hafenradio
Archäologie, Geschichte, Hamburg, Museen .... und mehr
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Podcaster
Episoden
25.06.2026
59 Minuten
Diese Folge des hafenradios haben wir bereits im Januar 2024 aufgenommen. Damals hat Alfred Haffner an einem Beitrag für die Festschrift für die Luxemburgische Archäologin Catherine Gaeng geschrieben. Mit der Veröffentlichung der Folge haben wir gewartet, bis die Festschrift publiziert und übergeben wurde - was jetzt, im Sommer 2026 geschehen ist. Und so können wir jetzt auch im hafenradio loslegen mit einer spannenden Geschichte rund um einen sehr besonderen Kamm, der von einer bekannten Sammlerfamilie aus Lausanne in der Schweiz zu einem Antiquitätenhändler nach Paris gelangt ist, der wiederum gerne die Echtheit des Kamms als keltisches Kunstobjekt mit einem Gutachten bestätigt gewusst hätte. Aber es sollte anders kommen. Nun also seit einiger Zeit nochmal eine Vater und Sohn Folge mit Alfred und Christoph Haffner. In dieser Folge des hafenradios geht es um einen vermeintlich keltischen Kamm, der Alfred Haffner 1993 zur Begutachtung zugeschickt wurde. Ausgangspunkt war ein Brief aus Paris: Die Antiquitäten- und Kunstgalerie Ratton & Ladrière bat um ein Gutachten zu einem Kamm aus einer Sammlung der Familie Rothschild. Auf einem Farbfoto erkannte Alfred sehr schnell eine enge Verbindung zu Funden aus dem keltischen Grab von Weiskirchen im Saarland, das bereits 1851 entdeckt wurde. Vor allem die figürlichen und geometrischen Ornamente haben Alfred stutzig gemacht. Sie erinnerten nicht nur an das Grab von Weiskirchen, sondern auch an gleich mehrere dort gefundene Objekte, darunter eine Schnabelkanne (die auch ein ganz besonderes Objekt darstellt), eine Maskenfibel und einen Gürtelhaken. Er ließ sich deshalb das Original zuschicken und kam nach genauer Betrachtung zunächst zu dem Schluss, dass es sich nicht um eine keltische Originalarbeit, sondern um ein bewusst hergestelltes Stück handeln müsse aber auch nicht um eine Fälschung. Für die Einordnung zog Alfred weitere Fachkollegen hinzu. Die Materialuntersuchung deutete nicht auf echtes Elfenbein von Elefanten hin, sondern eher auf anderes Knochenmaterial, möglicherweise von Großsäugern wie zum Beispiel Elefanten oder Wale. Zugleich zeigte sich, dass der Kamm eine in der germanischen Kunst als „Stil II“ bezeichnete Ornamentik zeigt, während andere Motive direkt an Weiskirchen erinnern, also an keltische Kunst. Daraus entwickelte sich der Verdacht, dass vielleicht ein Kunsthandwerker alte Vorlagen verarbeitet und kombiniert hatte. Die weitere Spur führte über Mainz und das 19. Jahrhundert zur Odenwälder Elfenbeinschnitzerei. Alfred und seine Frau Edith besuchten das Elfenbeinmuseum in Erbach und sprachen dort mit der Direktorin über den historischen Umgang mit Vorbildern aus älteren Epochen. Entscheidend bei der Beweisführung wurde dann aber vor allem auch die ungewöhnlich große, sogenannte „Schnabelkanne“ aus dem keltischen Grab von Weiskirchen, die Alfred und der Restaurator Hermann Born am Rheinischen Landesmuseum in Trier gemeinsam genauer untersuchten: Durch ihre Bauweise, die Bronzeanalysen und die sichtbaren, qualitativen Unterschiede in den Ornamenten schloss Alfred, dass ein Handwerker das Stück im Original vor Augen gehabt haben muss. So entstand am Ende für den Kamm ein Datierungsrahmen: vor 1852, also bevor die Kanne aus Mainz vom ursprünglichen Finder, Eugen von Boch aus Mettlach, zurückgefordert wurde und wieder in dessen Besitz überging. Das Ergebnis des Gutachtens schien dem Antiquitätenhändler aus Paris nicht wirklich zu gefallen, der den Kontakt letztendlich abbrach. Am Ende bleibt der Kamm als einzigartiges Kunstobjekt, das keltische Vorlagen und germanische Ornamentik aufgreift, sie aber im 19. Jahrhundert neu zusammensetzt, zu einem ganz besonderen Kamm. Wo sich das Stück heute befindet, ist nicht bekannt.
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06.06.2026
1 Minute
In der mittlerweile 35. Folge sprechen wir mit Dr. Martin Eckert, dem Grabungsleiter der Ausgrabung am Ness in Hamburg. Wir sind auf dem Gelände des ehemaligen Commerzbank-Areals am Neß 9, direkt im Zentrum des mittelalterlichen Hamburgs, nahe Nikolai-Fleet, Trostbrücke und den historischen Einrichtungen der Altstadt. Das Archäologische Museum Hamburg untersucht hier die mittelalterliche und neuzeitliche Bebauung. Schon beim ersten Blick auf die ungewöhnlich tiefe Grabung stand dank unseres bekanntlich brillanten Humors auch der Titel der Folge fest: Der mittelalterliche Markt im Loch Neß.
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21.01.2025
1 Minute
In der heutigen Folge geht es um einen Lost Place vor den Toren Hamburgs, der sich seit über 30 Jahren zu einem Hotspot der norddeutschen Sprayer-, aber auch der Lost-Place-Szene entwickelt hat. Wer auf Instagram das Hashtag #PlanetAlsen eingibt, findet schnell über 1000, oft sehr farbenfrohe Fotos dieser ehemaligen Industrieanlage bei Itzehoe.
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09.12.2023
39 Minuten
Wir sind nach einiger Zeit endlich wieder unterwegs in Hamburg und besuchen Kay-Peter Suchowa, den die meisten Hörerinnen und Hörer vom hafenradio schon von verschiedenen Ausgrabungen in der Stadt kennen. Wir sind am Joseph-Carlebach Platz, dem ehemaligen Bornplatz, der bis 1939 Standort der Synagoge der jüdischen Gemeinde Hamburgs im Grindelviertel war. Die 1906 eingeweihte Synagoge war eine der größten in Deutschland und diente der Deutsch-Israelitischen Gemeinde als Hauptsynagoge. Das Gebäude wurde am 9. November 1938, der Reichspogromnacht, verwüstet, und brannte in großen Teilen aus. Die Ruine musste 1939 auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen werden. Später wurde das Gelände teilweise mit einem Hochbunker überbaut. Nach dem Krieg wurde der restliche Platz zeitweise als Parkplatz genutzt. Ende der 1980er Jahre wurde der Entwurf der Künstlerin Margrit Kahl umgesetzt, der den Grundriss und das Deckengewölbe der Synagoge auf dem Boden in einer Art Mosaik aus Pflastersteinen abbildet. Seit 2020 sind die Bemühungen an diesem Ort wieder eine Synagoge zu errichten mit der Bewilligung von Mitteln für den Wiederaufbau konkret geworden. In diesem Rahmen untersucht das Archäologische Museum Hamburg unter der Leitung von Kay mit verschiedenen sog. Schnitten den Untergrund, um zu klären was unter der heutigen Oberfläche noch erhalten ist. Kay führt und durch die verschiedenen Schnitte und Befunde, was sich als eine spannende und bewegende Reise in die jüngere Vergangenheit der Synagoge und jüdischen Lebens in Hamburg herausstellt. Im Zuge der Ereignisse des 7. Oktober 2023 mit 1.239 Todesopfern und mehr als 240 Geiseln bei dem terroristischen Überfall der radikal-islamistischen Hamas gegen Israel und dem folgenden Krieg im Gazastreifen, hat auch das Interesse an den Ausgrabungen zugenommen.
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20.08.2021
1 Stunde 28 Minuten
Über ein Jahr Pandemie liegt hinter uns und ihr habt lange nichts von uns gehört. Heute haben wir endlich wieder jemanden vor dem Mikro und auf diesen Gesprächspartner haben wir uns besonders gefreut! Die älteren Semester werden sich vielleicht erinnern, in den 1970er Jahren rief eine große Hamburger Tageszeitung zu einer Schnitzeljagd durch Hamburg auf. Die Leser*innen sollten den „Mann mit dem Koffer“ suchen und wer ihn als erster traf, durfte den Koffer, der mit einer gewissen Geldsumme gefüllt war, behalten. In der Zeitung fand man den einen oder anderen Hinweis zu dem Aufenthaltsort des „Manns mit dem Koffer“ und selbstverständlich waren es oftmals Orte, die den meisten Hamburger*innen bekannt waren. An diese Aktion fühlten wir uns sofort erinnert, als im Hamburg Journal des NDR das Projekt von Paul aka @framespotting_hh, so sein Instagram-Name, vorgestellt wurde. Paul ist Hobbyfotograf, der aus beruflichen Gründen in der Welt weit herumgekommen ist und auf seinen Reisen immer eine Kamera dabei hatte. Diese Fotos, zusammen mit den von ihm selbst entwickelten und gebauten Holzrahmen aus alten Pitchpine-Dielen, verteilt er auf langen Spaziergängen nicht nur in Hamburg, sondern auch auf seinen Reisen mit der Familie wie kürzlich ins Allgäu. So entstehen spontane Ausstellungen an zufälligen ausgewählten Orten im öffentlichen Raum und auf diese Weise hat Paul mittlerweile über 300 Fotos in die Welt getragen. Passanten, die diese Fotos in der Stadt finden und mit nach Hause nehmen möchten, sind dazu herzlich eingeladen. Die einzige Gegenleistung, wenn man das überhaupt so bezeichnen darf, die der Fotograf Paul sich wünscht, ist, dass die neuen Besitzer*innen ihren Fund auf Instagram oder über seine Homepage (https://frame-spotting.com ) veröffentlichen. Seine Leidenschaft für die Fotografie und die Idee, die Fotos in die Stadt zu tragen, um sie dort zu verschenken, hat uns direkt angesprochen. Es ist Street Art der ganz besonderen Art, denn genau diese Idee, die analoge Kunst im städtischen Raum bereitzustellen und anschließend im, wenn man so will, digitalen Raum durch den Finder zu veröffentlichen, war für uns der Grund, Paul für einen Podcast zu gewinnen. Hinzu kommt, dass dieses Projekt noch einen spielerischen Aspekt hat, die die Finder*innen und Follower, davon gibt es mittlerweile einige, animiert, sich auf eine Art „Schnitzeljagd durch die Stadt“ einzulassen. Für die heutige Folge unseres Hafenradios haben wir übrigens mit Paul einen Rundgang durch Harburg gewagt und dabei über sein Projekt, unseren Spaß an der Fotografie und, wie sollte es anders sein, die Stadtgeschichte von Harburg gesprochen. Mit dem Mikro in der Hand starteten wir am AMH und gingen zum Harburger Rathaus, von dort ging es zunächst zum Marktplatz Am Sand, dann an der Lämmertwiete vorbei und durch die Schloßstraße zum Kanalplatz im Binnenhafen. Die Harburger unter euch werden diese Route sicher kennen und vielleicht hat der eine oder die andere auch eines der beiden Fotos entdeckt, die Paul während der Tour gehängt hat. Bei diesem Gang durch die Gemeinde hatten wir uns viel zu erzählen und Harburg steuerte seinen ganz eigenen Sound dazu bei. Zitat Er sagt selbst: „Framespotting ist meine Art, Menschen meine Bilder näher zu bringen. Vor allem aber verschenke ich mit Framespotting Freude. Meine Galerie ist die Straße und diese Galerie ist oft nur sehr kurz präsent, denn jeder, der mein Bild findet, darf dieses auch behalten. Ich möchte mit Framespotting erreichen, dass Menschen mit offenen Augen durch die Welt gehen, mehr aufeinander achten und sich wieder über die kleinen Dinge des Lebens freuen. Framespotting soll etwas sein, worüber man sich noch lange zu Hause freuen kann.“
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