CIMPL - Psychologie, Kommunikation und Führung - Militär trifft Zivil

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Episoden

#18 Zivilcourage - Wann verlässt uns der Mut?
05.07.2026
56 Minuten
Woran liegt es, dass wir eingreifen wollen und es trotzdem nicht tun? Wann verlässt uns der Mut?


In Folge 18 beginnen wir mit einem Alltagsbild: ein Hund im überhitzten Auto. Reagieren oder nicht?


Die Antwort ist rechtlich klarer als viele denken und psychologisch komplizierter. Denn sobald mehrere Menschen zuschauen, passiert etwas, das nichts mit fehlendem Mut zu tun hat.


Besprochen wird:


§34 StGB – Rechtfertigender Notstand: Wann das Einschlagen einer Scheibe zur Rettung eines Hundes gedeckt ist – und unter welchen Bedingungen. §323c StGB – Unterlassene Hilfeleistung: Was das Gesetz fordert und warum die Zumutbarkeitsschwelle niedriger liegt als angenommen. Bystander-Effekt (Darley & Latané): Verantwortung verteilt sich in der Gruppe – niemand handelt zuerst. Ein universeller sozialpsychologischer Befund. Der Mythos „ich könnte verklagt werden": Wie eine Falschmeldung über eine Klage nach der Rettung eines Kindes diesen Irrglauben über Social Media verstärkt. Wissen als Hebel: Wer weiß, wie adäquates Eingreifen aussieht, wartet seltener auf andere.





Das Problem ist kein Mangel an Mut. Es ist Verantwortungsdiffusion – Gruppen versagen kollektiv, obwohl jedes Mitglied individuell handlungsfähig wäre. Hebel: direkte Adressierung und Handlungskompetenz. Beides gilt auf der Straße – und im Team.


Quellen & Links:


§34 StGB


§323c StGB


Bystander-Effekt


Tag der Zivilcourage (19.09.)





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#17 Wahrheit, Lüge, Feindbild – Was macht Social Media mit unserer Menschlichkeit?
21.06.2026
55 Minuten
In Folge 17 bauen wir auf der Grundfolge 16 auf: Dort haben wir geklärt, was Menschlichkeit in ihrer Grundform ist – ein biologischer Reflex, kein Wert, den man sich aneignet. Jetzt fragen wir: Was passiert mit diesem Reflex im digitalen Raum?


Wir sprechen über drei Mechanismen, die Social Media mit unserer Menschlichkeit macht:


Anonymität und Distanz: Warum Menschen online Dinge tun, die sie persönlich nie tun würden und was das mit der Hemmschwelle im Krieg gemeinsam hat.


Der Algorithmus als Verstärker: Warum Empörung mehr Reichweite bekommt als Nachdenklichkeit und was das mit unserem sozialen Verhalten macht.


Die Brücke zur psychologischen Kriegsführung: Wie Desinformation und Propaganda historisch und aktuell genutzt werden, um Feindbilder zu konstruieren und Entmenschlichung gezielt herzustellen. Zwei aktuelle Fälle aus Deutschland zeigen, wie konkret das ist:


Die Kampagne „Doppelgänger" (Auswärtiges Amt, 2024) fälschte über Jahre hinweg Webseiten deutscher Leitmedien und betrieb hunderttausende Fake-Accounts, um Stimmung gegen die Ukraine-Unterstützung zu erzeugen. https://www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2660362/73bcc0184167b438173e554ba2be2636/technischer-bericht-desinformationskampagne-doppelgaenger-data.pdf


Die Kampagne „Storm-1516" (BND/BfV, Dezember 2025) nutzte Deepfakes und erfundene Zeugenaussagen, um amtierende und ehemalige Regierungsmitglieder mit schwersten Straftaten in Verbindung zu bringen – mit dem Ziel, die Bundestagswahl zu beeinflussen und Vertrauen in demokratische Institutionen zu zerstören. https://www.bnd.bund.de/DE/Service/Public-Intelligence/_functions/20251212-attribuierung-storm-1516-sa.html


Takeaway: Social Media verändert nicht unsere Natur. Es verändert die Bedingungen, unter denen unsere Natur sich zeigen kann oder unterdrückt wird. Wer das erkennt, kann bewusster entscheiden, statt nur zu reagieren.


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#16 Ist der Mensch im Grunde gut?
07.06.2026
56 Minuten
Ist der Mensch im Grunde gut – oder macht Macht und Reichtum unmenschlich?


In Folge 16 wagen wir etwas Ungewöhnliches: eine etwas philosophischere Folge ohne sofortige Handlungsanweisung. Anhand von drei Dilemmata zwischen Menschlichkeit, Utopie und Dystopie fragen wir: Was sagt die Wissenschaft darüber, wie wir wirklich sind – und was Systeme, Macht und Reichtum daraus machen?


Was wir besprechen:


Rutger Bregman (Im Grunde gut, Rowohlt 2020) und seine These: Der Mensch ist von Natur aus kooperativ – Survival of the friendliest, nicht Survival of the fittest. Buch: https://www.rowohlt.de/buch/rutger-bregman-im-grunde-gut-9783499004162


Das Stanford-Prison-Experiment (Zimbardo, 1971) und Milgrams Gehorsamkeitsstudie (1961): Klassiker der Sozialpsychologie – und warum ihre Ergebnisse methodisch umstrittener sind, als jahrzehntelang behauptet wurde. Stanford: https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment Milgram: https://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment


Paul Piffs Forschung (UC Berkeley, PNAS 2012): Wer mehr Macht und Ressourcen hat, zeigt weniger Empathie – messbar, reproduzierbar, unabhängig vom Charakter. Sind wohlhabendere Menschen automatisch unsozialer? Studie: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1118373109


Zwischen diesen Schulen: Was macht ein System mit dem Menschen – und was macht der Mensch mit dem System?


Diese Folge ist bewusst als Grundlage angelegt. In den folgenden Episoden bauen wir mit konkreten Alltags-, Militär- und Business-Beispielen darauf auf.


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#15 Welches Risiko vermeidest du gerade?
24.05.2026
48 Minuten
Welches Risiko vermeidest du gerade – und welches gehst du genau dadurch ein?


Die Leitfrage dieser Folge ist inspiriert von Karin Kuschik und ihrem Buch „50 Fragen, die das Leben leichter machen".


Entscheidungen treffen wir täglich. Aber die meisten davon treffen wir nicht bewusst – wir vermeiden, verschieben, wählen den sicheren Weg. Kahneman und Gigerenzer liefern den wissenschaftlichen Rahmen: Wann ist schnelles, intuitives Urteilen (System 1) sinnvoll – und wann braucht es analytisches Abwägen (System 2)? Was im militärischen Kontext strukturiert gelehrt wird, bleibt im zivilen Alltag oft ungelernt.


In dieser Folge: – Kahnemans System 1 und 2 sowie die Prospect Theory – und was Gigerenzers Kritik daran verändert – Kernchancen vs. Kernrisiken: Wie du lernst, was dir wirklich Priorität hat – Persönliche Geschichten aus Kindheit, Beziehungen und Berufswahl als Spiegel für eigene Entscheidungsmuster – Wesentliche Leistung als Kompass: Wer weiß, wofür er steht, entscheidet anders – Intuition als erlernbare Ressource – nicht Bauchgefühl, sondern gespeicherte Erfahrung


Wer seine eigene wesentliche Leistung kennt, braucht keine perfekte Entscheidungsmatrix. Er weiß, was zählt – und kann Risiken eingehen, weil er weiß, wohin er will. Intuition ist kein Talent. Sie ist das Ergebnis von Erfahrungen, die du dir traust zu machen.


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Weitere Quellen:





Karin Kuschik – 50 Fragen, die das Leben leichter machen https://www.ullstein.de/werke/50-fragen-die-das-leben-leichter-machen/taschenbuch/9783548073323


Daniel Kahneman – Schnelles Denken, langsames Denken (deutsch) https://www.amazon.com/Schnelles-Denken-langsames-German-ebook/dp/B008FRNURA


Kahneman & Tversky – Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk (Originalarbeit, Econometrica 1979) https://www.econometricsociety.org/publications/econometrica/1979/03/01/prospect-theory-analysis-decision-under-risk


Gerd Gigerenzer – Risk Literacy (Essay, edge.org) https://www.edge.org/response-detail/10624


Gerd Gigerenzer – Interview zu Risikokompetenz und Entscheidungsfindung (Roland Berger)https://www.rolandberger.com/en/Insights/Publications/Psychologist-Gerd-Gigerenzer-on-risk-literacy.html


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#14 Wann dürfen wir unserem Bauchgefühl vertrauen?
10.05.2026
40 Minuten
Wann dürfen wir unserem Bauchgefühl vertrauen?


"Hör auf dein Bauchgefühl" – dieser Ratschlag klingt intuitiv richtig. Aber was genau ist dieses Bauchgefühl? Und warum führt es uns manchmal sicher durch komplexe Situationen, während es uns in anderen Momenten regelrecht sabotiert?


In dieser Folge schauen Léon und Marius genauer hin.


Was ist Intuition überhaupt? Intuition ist keine Magie. Sie ist komprimierte Erfahrung. Muster, die das Gehirn gespeichert und abrufbereit gemacht hat, ohne dass wir bewusst nachdenken müssen. Das macht sie in bestimmten Kontexten extrem wertvoll. Aber sie hat eine Schwachstelle: Emotionen.


Emotionen als Verstärker und als Störsender 


Emotionen sind kein Rauschen, das wir ausblenden sollten. Sie sind Information. Das Problem entsteht, wenn negative Emotionen – Angst, Stress, Unsicherheit - unser Bauchgefühl kapern und uns ein mulmiges Gefühl einreden, das nichts mit der tatsächlichen Situation zu tun hat. Wir bremsen aus. Wir zögern. Wir vermeiden.


Wir schauen uns an, wie dieser Mechanismus funktioniert und wie Führungskräfte lernen können, den Unterschied zu erkennen.


System 1, System 2 und wie Léon die Titel verdreht hat 


Dann kommen wir zu einem Klassiker, den Léon in unserem Gespräch kurzerhand umbenannt hat: Daniel Kahnemans "Schnelles Denken, Langsames Denken" – das Buch heißt natürlich Thinking, Fast and Slow – auf Deutsch erschienen als Schnelles Denken, Langsames Denken. Kahnemans System 1 und System 2 liefern den konzeptionellen Rahmen dafür, wann intuitives Denken zuverlässig ist und wann rationale Kontrolle eingreifen muss.


Somatic Marker Theory – der Körper als Entscheidungsinstanz Abschließend beleuchten wir die Somatic Marker Theory von Antonio Damasio. Seine These: Der Körper bewertet Situationen, bevor der Verstand es tut. Körperliche Signale – Anspannung, Unwohlsein, Erleichterung – sind keine Nebengeräusche, sondern Teil des Entscheidungsprozesses. Wer das versteht, entscheidet besser.


Dein Impuls für diese Woche: 


Denk an eine Entscheidung, die du zuletzt "aus dem Bauch heraus" getroffen hast. War es komprimierte Erfahrung oder ein emotionaler Störsender? Und wie hättest du es in dem Moment unterscheiden können?


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Folgen: @cimplpodcast


CIMPL – Civil and Military Progress and Leadership


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Über diesen Podcast

Hey, wir sind Marius und Léon. In CIMPL – Civil-Military Progress and Leadership sprechen wir über Psychologie, Kommunikation und echte Führungserfahrungen. Zwei Perspektiven, ein Ziel für Selbstführung und Führung anderer: Menschen verstehen, Entwicklung fördern und Klarheit schaffen. Kein Fachchinesisch – dafür echte Gespräche mit Haltung, Tiefgang und Humor.
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