Die Weltkarte bildet nicht einfach Raum ab, sondern verleiht ihm Bedeutung. Die berühmte Mercator-Projektion, die wir seit der Schule kennen, prägt seit Jahrhunderten, wie Menschen die Erde sehen. Ursprünglich für die Navigation auf See entwickelt, verzerrt sie jedoch die Grössenverhältnisse massiv: Grönland wirkt zum Beispiel beinahe so gross wie Afrika – obwohl Afrika rund 14-mal grösser ist. Und Europa, Russland und Nordamerika erhalten dadurch visuell mehr Gewicht.
Eine von Togo und der Afrikanischen Union angestossene UNO-Resolution fordert nun, flächentreue Alternativen wie Equal Earth stärker zu nutzen. 164 Staaten stimmten dafür. Die Debatte führt weit über die Frage nach der passenden Projektion hinaus.
Warum liegt Europa häufig im Zentrum? Wie wurden Karten zu Werkzeugen kolonialer Expansion und territorialer Kontrolle? Was verraten Grenzen, Namen und weisse Flecken darüber, wessen Wissen sichtbar gemacht wurde – und wessen nicht?
Die Spur führt von Mercator und dem Nullmeridian von Greenwich über die koloniale Vermessung Afrikas bis zu Google Maps, OpenStreetMap und dekolonialen Gegenentwürfen.
Denn Karten sind unverzichtbar, aber niemals neutral. Sie bilden die Welt nicht einfach ab: Sie wählen aus, ordnen, vergrössern und verschweigen – und prägen damit, was wir für selbstverständlich halten.
Wenn euch «Zeitreise» gefällt, abonniert den Kanal!
Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen!
Hier geht es zur "Colonial Frontier Massacres Map":
https://c21ch.newcastle.edu.au/colonialmassacres/map.php
Oder schaut auch gerne mal in die spannenden Projekte des “Decolonial Atlas” rein:
https://decolonialatlas.wordpress.com
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.