Darf Krieg alles? Humanitäres Völkerrecht zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Darf Krieg alles? Humanitäres Völkerrecht zwischen Anspruch und Wirklichkeit

vor 1 Woche
35 Minuten
0
0 0

Beschreibung

vor 1 Woche

Was bleibt vom Recht, wenn Bomben fallen und Staaten ihre
härtesten Mittel einsetzen? In dieser Folge von
Weltpolitik to go geht es um das humanitäre
Völkerrecht, seine Geschichte und seine Grenzen in aktuellen
Kriegen. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Regeln im Krieg
tatsächlich leisten können: Sie beenden Gewalt nicht automatisch,
schaffen aber Maßstäbe, um Kriegsverbrechen, zivile Opfer,
militärische Notwendigkeit und den Schutz von Zivilistinnen und
Kriegsgefangenen überhaupt benennen und politisch verhandeln zu
können. Die Folge zeigt, warum Völkerrecht auch dann wichtig
bleibt, wenn es gebrochen wird, und weshalb Öffentlichkeit,
Social Media, Internationale Gerichte und zivilgesellschaftliches
Engagement heute eine zentrale Rolle spielen.


Henning de Vries und der Blick auf die Ordnung im
Krieg


Zu Gast ist Dr. Henning de Vries, Geschäftsführer des
International Center for War Crime Trials an der Philipps
Universität Marburg. Zuvor arbeitete er am Zentrum für
Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in
Potsdam. Promoviert wurde er in Bielefeld zur Strafverfolgung
durch den Internationalen Strafgerichtshof. Seine Forschung
beschäftigt sich mit Völkerrecht, globalen Strukturen und der
Frage, wie internationale Ordnung entsteht, stabil bleibt oder
unter Druck gerät. Grundlage des Gesprächs ist sein ZIB-Artikel
„Das humanitäre Völkerrecht zwischen Erwartungsbildung und
Widerspruch“ (Heft 2/2025).


Zwischen Humanität und militärischer
Notwendigkeit


De Vries macht deutlich, dass das humanitäre Völkerrechtnicht
zuerst fragt, ob ein Krieg gerechtfertigt ist, sondern wie Gewalt
reguliert wird, wenn Krieg bereits stattfindet. Eine zentrale
Aussage lautet: „Beim humanitären Völkerrecht geht es darum, wie
wir militärische Gewalt anwenden können.“ Gerade darin liegt das
Dilemma: Militärische Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit
eröffnen Ermessensspielräume, während Humanität Grenzen setzen
soll. Wichtig ist auch seine Frage: „Was erwarten wir eigentlich
vom Völkerrecht?“ Denn die Leistung des Rechts besteht nicht nur
in der Verhinderung von Gewalt, sondern auch darin, Regelbrüche
sichtbar zu machen und sagen zu können: Hier liegt möglicherweise
ein Kriegsverbrechen vor.


Vom 19. Jahrhundert bis zu Social Media


Die Folge zeichnet nach, wie sich das humanitäre Völkerrecht seit
dem 19. Jahrhundert entwickelt hat: aus Friedensbewegungen,
militärwissenschaftlichem Denken, öffentlichen Debatten,
Zeitungsbriefen und der Auseinandersetzung zwischen militärischem
Realismus und humanitären Prinzipien. Namen wie Kant, Clausewitz,
Julius von Hartmann, Caspar Bluntschli, Helmuth von Moltke und
Henri Dunant markieren Stationen dieser Entwicklung. Heute
übernehmen Öffentlichkeit, NGOs, Medien und Social Media eine
ähnliche, aber viel schnellere Rolle: Sie dokumentieren, bewerten
und erzeugen Rechtfertigungsdruck. Gleichzeitig warnt die Folge
vor vorschnellen Etiketten, wenn komplexe Situationen nur noch
binär als „Kriegsverbrechen“ oder „kein Kriegsverbrechen“
bezeichnet werden.


 


Weiterführende Hinweise aus der Folge


1. Henning de Vries: „Das humanitäre Völkerrecht zwischen
Erwartungsbildung und Widerspruch“, erschienen in der Zeitschrift
für Internationale Beziehungen (ZIB), Heft 2 2025.


2. Webseite der Zeitschrift für internationale Beziehungen mit
der neuesten Ausgabe und dem genannten Artikel:
https://www.nomos.de/zeitschriften/zeitschrift-fuer-internationale-beziehungen-zib/


Impressum:


Herausgegeben vom Herausgeberteam der Zeitschrift
fürInternationale Beziehungen (ZIB) in Kooperation mit der
Bayerischen Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und
Sicherheitsforschung


Redaktion und Moderation: Lilli Banholzer.


Kontakt: lilli.banholzer@foks-allianz.de


Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Lilli
Banholzer,Kaulbachstraße 31/33, 80539 München
15
15
Episode teilen
Darf Krieg alles? Humanitäres Völkerrecht zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Darf Krieg alles? Humanitäres Völkerrecht zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Close