Der Weltumsegler

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Kapitel 04 - Zwischenstopp auf Kap Verde
24.06.2026
30 Minuten
Auf Kap Verde in der Ankerbucht von Mindelo kam es fast zu einem Schiffsunglück. Das Ereignis hätte um Haaresbreite meine Reise rund um die Welt - zumindest vorerst - beenden können. „Ocean Bird“, eine schwere Segelyacht, driftete plötzlich manövrierunfähig geradewegs auf eine Kollision mit Segelyacht Victoria zu. Zum Glück konnte das Unglück in letzter Minute verhindert werden. Wie es dazu kam und was genau passierte, werde in diesem Kapitel erzählen. Aber dazu später.


Mittwoch, der 20. Mai 2026. Es ist 10 Uhr morgens. Ich bin vor drei Tagen von den Kanaren aufgebrochen. Meine Position ist 23 Grad 45,215 Minuten Nord und 20 Grad 29,075 Minuten West, etwa 250 Seemeilen von der afrikanischen Westküste entfernt. Kurs 212, noch 480 Seemeilen bis zum ersten Zwischenstopp auf meiner Atlantiküberquerung nach Brasilien: die Kapverdischen Inseln. ETA, das bedeutet „Expected Time of Arrival“, zu Deutsch „Erwartete Ankunftszeit“, ist laut PredictWind, meiner Segel App, Sonntag, der 24. Mai. 320 Seemeilen liegen bereits hinter mir, seit ich die Kanaren verlassen habe. Meine Geschwindigkeit beträgt durchschnittlich 5 Knoten über Grund. Das ergibt ein Etmal von 120 Seemeilen. Ein Etmal bezeichnet die zurückgelegte Distanz innerhalb von 24 Stunden.


Der Wind kommt seit Tagen stabil und unverändert mit sanften 10 bis 15 Knoten aus Nordnordost, also von Achtern, das bedeutet von hinten. Auf Vorwind Kursen, das sind Kurse bei denen der Wind von achtern kommt, fällt die Genoa, das ist das Vorsegel, oft in sich zusammen, weil es entweder vom Großsegel abgedeckt wird oder weil der Winkel zum Wind es nicht anders zulässt. Ein Spezialbaum, der waagerecht querab, also im rechten Winkel zum Mast, gehängt wird, hält die Genua fest, damit sich das Segel voll im Wind entfalten kann. Wenn er für eine Genua genutzt wird, spricht man fachlich vom Ausbaumen. Bei den vorherrschenden Norddordost Passatwinden wird das Großsegel meist auf der Backbordseite gefahren, während die Genua mit dem Spezialbaum auf der Steuerbordseite ausgestellt wird. Durch das Ausbaumen der Genua auf der einen Seite und das Großsegel auf der anderen Seite, auch "Schmetterlings-Segeln" genannt, kann das Boot den optimalen Winddruck nutzen, ohne dass die Segel flattern. Mein Spezialbaum ist aus Karbon und damit deutlich leichter als jedes andere Material, was mir sehr entgegenkommt, wenn ich alleine am Vorschiff rumhantieren und den Baum in die richtige Position bringen muss. Im englischen wird der Baum übrigens "Whiskerpole" bezeichnet.


Ebenso sanft wie der Wind sind auch die Wellen mit maximal zwei Metern Höhe. In regelmäßigen Abständen jedoch kommen zwei bis drei größere, höhere Wellen. Sie heben das Boot hoch und drehen es am Wellenkamm, als würden sie mir sagen wollen: „Hier draußen geben wir die Richtung vor, nicht du, Junge!“. Bei dieser Drehung flattert das Segel für einen Moment und James, der Autopilot, hat kurz zu tun, das Boot wieder in Fahrtrichtung auszubalancieren. Sekunden später hat sich alles wieder beruhigt.
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Kapitel 03 - Vor Anker vor Los Christianos
12.05.2026
39 Minuten
Segelyacht Victoria liegt vor Anker. Es ist 8 Uhr morgens. Ich wache auf. Der Tag beginnt. Als Erstes schalte ich das Ankerlicht aus und überprüfe den Batteriestand. Dann mache ich mir eine Tasse Tee und setze mich damit raus ins Cockpit. English Breakfast Tea mit einem Schuss Milch und ohne Zucker. Die Sonne steigt gerade über den Horizont und ich genieße die Ruhe und den freien Blick auf den Teide, einen markanten Vulkangipfel direkt vor mir, in rund 50 Kilometer Entfernung. Der Pico del Teide ist mit 3.715 Metern die höchste Erhebung auf der kanarischen Insel Teneriffa und der höchste Berg auf spanischem Staatsgebiet.


 


Das Boot liegt etwa 250 Meter entfernt von der Küstenlinie vor einem sehr gepflegten Sandstrand bei sieben Meter Wassertiefe vor Anker. Los Christianos ist ein kleiner, touristischer Ort an der Südwestküste von Teneriffa mit rund 20.000 Einwohnern. Nachmittags und abends ist hier einiges los, aber in der Zeit bis Mittag ist es schön. Richtig schön. Alles schläft, alles ruht oder sitzt noch beim Frühstück. So beginnt mein Tag bei 20 Grad Lufttemperatur, einem wolkenlosen Himmel, einer leichten Brise Wind aus Nord, einem sanften Schaukeln des Bootes und einem Rauschen der Brandungswellen. Der Tee tut gut, die Seeluft tut gut, die Ruhe tut gut. Für mich ist es die schönste Zeit des Tages. Erst ab 10 Uhr kommen die ersten Urlauber aus ihren Hotels, füllen langsam den Strand und spätestens mittags beginnt der Trubel. Doch für ein paar Stunden ist dieser Ort ein kleines Paradies.





Nach meiner Tasse Tee gehe ich unter Deck und bereite mir das Frühstück in der Pantry, so nennt man die Küche an Bord einer Segelyacht. Heute ist Sonntag, also gibt es auch etwas Besonderes: ein altes, italienisches Rezept meiner Mutter und deshalb liebevoll nach ihr benannt. Das „Zarin-Frühstück“ ist eine Eierspeise, ein Omelette, ähnlich der Frittata, gefüllt mit frischem, angebratenem Gemüse, wie Zucchini, Tomaten, Champignons und Zwiebelchen, und ein wenig geriebenem Käse. Dazu gibt es goldbraunen Toast und eine zweite Tasse Tee. 
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Kapitel 02 - La Semana Santa
06.04.2026
18 Minuten
Montag, der 30. März. Ich bin mittlerweile in Santa Cruz auf der Insel Teneriffa. Die Überfahrt vor wenigen Tagen von Lanzarote nach Teneriffa dauerte nicht ganz 24 Stunden. Es wehte eine steife Brise - zum Glück aus der richtigen Richtung - und so segelte ich sportlich mit rasant hoher Durchschnittsgeschwindigkeit von über 8 Knoten die 140 Seemeilen nach Santa Cruz.


 


Santa Cruz de Tenerife ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und neben Las Palmas de Gran Canaria eine der beiden Hauptstädte der Autonomen Gemeinschaft Canarias im Königreich Spanien. Der vollständige Name und Titel lautet seit 1803 "Muy Leal, Noble e Invicta Villa, Puerto y Plaza de Santa Cruz de Santiago". Das bedeutet "sehr treue, edle und unbesiegte Stadt, Hafen und Ort des Heiligen Kreuzes von Sankt Jakob". Die im Nordosten Teneriffas gelegene Metropole zählt heute 215.000 Einwohner. Damit man sich das besser vorstellen kann: Das ist annähernd so groß wie Freiburg in Deutschland oder Linz in Österreich.


 


Ostern. Die Karwoche. Wer in der Osterwoche in Spanien unterwegs ist und noch nie von der Semana Santa gehört hat, wird vermutlich seinen Augen nicht trauen: Tausende Menschen, die in langen Roben und spitzen Hüten durch die Straßen laufen und dabei Kreuze, riesige Kerzen und tonnenschwere Heiligenfiguren tragen...
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Kapitel 01 - Start der Weltumsegelung
01.04.2026
18 Minuten
Zufällig, aber ausgerechnet am Freitag, dem 13. März, um 07:30 Uhr früh morgens starte ich meine Weltumsegelung. Raus aus der Bucht von La Línea, vorbei am Affenberg, dem Peñón de Gibraltar, durch die Meerenge, raus auf den Atlantik. Vorbei an den für Segler gefährlichen und berühmt-berüchtigten Orcas und vorbei an den Großschiffen, den Tankern, die sich wie LKWs auf einer Autobahn aneinanderreihen.


 


Rund 700 Seemeilen Distanz liegen nun vor mir zwischen Gibraltar und dem ersten Halt am Südspitz von Lanzarote auf den Kanarischen Inseln. Das sind 5, eher 6 Tage Fahrt auf hoher See. Tag wie Nacht pflügt sich dabei der Kiel meiner Segelyacht unentwegt und unbeirrt durch den Atlantik.


 


Mein Name ist Patrick Michel Carrié. Ich war Musiker. Ich war Unternehmer. Ich war Familienvater. Und heute erzähle ich Ihnen eine Geschichte vom Beginn meiner Reise als Weltumsegler. 


 


Ich nehme Sie mit auf meine Segelyacht VICTORIA, benannt nach meiner heute 18-jährigen Tochter. Ich werde Ihnen vom Segeln, vom Reisen in ferne Länder, von fremden Menschen und ihren Kulturen berichten und ich werde meine Erfahrungen, meine Gedanken, ja sogar meine Gefühle mit Ihnen teilen. 


 


Wenn Sie wollen, steigen Sie zu und werden ein Teil meiner Reise. Eine Reise um die Welt und eine Reise zu mir selbst. Abenteuer und Heilung zugleich. Angetrieben von der Sehnsucht nach neuen Horizonten, im Innen wie im Außen. Eine Reise zu neuen Ufern, zu anderen Menschen mit anderen Geschichten.


 


Bernard Moitessier, französischer Weltumsegler und einer der bedeutendsten Solo-Segler der Geschichte, schrieb dazu 1971 in seinem Buch „La longue route“: „Eine lange Ozeanreise ist der kürzeste Weg zu sich selbst.“





Viel Spaß beim Zuhören.
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Über diesen Podcast

Mein Name ist Patrick Michel Carrié. Ich bin Österreicher, lebe auf meiner Segelyacht VICTORIA und bin aufgebrochen, um alleine um die Welt zu segeln. Ich werde Ihnen vom Segeln, vom Reisen in ferne Länder, von fremden Menschen und ihren Kulturen berichten und ich werde meine Erfahrungen, meine Gedanken, ja sogar meine Gefühle mit Ihnen teilen. Eine Reise um die Welt und eine Reise zu mir selbst. Angetrieben von der Sehnsucht nach neuen Horizonten, im Innen wie im Außen. Eine Reise zu neuen Ufern, zu anderen Menschen mit anderen Geschichten. Viel Spaß beim Zuhören!
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Kapitel 01 - Start der Weltumsegelung
Kapitel 01 - Start der Weltumsegelung

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