Podcaster
Episoden
30.05.2026
19 Minuten
Fünf Uhr sechzehn im Schlachtraum: Kühlung, Wasser, blanke Messer, ein Boden, der nie ganz sauber wird. Johann, ein alter Schlachter, steht vor einem lahmenden Kalb, das nicht ausweicht. Was als Routine beginnen soll, bekommt eine Stimme, einen Atem, eine gefährliche Nähe. Zwischen Handwerk und Gewissen geraten die Sätze ins Wanken, mit denen Johann sein Leben lang Ordnung in Gewalt gebracht hat. Das Tier spricht nicht wie ein Wunder, sondern wie Wahrnehmung selbst: schlicht, körperlich, unerbittlich. So entsteht ein leises Duell um Schuld, Würde und die Frage, was es mit einem Menschen macht, wenn er gelernt hat, nicht mehr hinzusehen. Ein beklemmendes Kammerspiel von etwa 19 Minuten, reduziert auf zwei Stimmen, kalten Raumklang und das Gewicht einer leeren Hand. Nachklang hört hier dorthin, wo Verantwortung nicht laut wird, sondern im Atem stockt. Für alle, die literarische Hörspiele suchen, die nach dem letzten Ton weiterarbeiten.
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25.05.2026
9 Minuten
Zwei Stimmen rücken nah heran, eine von links, eine von rechts. Kein Raum ist zu sehen, und doch entsteht einer: warm, hell, körpernah, ein kleiner Zwischenraum aus Atem, Lachen und Komplimenten, in dem die hörende Person unvermittelt zur Hauptfigur wird. Das kurze Hörspiel spielt mit der Frage, wie Nähe klingt, wenn sie nicht fordert, sondern einlädt. Zwischen zärtlichem Flirt und vorsichtigem Vertrauen liegt die Spannung darin, Aufmerksamkeit auszuhalten: angesehen, angesprochen, gemeint zu sein, ohne ausweichen zu müssen. In seiner reduzierten Stereoform ist dieses experimentelle Stück weniger Erzählung als Begegnung. Nachklang lädt dazu ein, die Kopfhörer aufzusetzen und neun Minuten lang zu prüfen, was passiert, wenn Hören selbst zur Berührung wird.
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24.05.2026
19 Minuten
Frühmorgens, in einer stillen Einzimmerwohnung, wacht Jens Berger nicht nur vom Wecker auf, sondern von einer Stimme, die sein Leben erzählen will. Zwischen Heizungsticken, Badfliesen, Buslinie sieben und Großraumbüro entsteht ein eigentümlicher Zweiklang: ein Erzähler mit literarischem Pathos und ein Mann, der einfach nur richtig verstanden werden möchte. Was als trockene Komödie über falsche Zuschreibungen beginnt, wird leiser und näher. Jens widerspricht den großen Bildern, den fertigen Urteilen, den bequemen Deutungen – und doch berührt der Erzähler Stellen, an denen es wehtut: die Trennung, die Tochter, die Stille nach Feierabend. Die Frage bleibt, wer eigentlich bestimmen darf, was ein Leben bedeutet. Eine warme, melancholische Tragikomödie über Wahrnehmung, Einsamkeit und die Würde des Gewöhnlichen. Nachklang hört hier genau hin: auf kleine Korrekturen, auf Pausen, auf den Klang einer Wohnung, in der nicht alles leer ist, nur weil es still geworden ist.
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24.05.2026
21 Minuten
Tief unter der Erde, in Schacht Neun, summen Neonlicht und Lüftung gegen die Nacht an. Um 3:47 Uhr springt der Alarm an, eine Uhr zählt rückwärts, und Oberstleutnant Martin Kessler sitzt allein vor dem Schaltpult. Auf dem Bildschirm: vier rote Punkte, ein Befehl, ein silberner Schlüssel hinter Glas. Zwischen der kalten Stimme aus dem Lagezentrum und dem eigenen Atem beginnt ein Kampf, der leiser ist als jede Explosion. Kessler soll gehorchen, doch die Daten passen nicht zusammen, und dann werden Koordinaten zu Namen, Verantwortung zu Angst, Pflicht zu einer Frage, die kein Protokoll beantworten kann. Ein konzentrierter Thriller über Gehorsam, Gewissen und die Zumutung, im entscheidenden Moment Mensch zu bleiben. Der enge Klangraum aus Beton, Funkrauschen, Countdown und kontrollierten Stimmen macht die zwölf Minuten spürbar: ruhig erzählt, beklemmend nah, mit einem Konflikt, der lange nachhallt.
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24.05.2026
23 Minuten
In einer alten Küche in Wien-Favoriten stehen Gewürzdosen wie kleine Zeugen auf dem Tisch: Paprika, Lorbeer, Majoran, sieben Gramm Kümmel. István, einst Koch, diktiert Marlene sein Gulaschrezept, während die Uhr tickt, der Gasherd leise zischt und aus Mengenangaben plötzlich ein Leben hervortritt. Was bewahrt ein Rezept, wenn die Erinnerung brüchig wird? Zwischen Zwiebeln, Fluchtgeschichten und der zärtlichen Genauigkeit alter Handgriffe ringt István um Namen, Schuld und das, was von der Liebe bleibt. Marlene schreibt mit und merkt, dass auch ihre eigene Trauer in dieser Küche einen Platz findet. Ein intimes Kammerspiel über Fürsorge, Verlust und die Würde des Erinnerns. Nachklang hört hier auf die leisen Geräusche des Verschwindens: das Kratzen eines Stifts, das Klirren von Gewürzdosen, eine Stimme, die festhalten will, bevor etwas endgültig entgleitet.
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Über diesen Podcast
Nachklang ist ein deutscher Hörspiel-Podcast mit literarischen
Kurzhörspielen, die mit einer einfachen Situation beginnen und
irgendwann kippen. Ein Satz zu viel, ein Schweigen zu lang, eine
Erinnerung, die plötzlich im Raum steht. Jede Folge ist eine
abgeschlossene Geschichte – Dramen, Kammerspiele, moralische
Dilemmata, gelegentlich etwas, das in keine Schublade passt. Es
sind Geschichten über Schuld und Schweigen, über das, was Menschen
einander antun und füreinander tun, manchmal im selben Atemzug.
Leise erzählt, unausweichlich im Verlauf. Was danach bleibt, lässt
sich schwer beschreiben. Aber es bleibt. Es klingt nach. Neue
Folgen erscheinen regelmäßig. Jede Folge steht für sich. Alle
Hörspiele und mehr unter nachklang.fm
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