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09.07.2026
35 Minuten
Was bleibt vom Recht, wenn Bomben fallen und Staaten ihre härtesten Mittel einsetzen? In dieser Folge von Weltpolitik to go geht es um das humanitäre Völkerrecht, seine Geschichte und seine Grenzen in aktuellen Kriegen. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Regeln im Krieg tatsächlich leisten können: Sie beenden Gewalt nicht automatisch, schaffen aber Maßstäbe, um Kriegsverbrechen, zivile Opfer, militärische Notwendigkeit und den Schutz von Zivilistinnen und Kriegsgefangenen überhaupt benennen und politisch verhandeln zu können. Die Folge zeigt, warum Völkerrecht auch dann wichtig bleibt, wenn es gebrochen wird, und weshalb Öffentlichkeit, Social Media, Internationale Gerichte und zivilgesellschaftliches Engagement heute eine zentrale Rolle spielen.
Henning de Vries und der Blick auf die Ordnung im Krieg
Zu Gast ist Dr. Henning de Vries, Geschäftsführer des International Center for War Crime Trials an der Philipps Universität Marburg. Zuvor arbeitete er am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Promoviert wurde er in Bielefeld zur Strafverfolgung durch den Internationalen Strafgerichtshof. Seine Forschung beschäftigt sich mit Völkerrecht, globalen Strukturen und der Frage, wie internationale Ordnung entsteht, stabil bleibt oder unter Druck gerät. Grundlage des Gesprächs ist sein ZIB-Artikel „Das humanitäre Völkerrecht zwischen Erwartungsbildung und Widerspruch“ (Heft 2/2025).
Zwischen Humanität und militärischer Notwendigkeit
De Vries macht deutlich, dass das humanitäre Völkerrechtnicht zuerst fragt, ob ein Krieg gerechtfertigt ist, sondern wie Gewalt reguliert wird, wenn Krieg bereits stattfindet. Eine zentrale Aussage lautet: „Beim humanitären Völkerrecht geht es darum, wie wir militärische Gewalt anwenden können.“ Gerade darin liegt das Dilemma: Militärische Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit eröffnen Ermessensspielräume, während Humanität Grenzen setzen soll. Wichtig ist auch seine Frage: „Was erwarten wir eigentlich vom Völkerrecht?“ Denn die Leistung des Rechts besteht nicht nur in der Verhinderung von Gewalt, sondern auch darin, Regelbrüche sichtbar zu machen und sagen zu können: Hier liegt möglicherweise ein Kriegsverbrechen vor.
Vom 19. Jahrhundert bis zu Social Media
Die Folge zeichnet nach, wie sich das humanitäre Völkerrecht seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat: aus Friedensbewegungen, militärwissenschaftlichem Denken, öffentlichen Debatten, Zeitungsbriefen und der Auseinandersetzung zwischen militärischem Realismus und humanitären Prinzipien. Namen wie Kant, Clausewitz, Julius von Hartmann, Caspar Bluntschli, Helmuth von Moltke und Henri Dunant markieren Stationen dieser Entwicklung. Heute übernehmen Öffentlichkeit, NGOs, Medien und Social Media eine ähnliche, aber viel schnellere Rolle: Sie dokumentieren, bewerten und erzeugen Rechtfertigungsdruck. Gleichzeitig warnt die Folge vor vorschnellen Etiketten, wenn komplexe Situationen nur noch binär als „Kriegsverbrechen“ oder „kein Kriegsverbrechen“ bezeichnet werden.
Weiterführende Hinweise aus der Folge
1. Henning de Vries: „Das humanitäre Völkerrecht zwischen Erwartungsbildung und Widerspruch“, erschienen in der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB), Heft 2 2025.
2. Webseite der Zeitschrift für internationale Beziehungen mit der neuesten Ausgabe und dem genannten Artikel: https://www.nomos.de/zeitschriften/zeitschrift-fuer-internationale-beziehungen-zib/
Impressum:
Herausgegeben vom Herausgeberteam der Zeitschrift fürInternationale Beziehungen (ZIB) in Kooperation mit der Bayerischen Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung
Redaktion und Moderation: Lilli Banholzer.
Kontakt: lilli.banholzer@foks-allianz.de
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Lilli Banholzer,Kaulbachstraße 31/33, 80539 München
Henning de Vries und der Blick auf die Ordnung im Krieg
Zu Gast ist Dr. Henning de Vries, Geschäftsführer des International Center for War Crime Trials an der Philipps Universität Marburg. Zuvor arbeitete er am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Promoviert wurde er in Bielefeld zur Strafverfolgung durch den Internationalen Strafgerichtshof. Seine Forschung beschäftigt sich mit Völkerrecht, globalen Strukturen und der Frage, wie internationale Ordnung entsteht, stabil bleibt oder unter Druck gerät. Grundlage des Gesprächs ist sein ZIB-Artikel „Das humanitäre Völkerrecht zwischen Erwartungsbildung und Widerspruch“ (Heft 2/2025).
Zwischen Humanität und militärischer Notwendigkeit
De Vries macht deutlich, dass das humanitäre Völkerrechtnicht zuerst fragt, ob ein Krieg gerechtfertigt ist, sondern wie Gewalt reguliert wird, wenn Krieg bereits stattfindet. Eine zentrale Aussage lautet: „Beim humanitären Völkerrecht geht es darum, wie wir militärische Gewalt anwenden können.“ Gerade darin liegt das Dilemma: Militärische Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit eröffnen Ermessensspielräume, während Humanität Grenzen setzen soll. Wichtig ist auch seine Frage: „Was erwarten wir eigentlich vom Völkerrecht?“ Denn die Leistung des Rechts besteht nicht nur in der Verhinderung von Gewalt, sondern auch darin, Regelbrüche sichtbar zu machen und sagen zu können: Hier liegt möglicherweise ein Kriegsverbrechen vor.
Vom 19. Jahrhundert bis zu Social Media
Die Folge zeichnet nach, wie sich das humanitäre Völkerrecht seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat: aus Friedensbewegungen, militärwissenschaftlichem Denken, öffentlichen Debatten, Zeitungsbriefen und der Auseinandersetzung zwischen militärischem Realismus und humanitären Prinzipien. Namen wie Kant, Clausewitz, Julius von Hartmann, Caspar Bluntschli, Helmuth von Moltke und Henri Dunant markieren Stationen dieser Entwicklung. Heute übernehmen Öffentlichkeit, NGOs, Medien und Social Media eine ähnliche, aber viel schnellere Rolle: Sie dokumentieren, bewerten und erzeugen Rechtfertigungsdruck. Gleichzeitig warnt die Folge vor vorschnellen Etiketten, wenn komplexe Situationen nur noch binär als „Kriegsverbrechen“ oder „kein Kriegsverbrechen“ bezeichnet werden.
Weiterführende Hinweise aus der Folge
1. Henning de Vries: „Das humanitäre Völkerrecht zwischen Erwartungsbildung und Widerspruch“, erschienen in der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB), Heft 2 2025.
2. Webseite der Zeitschrift für internationale Beziehungen mit der neuesten Ausgabe und dem genannten Artikel: https://www.nomos.de/zeitschriften/zeitschrift-fuer-internationale-beziehungen-zib/
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09.07.2026
67 Sekunden
Weltpolitik to Go ist der Podcast der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB). Wir sprechen mit Wissenschaftler über aktuelle Fragen der Weltpolitik – verständlich, fundiert und nah an den politischen Debatten unserer Zeit.
Was prägt internationale Beziehungen heute? Wie verändern Kriege, Krisen, Machtverschiebungen, gesellschaftliche Konflikte oder neue Technologien die Weltordnung? Und was kann Forschung dazu beitragen, diese Entwicklungen besser zu verstehen?
In jeder Folge geht es um wissenschaftliche Perspektiven aufThemen, die in den Artikeln der ZIB wissenschaftlich untersucht und analysiert werden: Außenpolitik, Sicherheit, Frieden und Konflikt, internationale Institutionen, globale Ungleichheiten und die großen Herausforderungen unsererGegenwart. Dabei verbinden wir aktuelle Debatten mit Forschung aus der ZIB und sprechen mit Autor über ihre Analysen, Begriffe und Argumente.
Weltpolitik to Go richtet sich an alle, die Weltpolitik besser verstehen möchten und dabei auf wissenschaftliche Expertise setzen.
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Über diesen Podcast
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