften grün. Seit Aschermittwoch schreit mich quasi ein Knallrot an und löst Alarm aus. In einer Straßenverkehrsampel ist das Grün die freundliche Aufforderung, zu gehen oder zu fahren und das Gelb die Information, dass jetzt gleich die Aktivität stehenbleiben soll. Aber das Rot ist unmissverständlich: stehenbleiben, auf keinen Fall weitergehen oder fahren, weil andere den Vortritt haben. Wenn man dagegen verstößt, kann es lebensgefährlich werden und wenn etwas passiert, ist man schuld, weil man das Haltesignal missachtet hat. Und es droht ein Bußgeld, ein Punkt in Flensburg und in schweren Fällen ein Fahrverbot. In der App ist es Gott sei Dank nicht so gefährlich. Es ist ein Signal: Halt an, schau um Dich und in Dich, schau auf Dein Leben und Deine Beziehung zu Gott. Und die Aufforderung ist wie bei der Roten Ampel auf der Straße: "Stehenbleiben, auf keinen Fall weitergehen oder fahren, weil andere den Vortritt haben.“ Oder, in diesem Fall, eher anderes. Nicht mehr in den üblichen Routinen bleiben, Dinge mal ganz anders machen, Gebetszeiten in den Tag einbauen und Apps oder Radioübertragungen nutzen, eine neue Art den Tag zu beginnen oder zu beenden ausprobieren und so weiter. Am vorletzten Wochenende war die Bundestagswahl mit ihrer Aufregung und am vergangenen Wochenende Karneval und Fasching. Das jetzt kommende Wochenende bringt vielleicht Luft und Zeit, um nach Angeboten und Ideen auszuschauen, wie diese österliche Zeit eine gefüllte Zeit werden kann, die uns Gott näherbringt und der inneren Orientierung neuen Schwung verleiht.  
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Vorgestern Abend nach der Vesper haben wir unsere Stundenbücher, also die Bücher, aus denen wir die täglichen gemeinsamen Gebetszeiten lesen, umsortiert: die normalen, also die für den Jahreskreis in den Schrank geräumt und die Bücher zur Fasten -und Osterzeit hervorgeholt. Und manche von uns hat im Stillen gedacht: okay, Buße, Reue, Fasten, Lieder in Moll statt in Dur und kein Halleluja und so. Und dann wurde es kompliziert: die Hymnen separat, die Psalmen nochmal an anderer Stelle, die Lesungen und der Rest dann nochmals an einem anderen Ort.Für unsere Laudesmitbeter war es noch komplizierter. Sie hatten sich jetzt seit Wochen an das normale Buch gewöhnt, die Bändchen und Einlageblätter lagen an den richtigen Stellen und sie konnten routiniert mitbeten und -singen. Ach und jetzt wieder alles neu und anders und es braucht wieder Übung, bis man richtig drin ist. Wie es uns mit dem neuen Gebetbuch geht, so ist es wahrscheinlich auch mit der Fastenzeit. Sie kommt einfach und ist jetzt da, ob es mir passt oder nicht und das allein ist schon eine gute Chance. Es ist nicht so verkehrt, mal aus den Routinen herauszukommen und etwas anders und neu zu machen. Und diese ersten Tage nach dem Aschermittwoch sind noch solche Tage.Viele von uns und Ihnen haben vielleicht schon eine Idee, was sie in dieser Zeit machen oder lassen wollen. Aber es ist noch neu und ungewohnt. Geben Sie doch in dieser Fastenzeit Gott neu Raum in Ihrem Tag. Und ob es fünf Minuten durchatmen am Fenster am Morgen, fünf Minuten Stille in der Mitte des Tages oder fünf Minuten ein Gebet am Abend ist, geben Sie Gott Raum in Ihrem Tag, Ihrer Wohnung, Ihren Abläufen, Ihrem Denken und Tun. Und Gott wird mit Ihnen sein.
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Wir haben zwei Birnbäume in unserem Garten und beide sind schon sehr alt. Der eine steht schön gerade und der andere sehr schief. Bisher hat es uns nicht so gestört, aber bei einem Sturm im Sommer, bei vollem Laub an den Bäumen, habe ich gesehen, wie der schräge Baum schon die Grasnarbe angehoben hat und sich immer weiter geneigt hat. Und so sind vorige Woche Mitarbeiter einer Gartenfirma gekommen und haben einige sehr dicke sehr lange Äste gekappt. Jetzt kann sich der Baum von der Schräglage erholen und vielleicht wieder ein bisschen aufrichten, und wir müssen nicht mehr fürchten, dass er eines Tages umfällt und großen Schaden anrichtet. Mir scheint, als sei das ein gutes Symbol für die Fastenzeit, die wir heute gemeinsam beginnen. In unserem Leben als Christen gerät immer mal was in Schieflage. Eine Seite wuchert zu stark und bringt das gerade Wachstum in Gefahr. Manchmal ist die Beziehung zu Gott überwiegend und wir vernachlässigen die Mitmenschen. Manchmal stellen wir uns selbst und unser Ego in die Mitte und alles andere wird nebensächlich. Oder wir bedenken nicht im geringsten, wie sehr unser Lebensstil der Schöpfung schadet. Es ist gut, wenn wir diese 7 Wochen nutzen um zu schauen, wo etwas schräg läuft: mit mir selber, mit meinen Mitmenschen, mit meinem Umgang mit der Schöpfung und mit Gott. Im Buch Deuteronomium heißt es, dass Gott sein Volk aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und immer den Schwur beachtet, den er mit seinem Volk geschworen hat. Lassen wir uns in dieser guten Zeit aus dem inneren Sklavenhaus herausholen und schauen, was uns versklavt und einengt, was unsere Beziehungen stört, was uns einseitig oder in falsche Richtungen wachsen lässt. Und lassen wir uns dann wandeln und grunderneuern und in gute Richtungen wachsen und gedeihen.  
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Vielleicht kennen Sie den schönen Karnevalssong, den ich mal ein bisschen in Hochdeutsch zitiere: "Trink doch eene mit, stell dich nicht so an, Du stehst hier die ganze Zeit herum, haste auch kein Geld, das ist ganz egal, trink doch mit und kümmer dich nicht drum."Und als ich dann die Lesung vom heutigen Dienstag in den Laudes gelesen habe, musste ich laut lachen. Da heißt es: "Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!" Diese Verse stammen aus dem Buch Jesaja und sind also zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert vor Christus entstanden.Dieser Vers ist eine wunderschöne Einladung Gottes an alle Menschen, seine Gaben und seinen Segen anzunehmen. Hier geht es um die Großzügigkeit und Freigiebigkeit Gottes. Wasser, Wein und Milch sind hier Symbole für den Segen und das Heil, das Gott anbietet. Das Besondere ist, dass diese Gaben kostenlos sind – sie können nicht mit Geld gekauft werden, sondern werden aus göttlicher Gnade geschenkt.Die Einladung richtet sich an alle, die "durstig" sind, das heißt, die Sehnsucht nach Gott und seinem Wort haben. Es ist eine Ermutigung, zu Gott zu kommen und sich von ihm erfüllen zu lassen. Jesus greift dieses Bild im Neuen Testament später auf, wenn er sagt: "Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke" (Johannes 7,37).Der Vers erinnert uns daran, dass weltliche Dinge oft nicht die Erfüllung bringen, die wir uns erhoffen. Nur in Gott finden wir die wahre Zufriedenheit und das Leben in Fülle.Wenn also Gott großzügig und freigiebig ist, wie könnten wir das dann nicht auch sein? Und vielleicht ist die Einladung Gottes und dieser schöne Song am heutigen Veilchendienstag eine nette Einladung, großzügig und freigiebig miteinander zu feiern und auch die dazu zu nehmen, die es nicht so gut haben und eine Einladung auf einen Drink gerne annehmen werden.
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