Episoden

Die Psychodynamik der Suchtstation
01.02.2026
1 Stunde 16 Minuten
Man kann die Suchtstation als einen Ort verstehen, an dem sich Behandler und Patienten immer wieder in bestimmten Rollen wiederfinden. Je nachdem, welche vergangenen Beziehungserfahrungen die betreffende Person in die Beziehung mitbringt, verändern sich die Rollen auf beiden Seiten. Dadurch wird viel des sozialen Geschehens auf Station verständlich. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit besprechen wir diese typischen Rollen mit ihren jeweiligen Beziehungserwartungen und Vermeidungsstrategien und schauen uns an, wie hierdurch vergangene Beziehungsdynamiken reinszeniert werden. Abschließend diskutieren wir Implikationen für die therapeutische Praxis im Suchtbereich. _____________________________________ Quelle: Human Condition Revisited - The Psychodynamics of the Addiction Ward: open.substack.com/pub/thehumanconditionrevisited/p/the-psychodynamics-of-hospital-staff?utm_campaign=post-expanded-share&utm_medium=post%20viewer _____________________________________ Inhalt: 0:00 Einleitung 6:29 Zentrale Thesen 10:07 Übertragung und Gegenübertragung 26:19 Der Retter 28:43 Der Zyniker 33:31 Der Sheriff 39:20 Der Techniker 42:25 Der Vertraute 46:17 Der Rebell 50:49 Der Trickster 54:53 Das verlorene Kind 57:26 Der Fordernde 1:01:07 Der Spalter 1:03:43 Das Phantom 1:07:45 Was heißt das jetzt alles?
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Diagnosen #3 - Mimetische Ansteckung und Looping-Effekte
22.01.2026
1 Stunde 5 Minuten
Kann man eine Symptomatik dadurch bekommen, dass man von ihr erfährt? Kann man z. B. tourette-ähnliche Symptome schon dadurch bekommen, dass man viele YouTube-Videos über Tourette ansieht? So unglaublich es klingt: Es gibt viele gut dokumentierte Beispiele, in denen sich eine Symptomatik dadurch verbreitet, dass über sie kommuniziert wird. Ich versuche, diese Fälle von sogenannter mimetischer Ansteckung theoretisch zu erklären. Verblüffenderweise lässt sich das unter Zuhilfenahme einiger gut bekannter Effekte aus der Psychologie sehr gut bewerkstelligen. Das heißt aber keineswegs, dass alle psychischen Störungen auf "bloßer Einbildung" fußen, die wir nur rausfiltern müssen, um das eigentliche Wesen psychischer Störungen zu erkennen. Stattdessen mache ich mich erneut für eine moderate Zwischenposition stark, die kulturelle übertragbare Informationseinheiten ("Memes") als eine unter vielen verschiedenen Ursachen psychiatrischer Symptome anerkennt. ________________________________ Quellen: Thomas Reilly - Mimetic illness: open.substack.com/pub/rationalpsychiatry/p/memetic-illness?r=3zjgbe&utm_medium=ios&shareImageVariant=overlay Ian Hacking - Making Up People: lrb.co.uk/the-paper/v28/n16/ian-hacking/making-up-people Thorsten Padberg - Die Macht der Diagnosen: Looping-Effekte und die Folgen für die Psychopathologie: psychotherapeutenjournal.de/ptk/web.nsf/gfx/med_dome-dew3tn_871e1/$file/PTJ_2025-1_Artikel%20Padberg.pdf Paul Segar - Looping-Effekte und ADHS: unherd.com/2026/01/why-do-so-many-students-have-adhd/ Ian Hacking - Rewriting of the Soul: https://press.princeton.edu/books/paperback/9780691059082/rewriting-the-soul Page et al. 2010 Prädiktoren von Massenhysterien / Massenpsychosen: Frequency and predictors of mass psychogenic illness - PubMed Jones et al. 2000 Fallbeispiel Massenhysterie High School: Mass Psychogenic Illness Attributed to Toxic Exposure at a High School | New England Journal of Medicine Auflistung von Massenhysterien auf Wikipedia: Mass psychogenic illness - Wikipedia Prävalenz Linkshänder USA: https://jhanley.biostat.mcgill.ca/bios601/CandHchapter06/HistoryGeographyHumanHandedness.pdf  Engelmann et al. 2024 Psychologische Risikofaktoren für Long Covid: Psychological factors associated with Long COVID: a systematic review and meta-analysis - eClinicalMedicine Podcast Geteiltes Leid: open.spotify.com/show/5TV63QER9ZWuheLpAxu7Bm?si=e974c3e173024b9f ________________________________ Inhalt: 0:00 Das Havana-Syndrom 4:16 Einleitung 10:24 Mimetische Ansteckung 15:43 Bsp Benzingeruch in High-School 17:27 Bsp Pseudo-Tourette 20:25 Bsp Tic-Störung Thera Sanchez 21:40 Multiple Persönlichkeiten 27:21 Anzeichen für mimetische Ansteckung 30:15 Wieso nicht einfach Destigmatisierung? 33:30 Nicht alle Störungsbilder! 36:49 Welche Annahmen brauchen wir? 42:20 Wie funktioniert mimetische Ansteckung? 52:30 Sonderfall: inhaltliche Veränderung 55:24 Was folgt daraus?
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Diagnosen #2 - Exportiert der Westen seine Störungsbilder?
14.01.2026
52 Minuten
In seinem Buch "Crazy Like Us" stellt Ethan Watters 5 Fallbeispiele vor, die zeigen sollen, wie der Westen sein Störungsverständnis in andere Länder exportiert. Dadurch sollen sich die beobachtbaren Symptome in diesen Ländern verändern. Gleichzeitig läuft der Westen so Gefahr, den gut funktionierenden lokalen Umgang mit psychischen Leiden durch seine medizinische Herangehensweise zu ersetzen. Es stellt sich heraus, dass die vorgestellten Fallbeispiele Watters Thesen unterschiedlich stark stützen. Einige Störungen scheinen stärker durch ihren kulturellen Kontext beeinflusst zu werden als andere, was sowohl gegen den knallharten Realismus als auch den radikalen Konstruktivismus spricht. _______________________________ Ethan Watters - Crazy Like Us: https://psycnet.apa.org/record/2010-00036-000 Scott Alexanders Rezension: Book Review: Crazy Like Us - by Scott Alexander Psychiatric Times Rezension: Review – Crazy Like Us: The Globalization of the American Psyche | Psychiatric Times h-madness Rezension: Review – Ethan Watters. Crazy Like Us: The Globalization of the American Psyche. New York: Free Press, 2010. – h-madness _______________________________ Inhalt: 0:00 Einleitung 2:02 Zentrale Thesen 6:25 Anorexie in Hong Kong 11:30 Anorexie im Westen 15:25 Depression in Japan 22:30 Neurasthenie in Japan 27:04 PTBS auf Sri Lanka 36:54 Schizophrenie in Sansibar 45:47 Fazit
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Diagnosen #1 - Konstruktivistisches Denken
07.01.2026
42 Minuten
Liegen psychische Leiden wirklich so feinsäuberlich sortiert in der Welt vor, wie unsere Klassifikationen suggerieren? Der Realismus sagt: Ja, jeder Diagnose entspricht auch ein spezifisches reales Phänomen in der Welt. Der Konstruktivismus dagegen behauptet: Das Phänomen, das wir durch die Diagnose bezeichnen wollen, liegt nicht einfach vor. Vielmehr verändert es sich durch die Art, wie wir es beschreiben. Unsere Auffassungen über Depression etc. beeinflussen, wie Menschen leiden und welche Symptome sie zeigen. Dies lässt sich anhand einiger empirischer Beispiele eindrücklich darlegen. Vor hundert Jahren gab es etwa gewisse Symptome, die heute nahezu komplett verschwunden sind, etwa den Arc de cercle. Zudem gibt es in anderen Regionen der Welt Syndrome, die im Westen unbekannt sind, und umgekehrt. Schließlich gebe ich einen kurzen Ausblick auf die Kontroversen, denen wir uns im Laufe der Serie widmen werden. Und ich stelle den Autor vor, auf dessen Essays und Paper wir uns als Textgrundlage konzentrieren: Awais Aftab. ____________________________ Portrait Awais Aftab The Lancet: https://open.substack.com/pub/awaisaftab/p/profiled-in-lancet-psychiatry?r=3zjgbe&utm_medium=ios ____________________________ Inhalt: 0:00 Einleitung 4:17 Realismus 7:46 (radikaler) Konstruktivismus 11:23 2 Beispiele 18:05 Moderater Konstruktivismus 20:18 Sägen am Stuhl des Realismus 35:01 Was passiert außerdem? 39:07 Awais Aftab
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Depression im Hirn: Die neuronalen Grundlagen der Depression
31.12.2025
1 Minute
Wie äußert sich eine Depression im Hirn? Ich plädiere dafür, dass wir aus biologischer Perspektive interessante Aspekte einer Depression erkennen können, die anderen Perspektiven verborgen bleiben. Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Bio-Perspektive in allen Kontexten Vorrang hätte. Nachdem wir uns vom biologischen Reduktionismus verabschiedet haben, wenden wir uns zwei neuen Studien zu Biotypen der Depression zu. Es stellt sich heraus, dass wir unsere Behandlung durch die Kenntnis von Biotypen optimieren können. Allerdings entsprechen der Depression mehreren Biotypen und jeder Biotyp hängt mit unterschiedlichen Diagnosen zusammen. Es ist also kompliziert. Wie also eine Schneise schlagen durch das undurchsichtige Dickicht widersprüchlicher Taxonomien? Und müssen wir menschliches Leiden überhaupt feinsäuberlich einteilen, um Menschen zu helfen? ________________________________________ Quellen: Studie zu kognitiven Biotypen bei Depression: doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2023.18411 Studie zu Behandlung mit Guanfacin:  doi.org/10.1038/s44220-025-00510-7 Awais Aftab zu Biotypen von Depression und Angststörungen: open.substack.com/pub/awaisaftab/p/biotypes-in-depression-and-anxiety Tozzi et al. 2024 zu Biotypen von Depression und Angststörungen: nature.com/articles/s41591-024-03057-9 ________________________________________ Inhalt: 0:00 Epistemischer Pluralismus 8:53 Hoffen auf Reduktionismus 20:57 RIP Serotonin-Mangelhypothese 22:34 Hack et al. 2025 31:31 Tozzi et al. 2024 46:57 Biotypen transdiagnostisch 49:31 Fazit 53:01 Welche Taxonomie wählen?
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Über diesen Podcast

IG: therapieaufdenpunkt Mein Podcast zu Theorie und Praxis der Psychotherapie und verwandten Themen: Akzeptanz- und Commitment-Therapie, Philosophie der Psychiatrie, Philosophie des Geistes, Verhaltenstherapie, Persönlichkeitsstile Impressum: https://tinyurl.com/mvau4ymu

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